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Die Sicherheitsgesellschaft - Soziale Kontrolle im 21. Jahrhundert

Die Sicherheitsgesellschaft - Soziale Kontrolle im 21. Jahrhundert

von: Tobias Singeinstein, Peer Stolle

VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV), 2008

ISBN: 9783531908649, 181 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 17,99 EUR

Ersparnis: 1,91 EUR

  • Die Eigenlogik der Städte - Neue Wege für die Stadtforschung ( Interdisziplinäre Stadtforschung, Band 1)
    Posttraditionale Gemeinschaften - Theoretische und ethnografische Erkundungen
    Jugendliche im Abseits - Zur Situation in französischen und deutschen marginalisierten Stadtquartieren
    Prävention in der Kinder- und Jugendhilfe - Annäherung an eine Zauberformel
    Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird
    Handbuch Soziologische Theorien
    Sozialer Ausschluss und Soziale Arbeit
    Wach- & Schließgesellschaft Deutschland - Sicherheitsmentalitäten der Spätmoderne
  • Das Soziale gestalten
    Quartiersforschung - Zwischen Theorie und Praxis
    Empirische Sozialforschung für die Soziale Arbeit. Eine Einführung

     

     

     

     

     

     

 

Mehr zum Inhalt

Die Sicherheitsgesellschaft - Soziale Kontrolle im 21. Jahrhundert


 

2 Gesellschaft im Wandel (S. 17)

Sowohl Gegenstand und Zweck von Sozialkontrolle als auch die dazu eingesetzten Mechanismen und Techniken sind nicht statisch, sondern hängen von den soziokulturellen, ökonomischen und politischen Strukturen und Bedingungen einer Gesellschaft ab. Ein Wandel dieser Rahmenbedingungen zieht auch Veränderungen im Bereich sozialer Kontrolle nach sich.

Zum Verständnis der gegenwärtigen Formation von Sozialkontrolle ist es somit notwendig, sich mit den umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozessen auseinanderzusetzen, die seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu beobachten sind. Denn diese bilden die Grundlage für einen erheblichen Wandel der gesellschaftlichen Bedingungen sozialer Kontrolle (dazu unten 3).

Die zurückliegenden Jahrzehnte waren in den westlichen Industriestaaten von tief greifenden ökonomischen, politischen und soziokulturellen Transformationsprozessen geprägt, die in den vergangenen Jahren deutlich an Intensität gewonnen haben. Diese Entwicklung wird in der sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Diskussion aus unterschiedlichen Blickwinkeln und mit verschiedenen Begriffen beschrieben.

Wir konzentrieren uns im Folgenden auf zwei Ansätze, anhand derer wir diesen Wandel kursorisch darstellen: Mittels der Regulationsschule interpretieren wir die Veränderung des ökonomischen Akkumulationsregimes und der dazugehörigen Regulationsform als Übergang vom Fordismus zum Postfordismus. Die parallel dazu verlaufenden soziokulturellen Veränderungen diskutieren wir unter dem Stichwort einer sich herausbildenden Post- bzw. Spätmoderne.

2.1 Ökonomische Umbrüche

Die Veränderungen des Akkumulationsregimes seit den 1970er Jahren und der dazugehörigen politischen Regulationsweise werden von der Regulationsschule als Übergang vom Fordismus zum Postfordismus beschrieben. Unter Fordismus wird eine Form der Produktionsorganisation verstanden, die sich vorwiegend durch eine hoch rationalisierte Massenproduktion, staatliche Regulierung und ein korporatives Integrationsmodell auszeichnet.

Benannt ist sie nach dem US-amerikanischen Automobilhersteller Henry Ford, der 1909 als erster die Fließbandproduktion in seinen Werken einführte, die zwischen 1920 und 1970 zum führenden Produktionsmodell in weiten Teilen der industrialisierten Welt wurde.

Die Arbeitsorganisation in diesen Fabriken zeichnete sich durch eine Zerlegung der Produktion in einzelne Teilschritte, eine umfassende Arbeitsteilung und eine Dequalifizierung der Fabrikarbeiter aus, die rigide überwacht wurden und bedingt durch das Fließband vorwiegend stupide Arbeitsvorgänge zu erledigen hatten.

Durch die starke Rationalisierung der Produktion und die hohe Arbeitsproduktivität ermöglichte der Fordismus Lohnsteigerungen, die zu einem Massenkonsum führten, der es den Fabrikarbeitern ermöglichte, ihre eigenen Produkte zu erwerben. Parallel dazu setzten sich die Lehren von John Maynard Keynes durch, der gegen Wirtschaftskrisen und Unterbeschäftigung einen stark lenkenden Eingriff des Staates in die Marktabläufe propagierte, um so eine Vollbeschäftigung zu garantieren.

Dies führte zu einer staatlichen Regulierung nicht nur der Produktion, sondern weiter Teile der Gesellschaft, die sich in der Realität des Sozial- und Wohlfahrtsstaates niederschlug. Das vor allem in (West-)Deutschland sehr ausgeprägte Modell des Korporatismus im Rahmen der Sozialpartnerschaft zwischen Staat, Gewerkschaften und Unternehmerverbänden gewährleistete dabei einen gewissen sozialen Ausgleich.

Der keynesianische Wohlfahrtsstaat war demnach in seiner Blütezeit vornehmlich darauf bedacht, die Nachfrage im Interesse der Vollbeschäftigung zu regeln, soziale Rechte über normierten Massenkonsum auszuweiten und – zumindest in Kontinentaleuropa – bestimmte Bereiche zu dekommodifizieren, beispielsweise durch Frühverrentung und die Gewährung von passiven Leistungen ohne Aktivierungsmaxime.

Diese Akkumulationsform hatte sich Anfang der 1970er Jahre weitgehend erschöpft. Das in dieser Zeit vor allem im Bereich der Mikroelektronik stattfindende „technologische Erdbeben führte nicht nur zu Veränderungen im Alltags- leben und Konsum, sondern wirkte sich auch auf die Produktionsorganisation und -form aus. Die herkömmliche, am Fließband orientierte Produktionsweise wich zunehmend einer automatisierten Form, die zunächst zu Arbeitserleichterungen, später aber zu Arbeitskrafteinsparungen führte.