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Individualebene: Ethik für die Führungskraft (S. 93-94)
1. Das Individuum in Systemzusammenhängen
Die Prägung des Individuums Der Mensch steht in sozialen Beziehungsgeflechten. Dies beginnt im Kontakt mit der Familie, in der man unmittelbar aufeinander bezogen ist. Nach den familiären Beziehungen kommen die Beziehungen zu Freundinnen und Freunden, dann zum weiteren Umfeld: Schule, Arbeit, Beruf. Das heißt auf der einen Seite: Der Mensch ist ein Wesen, das immer in Beziehung zu anderen Menschen steht, genauer, das sich dadurch erst selbst bestimmen kann – in Abgrenzung zu den anderen Menschen. Zugleich spricht man in der wissenschaftlichen Diskussion nicht nur in der Ethik vom Individuum (lat. für das Unteilbare, griech. átomos). Gemeint ist damit, dass der Mensch, obschon er immer in sozialen Beziehungen lebt, zugleich auch immer ein eigenes Wesen mit eigenen Gedanken, Gefühlen und Charakter ist, die sich erst in Abgrenzung zu dem sozialen Umfeld herausbilden. Biologisch ausgedrückt: Jeder Mensch ist in seiner genetischen Zusammensetzung einmalig.
Der Begriff Individuum betont also den einzelnen Menschen in seiner Würde, die er als Einzelwesen hat. Der Mensch besitzt ein gewisses Maß an Freiheit für individuelle Entscheidungen, steht aber zugleich immer in Bezug zu dem ihn umgebenden Umfeld, das zugleich auf ihn Einfluss nimmt, oder Einfluss genommen hat. Diese Wechselwirkung von Selbstbestimmung (griech. Autonomie) und von fremden (d.h. von außen) kommenden Einflüssen ist für die ethische Wertbildung wichtig. Wenn die äußeren Einflüsse so dominant werden, dass das Individuum danach seine ethischen Entscheidungen ausrichtet, spricht man von Heteronomie, also von Fremdbestimmung. Woher aber kommen Wertvorstellungen, Traditionen, die normativen Einfluss auf das Handeln des Menschen haben? Zunächst kommen diese Vorgaben aus Kindheit und Jugend. Die Erziehung durch Eltern, durch das familiäre Umfeld, später dann durch die Schule prägen langfristig das Denken und Handeln. Die Erziehung, die dem einzelnen Menschen zuteil wird, beeinflusst im hohen Maße die eigenen Einstellungen zu Werten oder Normen, wie aber überhaupt zu Gedanken, Ideen und Systemen.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und denken Sie über folgende Fragen nach: Welche Werte haben Sie von Ihren Eltern mit auf den Weg bekommen? Welche Werte hatten Ihre Eltern von Ihren Großeltern übernommen? Welche Werte Ihrer Eltern geben Sie an Ihre Kinder weiter? Welche Werte Ihrer Eltern sind heute nicht mehr wichtig für Sie und warum? Haben Ihre Kinder bereits neue Werte entdeckt?
Neben den kindlichen Prägungen durch Eltern und Familie und den jugendlichen Prägungen durch Schule und Ausbildung spielt zum Beispiel auch der erste Chef in Betrieb und Unternehmen eine große Rolle, gerade wenn es um Ihr individuelles Führungsverhalten geht. Der Mensch ist also nie frei von Prägungen durch sein Umfeld. Aber: Erst in der Ausein- andersetzung mit diesen Werten und Themen kann er seine Selbstbestimmung vollziehen.
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