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VIERTER TEIL – KAPITEL 20 (S. 242-243)
Inzwischen hatte Percival Godliman alle Hebel in Bewegung gesetzt Jeder Polizist im Vereinigten Königreich besaß einen Abzug der Photographie von Faber, und etwa die Hälfte von ihnen war hauptamtlich damit beschäftigt, ihn aufzuspüren. In den Städten durchsuchten sie Hotels und Pensionen, Eisenbahn- und Busbahnhöfe, Lokale und Einkaufszentren, dazu die Brücken, Gewölbe und Bombengrundstücke, wo sich Obdachlose aufhielten.
Auf dem Lande suchten sie in Scheunen und Silos, in leeren Hütten und Schloßruinen, auf Lichtungen, in Dickichten und Kornfeldern. Sie zeigten Fahrkartenverkäufern, Tankwarten, Fährbesatzungen und Zöllnern die Photographie. Alle Häfen und Flugplätze wurden überwacht; an jedem Paßkontrollschalter hing das Bild hinter dem Anschlagbrett. Die Polizei glaubte, nach einem gewöhnlichen Mörder zu suchen. Der Wachtmeister auf der Straße wußte, daß der abgebildete Mann in London zwei Menschen mit einem Messer getötet hatte.
Höhere Beamte wußten etwas mehr: nämlich daß einem der Morde ein Vergewaltigungsversuch vorangegangen war, daß es für den zweiten anscheinend kein Motiv gab und daß der dritte – von dem ihre Männer nichts erfahren sollten – die Folge eines unerklärlichen, aber tödlichen Angriffs auf einen Soldaten im Zug von Euston nach Liverpool war. Nur die Polizeidirektoren und ein paar Beamte von Scotland Yard waren darüber im Bilde, daß der Soldat zeitweilig dem MI5 zugeteilt gewesen war und alle Morde mit der nationalen Sicherheit zu tun hatten. Auch die Journalisten glaubten, daß es sich um die übliche Fahndung nach einem Mörder handle.
Am Tage nachdem Godliman die Einzelheiten bekanntgegeben hatte, brachten die meisten Zeitungen die Geschichte in ihren Spätausgaben; die Morgenblätter für Schottland, Nordirland und Norwales hatten sie noch nicht, veröffentlichten aber am nächsten Tag eine Kurzfassung. Das Opfer von Stockwell wurde als Arbeiter bezeichnet, hatte einen falschen Namen erhalten, und man hatte nur vage angedeutet, aus welcher Londoner Gegend es stammte. In Godlimans Pressemitteilung wurde dieser Mord mit dem Tode von Mrs. Una Garden im Jahre 1940 in Verbindung gebracht, der Zusammenhang blieb aber unklar.
Als Mordwaffe wurde ein Stilett angegeben. Die beiden Zeitungen in Liverpool erfuhren sehr rasch von der Leiche im Zug; bei beiden kam man auf den Gedanken, daß der Londoner Stilettmörder verantwortlich sein könne. Beide baten die Polizei von Liverpool um Auskunft. Die Herausgeber der Zeitungen wurden vom Polizeichef der Stadt angerufen. Keiner druckte die Geschichte. Insgesamt nahm man 157 hochgewachsene, dunkelhaarige Männer fest, weil man sie für Faber hielt. Alle bis auf 29 von ihnen waren in der Lage zu beweisen, daß sie die Morde auf keinen Fall begangen haben konnten.
Angehörige des MI5 verhörten die 29. Von ihnen konnten 27 Eltern, Verwandte und Nachbarn als Zeugen nennen, die bestätigten, daß sie in Großbritannien geboren und schon in den zwanziger Jahre dort gelebt hatten, als Faber noch in Deutschland gewesen war. Die beiden anderen wurden nach London gebracht und noch einmal vernommen, diesmal von Godliman. Beide waren Junggesellen, die allein lebten, keine Angehörigen mehr hatten und ein unstetes Leben führten. Der erste war ein elegant angezogener, selbstbewußter Mann, der wenig überzeugend behauptete, daß er umherreise und Gelegenheitsarbeiten annehme.
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