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Ich rief meine Freundin Charlotte an und teilte ihr die Neuigkeit mit. Sie schrie vor Freude auf. Wahrscheinlich weiß bald die ganze Stadt, dass ich gekommen bin - die ganze Stadt, oder besser das, worauf sie sich für mich reduziert: zwei Dutzend Freunde und Freundinnen. Weder meine Eltern wissen etwas, noch meine Schwester, mein Bruder oder meine Großmutter. Die anderen Leute existieren für mich nicht. Und für sie bin ich lediglich eines dieser vielen jungen Mädchen, das ihre Blicke kreuzt. Für die Frauen - nichts Besonderes, manchmal ein paar Fragen wert. Für die meisten Männer - ein Beutestück, ein Objekt der Begierde (ein Arsch, ein Busen, ein Mund, wiegender Gang; lange Beine, die man spreizen kann; Hände, die berühren, streifen, streicheln, drücken können und mehr... und Augen, die aufreizend blicken. Ich weiß, dass es so ist. Man hat es mir immer wieder vorgeworfen.) Ich bin zwanzig Jahre alt, doch ich fühle mich wie hundert, wie tausend. Was weiß ich... Ich bin gekommen, ich bin anderswo. Ist es das, das Glück?
Zwanzig! Bald einundzwanzig...
Die Hand, die mir diese neuartige Lust schenkte, ist dreißig Jahre älter als mein Körper. Das musste wohl so sein. Mein »Alter Lover«, wie er sich kapriziös nennt, war zu Anfang des Jahres 2001 fünfzig Jahre alt.
2001, das Jahr meines ersten Orgasmus. Daran hatte Kubrik bestimmt nicht gedacht. Ich will es verkünden, will erzählen, wie es dazu kam. Nun, da die Frauen Tag für Tag kühner werden und ihre Geheimnisse enthüllen, will ich auf dieser Welle mitschwimmen und ein für alle Mal die Vorstellungen zerschlagen, die sich die Männer von unseren Begierden und unserer Lust gemacht haben.
Ich bin zwanzig Jahre alt und ich bin gekommen. Ist es blöd, stolz und glücklich darüber zu sein? In jenem Jahr zählte für mich nichts anderes, nicht einmal die Tatsache, dass ich mein Philosophiestudium mit Auszeichnung absolviert habe. Ich wollte kommen und ich bin gekommen. Ein Abenteuer, das besser ist als manch andere Schweinerei im Namen der Menschheit - wenn ich damit vielleicht auch einige wieder gutgemacht habe. Wer weiß?
Ich bin zwanzig und weiß schon lange, dass ich die Lust liebe. Bis zum Wahnsinn. Ich weiß auch, wie stark mein Verlangen ist, es schenkt mir einen Rausch, der mich anzieht und abschreckt zugleich. Seit langem ist meine Vorstellung von bewegten Bildern besetzt. Oft - zu oft, aber so ist es eben - sehe ich Körper, die sich einander zuwenden, Hände gleiten über Haut, Finger umschließen Penisse. Hart, stark... und geheimnisvoll. Wie sind sie beschaffen? Ähneln sie sich? Was weiß ich von ihnen, abgesehen davon, dass es Lange, Dicke, Harte gibt? Ihre Haut, ihr Umfang, ihre Kraft...? Es sind Bilder, sie sind nicht spürbar; gewissermaßen nicht existent, außer als eine Versuchung, die nicht greifbar ist. Habe ich diese Bilder im Kino aufgeschnappt? In Fotomagazinen? In Museen zwischen hehrer Kunst? Überall eigentlich. Diese Abschweifungen meiner Gedanken beherrschen mich. Manchmal kommen die Bilder im Wachen, egal wo - im Bus, auf der Straße, in der Vorlesung, in meinem Zimmer, auf dem Bett, auf dem Rasen im Park, im Zug. Ja, sehr oft im fast unmerklichen Schwanken eines dahinrasenden Zuges. Dann schwellen meine Lippen an, ich stehe im Bann meiner Atemlosigkeit. Zwischen meinen Schenkeln spüre ich eine Feuchtigkeit, die auf etwas verweist, das ich noch nicht kenne. Bin ich normal? Die meisten meiner Freundinnen haben ihre Jungfräulichkeit schon vor Urzeiten verloren, ich aber habe bis zum letzten Jahr gewartet und Eric hineingleiten lassen...
Was habe ich nur getan? Eric - Frédérics bester Freund! Mein Frédéric, der mich seit Trimesterbeginn umwarb, mein Frédéric, mit dem ich lediglich knutschte und bei dem ich gerade mal einen leichten Abdruck meines Körpers in der Erinnerung seiner starken Arme hinterließ! Warum Eric und nicht Frédéric? Warum der eine und nicht der andere? Warum nicht beide gleichzeitig? Wo liegt die Wahrheit?
Es geschah an einem verregneten Samstag. Eric, ein Kommilitone, lud mich zu sich nach Hause ein, um eine Vorlesung nachzuarbeiten. Was dann passieren sollte, hätte ich niemals erwartet. Seit Wochen erkundete ich den Mund seines besten Freundes Frédéric; ich mochte seine Lippen und seine Zunge, die unsere Liebkosungen begleiteten und immer neue Überraschungen ersannen. Wenn er mich in seine Arme schloss und an sich drückte, war mir, als wollte er uns in einen einzigen brennenden Leib verwandeln. Ich bebte vor neuen, stummen Empfindungen. Natürlich war ich nass wie niemals zuvor, und doch stieß ich seine Hand immer zurück, wenn sie sich an meinem Höschen zu schaffen machte; ich weiß nicht, warum; wahrscheinlich aus Angst. Er war stärker als ich, aber schüchterner und ganz unsicher, Frédéric, mein kleiner Poet!
Eines Abends spät nach einem Seminar legte ich im Schatten einer Straßenlaterne vor seinem Haus die Hand auf seinen Hosenschlitz. Sein Glied war hart, es drückte gegen seinen Bauch und hob sich Richtung Hosenbund. Ich traute mich nicht, den Reißverschluss aufzuziehen und es in die Hand zu nehmen, obwohl ich schreckliche Lust dazu hatte. Und so streichelte ich sein Glied, seinen Schwanz, seinen Ständer durch den Stoff hindurch. Meine Hand war entschlossen, aber ich zitterte am ganzen Leib, meine Beine waren wie Butter und hielten mich bestimmt nur noch aus Gewohnheit aufrecht. Ich versuchte, in meiner verstörten, aber hemmungslosen Vorstellung die Form seines Glieds nachzuzeichnen. Sein Atem ging schneller. Seine Zunge bewegte sich so langsam wie noch nie in meinem Mund. Bange zog ich meine Hand zurück und machte mich los. Nein! Er nahm mich wieder in den Arm und sagte: »Ich liebe dich.« Und da musste ich plötzlich schallend lachen. Liebe - so ein Unsinn! Armer Frédéric!
Eric lud mich also ein, Tee zu trinken und zu lernen. Niemals hätte ich an Liebe oder Sex gedacht - ich dachte nur an den lustfeindlichen Kant.
Am Nachmittag nahm Eric mich mit zu sich nach Hause, er sagte, endlich wären wir alleine, seine Eltern seien verreist. Das war die erste Neuigkeit. Seine Geschwister waren auch nicht da. Als hätte er alle vertrieben. Oder umgebracht. Vielleicht lagen ihre Leichen nun im Keller...
Eric machte mir plötzlich Angst. Kurz, wir wären allein.... ganz allein und ungestört, wie er sagte; dabei war sein Mund leicht verzerrt, wie ich nicht ohne Sorge feststellte.
Um die Fronten zu klären, sagte ich, dass Frédéric möglicherweise noch vorbeikommen wollte. Frédéric und ich hatten schon als Studienanfänger im überdachten Innenhof der Uni geknutscht; Eric hatte uns zusammen gesehen, er musste es wissen. Ich setzte mich auf den Stuhl vor Erics Schreibtisch, der einen Teil des Zimmers ausfüllt, und schlug mein Buch auf. Eric sah mich an. Wie soll ich dieses Etwas beschreiben, das sich im Blick eines Mannes verbirgt? In diesen Augen sah ich es. Doch ich konnte die Zeichen des aufziehenden Sturms nur schlecht deuten - dieses Irre, dieses Starre im Blick, das jenseits der normalen Sehtätigkeit liegt und mich überwältigen sollte.
Wir rekapitulierten die letzte Vorlesung des Profs, den wir wegen seiner Strenge und Klugheit so mochten, und ich - warum sollte ich es mir nicht eingestehen? - wegen seines Arschs und seiner geheimnisvollen Art. Dann wurde Eric still. Ich begriff gar nicht richtig, wie es kam - plötzlich stand er hinter mir, strich über meine Brüste und drückte seine Lippen auf meinen Hals. Ich war überrascht. Ich konnte (oder wollte?) mich nicht entziehen, und fing an zu beben unter diesen Küssen, mit der er die Haut unter meinem Haar bedeckte und dort nie gekannte, seidig weiche Schneckenlinien zog.
»Eric, Eric...«
Eine schwache Gegenwehr. Seine Zunge leckte diese geheime, vom Haar geschützte Stelle, als wäre es ein Salzblock. Ah, wie er lechzte! Er sog meinen Duft ein. Er summte und brummte wie eine Hummel und verwandelte mich in eine Blume oder ein... ich weiß nicht was - alles auf einmal. Ich wand mich, schlingerte, ging unter wie ein Schiff, dabei war das Meer doch weit. Ich sah nichts mehr, dabei war es doch hell.
War das Wollust? Ich klammerte mich an die Texte zur philosophischen Realität im Buch vor mir, doch ich erkannte gerade noch, dass die Worte sich überlagerten. Die Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik verloren ihren Sinn, und ich verlor jede Zurückhaltung. Ich war verloren. Vor einer Woche war ich zwanzig geworden, nun machte Erics Speichel meinen Hals zu einem Meer, über das ein bislang nie gekannter Sturm fegen sollte. Mein Schoß pochte wie ein Herz, das ich unter Kontrolle bekommen wollte. Vergebens.
Ich drücke meine Schenkel aneinander, will mich wehren.
»Aufhören, hör auf...«
Ein Verb im Imperativ, aber der Ton ist sanft, eher ein Hilferuf, weil ich die Beute bin und er der Jäger ist. Die älteste Sache der Welt. Dann dreht Eric den Stuhl. In einer Hand hält er seinen erstaunlich steifen Schwanz, den er aus der Hose geholt hatte, ohne dass ich es merkte, mit der anderen Hand packt er meinen Kopf und drückt meinen Mund hin zu der glänzenden Haut dieses Körperteils, das offenbar nur dazu da ist, mich zu nehmen.
»Blasen!«, befiehlt er.
Eric ist stark. Sein Glied ist hart wie Stein, wie eine Peitsche aus gespanntem Leder, aus gegerbtem Leder. Ich sitze auf diesem Stuhl, wo er mich gefangen hält. Ich weiß nicht mehr, was tun. Schreien? Wie denn? Mit diesem riesigen Bonbon, das er mir in den Mund schiebt? Ein gutes Bonbon, ein leckeres Bonbon, ein ganz neues Bonbon. Oh, wie ich dich will, du Ding meiner Träume!
Mein Körper will Teil der Bilder werden, die mein Denken beherrschen. Mit beiden Händen packe ich also den Schwanz vor meinen Augen. Ich lasse ihn ganz in meinen Mund gleiten, drücke ihn mit den Fingern und spüre die Spannung, spüre dieses Verlangen nach Implosion, nach Explosion. Ich mache meinen Mund weit auf, hole Luft, streife mit der Zunge über diese heiße Haut und lecke zum ersten Mal dieses unergründliche Objekt der Begierde, dieses anziehende und zugleich abstoßende Ding. Eric steht aufrecht, er hält meinen Kopf, streicht über mein Haar, drückt sich in meinen Mund, an meine Zunge, die nicht weiß, wo verweilen, schiebt sich zwischen meine Lippen, die ihn umschließen und an ihm saugen. Für mich ist es das erste Mal. Er schmeckt gut, seine Stöße sind kräftig. Manchmal bekomme ich keine Luft. Ich werde hier ersticken. Hure! Ich bin eine Schwanzlutscherin, eine Hure. Er hat mich seinem Willen unterworfen, ja, o ja! Mir schwirrt der Kopf. Er demütigt mich, macht mich zu seiner Sklavin. Dieser Schurke vergewaltigt mich. Ich will diesen Schwanz, der meinen Mund ausfüllt und meine Zunge beschäftigt, während meine Hände ihn immer stärker reiben und drücken. Ich habe Angst vor dem, was passieren kann. Ich habe Angst, ihm wehzutun. Ich bin ganz durcheinander.
Und in diesem Augenblick klingelt es.
Erschrocken zieht Eric ihn aus meinem Mund. Es läutet wieder, dieses Mal länger. Eric ist wie erstarrt, er sieht mich an und geht auf die Knie. Seine Zunge schiebt sich in meinen Mund, während er mich an sich zieht und mich wiegt. Wir fallen auf den Teppich, den sein Vater aus Afghanistan mitgebracht hat. Nicht Joseph Kessels Steppenreiter springen mich an, auch nicht die kleinen sowjetischen Panzer, deren Abbilder unser Lager säumen - sondern ein wild gewordener Eric. Er reißt mir T-Shirt und BH vom Leib und knetet meine Brüste wie ein Wahnsinniger. Er tut mir weh. Seine Lippen gleiten von meinem Mund ab, mit einer Hand schiebt er den Rock hoch. Ich will weg, will ihm entkommen. Das ist mir zu viel. Zu gefährlich. Es tut weh. Seine erfahrene Hand stürzte sich gierig auf meinen Schoß wie ein Tier auf seine Beute. Ich spüre, wie er den Stoff des knappen Baumwollslips - ein Geschenk meiner Großmutter - zur Seite schiebt. Und dann, mit einem unglaublichen starken Lendenstoß, dringt er in mich ein.
Bin ich nass! Er hat sich nicht mal die Mühe gemacht, mir die Unterhose auszuziehen. Er hat meine Beine angehoben und ohne Vorwarnung sein Glied in meinen gierigen, offenen Schoß gesteckt, dem bis dahin noch niemals Gewalt angetan worden war.
Ich schreie. Er hat mein Jungfernhäutchen durchstoßen... und er kommt. Ich nicht. Ich habe Angst, ein Kind zu bekommen.
Ich weine.
Zum Trost verspricht er, mir in den kommenden Tagen mit jedem seiner zehn Finger einen Orgasmus zu bescheren. Er ist zweiundzwanzig, er glaubt, er weiß alles, aber das wird ihm niemals gelingen, weil er mir Angst gemacht hat. Er glaubt, etwas zu sein, was er noch nicht ist - sicherlich eine schmerzhafte Phase der Jugendzeit. Außerdem träume ich nicht von den zehn Fingern seiner Hände, sondern von einer Hand mit zehn Schwänzen. Ob es so etwas wohl mal für mich gibt und mir die höchste Lust schenkt?
Er ist gekommen. Ich nicht. Was wird aus mir? Ich bin das Allerletzte.
Eine Nacht ist vergangen. Das musste sein, bevor ich mit Charlotte sprach. Charlotte, meine beste Freundin, meine Schwester, mein Zwilling, mein Schutzengel, mein Glück. Mit ihr habe ich mich niemals alleine gefühlt auf dieser Welt.
»Das war's.«
Gestern Nachmittag erzählte ich ihr alles, ohne das Geringste auszulassen. Sie hörte mir zu und traute sich kaum, mich zu unterbrechen, aus Angst, es könne ihr bei der Schilderung dieser Momente, auf die wir alle so gewartet hatten, die kleinste Kleinigkeit entgehen.
»Schrecklich! Es war schrecklich!«
»Hattest du Schmerzen?«
»Ja, klar! Aber das ist schon vorbei.«
Ich redete, das Telefon in einer Hand, die andere Hand auf der Brust. Ich redete mit Charlotte wie mit mir selbst, nur dass ich laut sprach und die Resonanz meiner Stimme die Luft um mich herum in Schwingungen versetzte. In meinem Jungmädchenzimmer dauerten die Vertraulichkeiten mit meiner teuersten Freundin immer Stunden. Bei unserem Tratsch ließen wir kein Detail aus. So sind Mädchen eben. Die Jungs denken oft, wir seien nicht in der Lage, einen Schwanz in aller seiner Nacktheit zu sehen, aber da täuschen sie sich. Und als Charlotte, die immer noch Jungfrau war, wissen wollte, wie Erics Schwanz war...
»Hm, er ist lang, dick an der Wurzel und nach oben hin verjüngt er sich ein wenig. Und seine Eichel, also das Ende, ist rosig; wie eine kleine, spitze Pilzkappe schob sie sich bei der Erektion aus der Vorhaut...«
»Was wird Frédéric dazu sagen?«
»Was denkst du?«
»Dass er nichts davon erfahren sollte.«
Charlottes Rat. Man konnte ihn annehmen oder verwerfen. Wie immer.
»Wie gerne wäre ich an deiner Stelle gewesen! Siehst du ihn wieder?«
Eine schnelle Überlegung, und die Entscheidung steht fest.
»Nein, ich werde ihm aus dem Weg gehen.«
»Ach, Sarah!«
»Er hat mich schließlich vergewaltigt!«
Wir können Stunden reden, uns immer wiederholen und uns dabei amüsieren. Freundinnen sind so. Charlotte nimmt den besonderen Rang der besten Freundin ein, sie ermutigt, tröstet, sie verzeiht alles, sie hört immer zu, sie kommentiert unermüdlich. Sie kann eifersüchtig werden, ohne boshaft zu sein, man kann mit ihr und durch sie alles erleben, was das Leben an Überraschungen und Offenbarungen, an Freud und Leid zu bieten hat. Sie ist wie eine Doppelgängerin.
Ich bin zwanzig und ich bin keine Jungfrau mehr. Meine Eltern wissen nichts. Meine Mutter weiß nicht mal, dass ich bei einem Gynäkologen war, einem Freund von ihr; er hat mir die Minipille verschrieben und mir Ratschläge erteilt. Ich soll mich vor Aids hüten und vor einer Schar anderer Krankheiten, die man sich beim Sex einfangen kann. Ich hörte ihm zu und war hin und her gerissen zwischen Lachen und Weinen. Und ich hatte unbändige Lust, ihn zu verführen. Ich wusste, dass er mich in seiner Eigenschaft als Arzt betrachtete, aber ich hätte ihn mit meinem Lächeln gerne verlockt. Ich weiß, dass Männer beim meinem geschwungen Mund von wollüstigen Küssen träumen. Und von intimeren Liebkosungen - das weiß ich jetzt auch. Einen Mann zu erregen ist nicht schwierig. Das weiß ich, seit sich meine Brüste unter den engen schwarzen T-Shirts abzeichnen, die ich so gerne trage. Männer kommen sich vor wie Eroberer. Wenn man ihre Blicke erwidert, wird ihr Verlangen erwidert. Scheint mir einfach gestrickt zu sein, so ein Mann.
Ich habe mittellange braune Haare, fein und seidig. Man sagt, ich rieche gut. Meine Ballettlehrerin hat das vor all den anderen Mädchen gesagt, die bei den Arabesques immer furchtbar schwitzen. Und von meiner Großmutter habe ich das lebhafte Blau meiner Augen geerbt, die stechend geworden sind, weil sie die anderen immerzu beobachten. Manchmal bekomme ich zu hören, ich sei eine Kreuzung zwischen einem Adler und einer Sirene. Was für ein Schicksal erwartet mich also? Jacques Trouplin, der Gynäkologe und Freund meiner Mutter, widerstand jedoch diesem hitzigen Weib, das ohne jede Hemmung vor ihm lag.
Vielleicht - das heißt, ganz sicher hat er die Sache durchschaut. Für ihn bin ich ein Mädchen wie jedes andere, ein Mädchen, das eben seine Reize testet. Er sieht mich immer noch zärtlich an, doch dieses Mal lässt mich sein Lächeln erröten.
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