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Maximilian I. - Kaiser - Künstler - Kämpfer

Sigrid-Maria Größing

 

Verlag Amalthea Signum Verlag GmbH, 2014

ISBN 9783902998729 , 304 Seiten

Format ePUB

Kopierschutz Wasserzeichen

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8,99 EUR


 

Die ungleichen Eltern: Friedrich III. und Eleonore


Es war ein merkwürdiger Tag, jener 22. März des Jahres 1459. Hell leuchtend hatte ein Komet seine Bahn über den nächtlichen Himmel gezogen wie einst der Stern von Bethlehem und die Menschen in erwartungsvolles Erstaunen, aber auch in Angst und Schrecken versetzt: Hatte der Himmel selbst ein Zeichen gegeben in dieser wirren düsteren Zeit?

Es herrschte Chaos im Land, denn keinem einzigen Herrscher war es in den letzten Jahrzehnten möglich gewesen, nur einigermaßen für Sicherheit und Ruhe zu sorgen. Brutale Gewalt bestimmte den Alltag und nur der Starke hatte eine Chance, sich in dieser Wirrnis zurechtzufinden. Wegelagerer und Strauchdiebe bedrohten nicht nur die Händler, sie unterbanden mit ihren hinterlistigen Überfällen auf Handelszüge jedwedes geregeltes Leben auch in den Städten. Hunger machte sich breit, denn kaum einer getraute sich mehr, mit seinen Gütern eine größere Wegstrecke im Lande zurückzulegen. Das Geld hatte in den letzten Jahrzehnten stetig an Kaufkraft eingebüßt, so dass König Friedrich III. schließlich keinen anderen Rat wusste, um dieser Misere Abhilfe zu schaffen, als immer mehr Münzen auf den Markt werfen zu lassen. Dabei wurden die Geldstücke Zug um Zug leichter, sie enthielten bei jeder neuen Prägung weniger Edelmetalle und schon sehr bald höhnte man sie ihres geringen Wertes wegen als »Schinderlinge«. Es hätte einer wahrhaft starken Hand bedurft, um all die Missstände zu beseitigen.

Der Habsburger Friedrich, den man im Jahre 1440 zum deutschen König gewählt und zwei Jahre später in Aachen gekrönt hatte, war mit seinen 25 Jahren nicht der Mann, der mit diesen Zuständen hätte fertig werden können. Die Kurfürsten hatten seinerzeit bewusst keinen durchschlagskräftigen Menschen zum König gekürt, denn jeder der deutschen Fürsten und auch der österreichischen Adeligen war einzig und allein daran interessiert gewesen, die eigenen Machtbefugnisse zu behalten, wenn nicht sogar noch auszubauen. Das Reich brauchte zwar einen Monarchen, aber beileibe keinen Herrscher! Und Friedrich würde voraussichtlich keinerlei Ambitionen an den Tag legen, irgendeinem der Großen des Reiches auch nur das Geringste am Zeug flicken zu wollen.

Man hatte richtig spekuliert. Friedrich kämpfte mit viel zu vielen Problemen in den eigenen Ländern, als dass er große Reichspolitik hätte machen können. Zusätzlich litt er ein Leben lang an chronischem Geldmangel und sein eigener Bruder Albrecht machte ihm, wo er nur konnte, das Leben schwer. Von allem Anfang an hatte er den Herrschaftsanspruch Friedrichs in Frage gestellt, denn der eigentliche Nachfolger des früh verstorbenen Habsburgerkönigs Albrecht war dessen nachgeborener Sohn Ladislaus, der allerdings noch in den Kinderschuhen steckte. Man hatte Friedrich, der selber erst die Zwanzig überschritten hatte, zum Vormund des Knaben bestellt und ihm damit eine Aufgabe übertragen, die sich für ihn zu einem lukrativen Geschäft entwickeln sollte, da er die beträchtlichen Einnahmen aus dem reichen Böhmen und dem wohlhabenden Ungarn, aus den Ländern, die seinem Mündel von seinen Eltern vererbt worden waren, in die eigene Tasche streichen konnte, ohne seinen Bruder daran zu beteiligen! Ein nicht enden wollender Bruderzwist bahnte sich an, wobei Albrecht vor keiner listigen Intrige und keiner infamen Schurkerei zurückschreckte, wenn es galt, Friedrich und dessen Familie das Leben schwer zu machen.

Albrecht wäre vermutlich in diesen harten Zeiten der richtige Herrscher gewesen. Stets prunkvoll gekleidet, schien er der Inbegriff von Entschlossenheit und Tatkraft zu sein, von Unerschrockenheit und Kühnheit, ein echter Haudegen und mutiger Kämpfer.

Friedrich III. stellte das genaue Gegenteil seines dynamischen Bruders dar, zurückhaltend, griesgrämig, ein ewiger Zauderer. Während der eine wie ein Spieler alles auf eine Karte setzte, vermied der andere jedes noch so geringe Risiko. In sich gekehrt hätte Friedrich sich am liebsten in eine abgelegene Kammer in seiner Wiener Neustädter Burg zurückgezogen, um sich dort ausschließlich seinen alchimistischen Studien hinzugeben, um in aller Ruhe mit geheimnisvollen Stoffen, die er vermischte und kochte, zu experimentieren, immer in der Hoffnung, einmal einen Klumpen Gold als Ergebnis seiner Bemühungen in einer Schale zu finden. Friedrich verfügte über hohe naturwissenschaftliche und botanische Kenntnisse, die er aufgrund seiner Experimentierfreudigkeit in die Tat umzusetzen versuchte. Er arbeitete nur nachts. Vielleicht galt er deshalb und wegen seiner Geheimniskrämerei, aber auch aufgrund seiner übrigen seltsamen Gewohnheiten als schrullig. Kaum einer konnte sich so recht erklären, warum er Mäusekot sammelte oder niemals eine Tür mit der Hand zumachte, sondern immer mit dem Fuß zuschlug. Neben seinen Liebhabereien war er ein begeisterter Sammler von Edelsteinen. Der sonst so zurückhaltende Mann konnte in wahre Begeisterung ausbrechen, wenn ihm ein besonders funkelnder, kostbarer Stein angeboten wurde. Seine Leidenschaft für alle möglichen wertvollen Mineralien ließ ihn schon als jungen Menschen geradezu über seinen Schatten springen, denn er, der sich so ungern auf Reisen begab, hatte 1436 den weiten Weg ins heilige Land nicht gescheut, um dort – als einfacher Mann verkleidet – von den Händlern besonders seltene Edelsteine zu erstehen. In den vielen Jahren seiner Sammlertätigkeit entstand eine Sammlung, die ihresgleichen in Europa suchte.

Friedrich III. galt bei seinen Zeitgenossen als äußerst misstrauisch. Bei allem was er plante, versuchte er auf Nummer sicher zu gehen, um nicht in irgendein unvorhergesehenes Abenteuer zu schlittern. Deshalb wandte er sich vor allen Entscheidungen, die er zu treffen hatte, an die Sterne. Da er seinen eigenen astronomischen und astrologischen Kenntnissen nicht ganz traute, beschäftigte er an seinem Hof prominente Gelehrte, die als Experten in diesen Wissenschaften galten. Mit dem Blick in die Sterne versuchte Friedrich die engen Bande der irdischen Erkenntnis zu sprengen und über die Grenzen des Menschseins hinauszuschreiten. Es genügte ihm nicht, die Gegenwart zu interpretieren, er wollte Zeichen für später setzen und dazu musste er wissen, was die Zukunft ihm und dem Reich bescheren würde.

Dabei war er ein Herrscher, der den Eindruck erweckte, in entscheidenden Augenblicken oft nicht zu handeln. Aber in diesem Nichthandeln lag vielfach seine Stärke – dies konnten seine Zeitgenossen jedoch nicht erkennen. Für so manche, die in prekären Situationen auf eindeutige Entscheidungen gewartet hatten, kamen viele Beschlüsse zu spät. Dann verglich man »des Reiches Erzschlafmütze«, wie man den König mit einem wenig schmeichelhaften Beinamen bedacht hatte, mit seinem tatkräftigen Bruder, der aus ganz anderem Holz geschnitzt war. Und immer lauter wurden die Stimmen, die forderten, dass dieser dynamische Albrecht den Thron besteigen sollte. Die Situation für Friedrich war ernst geworden. Daher war es für ihn geradezu ein Glücksfall, dass Albrecht VI. im Jahre 1463 völlig überraschend starb.

Friedrich III. lebte aus der Tradition heraus, sein Denken und Handeln fußte noch stark auf den mittelalterlichen Strukturen. Aus allen Teilen Europas waren seine Vorfahren gekommen, sie stammten aus Spanien und Portugal, genauso wie aus England und Italien, aber auch aus dem Osten, wie seine sagenhaft starke Mutter Cimburgis von Masowien. In dieser internationalen Abstammung liegt sicherlich die Wurzel für das Weltbürgertum seines Sohnes Maximilians, für dessen geistige Aufgeschlossenheit und unendliche Phantasie, die ihn ein Leben lang auszeichneten. Während bei Friedrich III. das Blut seiner Ahnen träge durch die Adern rollte, pulsierte es rasch und lebendig bei Maximilian und verlieh ihm Kraft und Elan.

Bei der mangelnden Entschlussfreudigkeit des Königs schien es nicht verwunderlich, dass er bereits die Dreißig überschritten hatte, als er endlich einsah, dass er sich nach einer Frau umsehen musste. Höchstwahrscheinlich erfolgte die seltsame Brautschau mehr aus dynastischen Gründen als aus eigenem Verlangen. Man hatte dem Hagestolz verschiedene Prinzessinnen in heiratsfähigem Alter und von passendem Stand vorgeschlagen, aber er konnte sich für keine ernsthaft erwärmen, zu sehr fürchtete er sich vor einem Hinterhalt, einer Falle, in die er hineintappen konnte. Als ihm allerdings 1448 Herzog Philipp der Gute von Burgund, ein aufrichtiger Freund, der selbst mit der portugiesischen Prinzessin Isabella glücklich verheiratet war, die Tochter des Königs Eduards (Duarte) von Portugal vorschlug, begann er über diesen freundschaftlichen Rat ernsthaft nachzudenken. Zu diesem Zeitpunkt zählte die vorgesehene Prinzessin Eleonore gerade 12 Lenze. Aber Friedrich hatte es – trotz seines fortgeschrittenen Alters – ohnehin nicht eilig, mit einer Frau ins Ehebett zu steigen und so kam ihm das zarte Alter seiner potenziellen künftigen Gemahlin gerade recht. Vorsichtig, wie es seiner Art entsprach, begann er am portugiesischen Hof vorzufühlen, ob der junge König Alphons V., der seinem Vater auf den Thron...