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1 Einleitung: Parteien als politische Organisationen in der Mediengesellschaft (S. 15)
Es gehört in der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft zu den viel zitierten und ebenso häufig beklagten Allgemeinplätzen, dass sich politische Kommunikation als Forschungsgegenstand einer präzisen Definition schon deshalb entzieht, da die Begriffe Politik und Kommunikation bereits jeder für sich sehr komplex sind und von den beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen unter einer Vielzahl theoretischer Perspektiven diskutiert und definiert werden (vgl. u.a. Saxer 1998b: 21-23).
Auch die unterschiedlichen Auffassungen über die Art des Verhältnisses von Medien und Politik resultieren aus konkurrierenden Vorstellungen darüber, was Politik ist und welcher Rationalität sie folgt (vgl. Japp/Kusche 2004: 512). Zudem ist eine wissenschaftliche Definition von Politik selbst immer politisch, da sie eine Grenze zieht zwischen öffentlichen Anliegen und privaten Problemen, und gerade diese Grenzziehung ist eine der umstrittensten politischen Fragen überhaupt.
Auch der Begriff der Kommunikation wird in der Wissenschaft uneinheitlich verwendet, selbst die Kommunikationswissenschaft hat Mühe, ihren Gegenstand zu definieren (vgl. statt vieler Beck 2006). Als Ausweg aus diesen Definitionsdilemmata hat Winfried Schulz im Handbuch der Kommunikations- und Medienwissenschaft vorgeschlagen, den Forschungsgegenstand politische Kommunikation durch seine zwei Grundfragen einzugrenzen:
„1. Auf welche Weise beeinflusst oder bedingt die gesellschaftliche Kommunikation Strukturen und Prozesse der Politik?
2. Auf welche Weise bestimmt oder bedingt Politik die gesellschaftliche Kommunikation?" (Schulz 2003: 458).
Die vorliegende Studie knüpft an die erste der beiden Grundfragen an, fragt also nach den Auswirkungen von Medien und massenmedialer Kommunikation auf Politik. Statt ihrer Strukturen und Prozesse stellt sie jedoch eine andere, häufig vernachlässigte Kategorie in den Vordergrund: Die der politischen Organisation. Zwar werden in der politics-Dimension Akteure und Organisationen immer auch „mitgedacht" – etwa wenn der politische Prozess als „Auseinandersetzung zwischen politischen Akteuren" beschrieben wird (Vowe 2003: 542).
Aber diese Akteure werden in der Literatur häufig als gegeben angenommen und in ihrer Form als Organisationen zu wenig theoretisch reflektiert. Sie scheinen sich auch weder durch den politischen Prozess selbst noch durch die Medien und die mediale Kommunikation zu verändern, sondern bilden eine scheinbar statische Größe. An dieser Stelle setzt die vorliegende Studie mit der Frage an, welche Auswirkungen Medien und mediale Kommunikation auf politische Organisationen wie Parteien haben und wie diese auf die Herausforderungen der Mediengesellschaft durch Veränderung ihrer Organisationsstrukturen reagieren.
1.1 Organisationen als Kategorie in der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Klassisch werden in den Sozialwissenschaften die Theorieebenen Makro-, Meso- und Mikroebene unterschieden. Die Mesoebene der Organisationen ist nicht nur die mittlere der drei Theorieebenen, sie stellt nach Lautmann (1994) eine „zwischen die Makro- und Mikroebene geschobene und beide vermittelnde Betrachtungsweise" dar: „Zwischen Gesamtgesellschaft und Kleingruppe bzw. sozialem Handeln des Individuums stehen danach die Organisationen" (Lautmann 1994: 432).
Dieser zunächst banal anmutende Satz verweist auf ein zentrales Problem jede sozialwissenschaftlichen Theoriebildung, der Verbindung von Individuen und ihren sozialen Handlungen zur Ebene der Gesellschaft (Mikro-Makro-Problem). Dieser analytisch weite Weg wird durch die Mesoebene der Organisationen gangbarer. Organisationen sind einerseits Strukturen, in denen individuelle Akteure handeln, andererseits (korporative) Akteure, die in der Gesellschaft handeln.
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