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21. (S. 252-253)
Die Sonne schien auch an diesem Montagmorgen wieder heiß herunter. Zum Glück waren die Touristen fast alle weg, zumindest die vielen hunderttausende, die eigens wegen der Hanse Sail nach Rostock gekommen waren. Zum Glück war auch Köhler weg.Als Erik vor einer Woche morgens mit der Fähre zum Kabutzenhof gefahren war, hatte er mit allem gerechnet, nur nicht damit, fünf ungeklärte Morde und einen Entführungsfall innerhalb von einer Woche auf den Tisch zu bekommen. Voigts spielte den kranken Mann, und der Fachkommissariatsleiter war schon seit Wochen beurlaubt, weil er zum ersten September in den Ruhestand verabschiedet wurde. Erik fiel ein, dass er noch gar nicht gefragt hatte, wer sein Nachfolger werden würde.Dass sich Zuhälter gegenseitig erschossen, gut.
Dass ein Typ, der seine Drogen nicht bezahlen wollte, zusammengeschlagen wurde, okay. Aber zwei Frauen, denen man derart übel mitgespielt hatte, und das ohne jeden ersichtlichen Grund, war unglaublich. Jedenfalls schien es keinen der üblichen Gründe zu geben. Kein Sex, kein Geld. Blieb noch Rache.»Lassen wir Lena Sommer kurz außer Acht«, hatte Anne vorgeschlagen. Die passe nicht ganz ins Bild. Dabei passte sie für ihn hervorragend ins Bild. Er konnte nicht von dem Gedanken lassen, dass Dirk Sass etwas damit zu tun hatte. Erik hatte sich die Vergangenheit des Mannes genau angesehen.Anfang der achtziger Jahre war Sass Sympathisant der Aktionsfront Nationaler Sozialisten gewesen, bis zu deren Verbot. Danach hatte er mit ein paar anderen in Berlin seine eigenen Aktionen gefahren: medienwirksame Aufmärsche an bestimmten Jahrestagen vor Denkmälern oder öffentlichen Einrichtungen.
Sie waren nicht viele gewesen, aber unter der Führung von Sass hatten sie es geschafft, genug Radau zu machen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Sass hatte seine Männer in uniformes Schwarz gekleidet und penibel auf die Texte der Flugblätter, Transparente und Parolen geachtet. Er war intelligent, und das hatte es nicht gerade leicht gemacht, ihm das Handwerk zu legen. Er war mehrmals haarscharf an einer Verurteilung wegen Volksverhetzung vorbeigeschlittert. Aber gute Anwälte und der Umstand, dass seine Aktionen von Anfang an genau durchdacht waren, hatten längere Haftstrafen verhindert.
Der Name Gero Helm war irgendwann auch aufgetaucht, aber er war schon immer ein Mitläufer gewesen, kein Aktivist. Er hatte schon immer Sass Anweisungen ausgeführt. Und er profitierte noch heute davon.Mit der Zeit war Sass zu Geld gekommen. Nach der Wende hatte er plötzlich genügend finanzielle Mittel zur Verfügung gehabt, um eine eigene Partei in Berlin zu gründen und sich in Szene zu setzen. Eine reiche Heirat war noch hinzugekommen. Nun war er seit gut vier Jahren in Rostock. Der Zeitraum konnte passen. Dass er hier wohnte, hieß nicht, dass er seitdem nicht mehr in Berlin gewesen war.
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