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Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 - 2004 - Ergebnisse der repräsentativen Trenderhebung zu Ehrenamt, Freiwilligenarbeit und bürgerschaftlichem Engagement
3 Motivation des freiwilligen Engagements (S. 74-75)
3.1 Erklärungsmodelle für freiwilliges Engagement
Bisher wurden verschiedene Informationen darüber gewonnen, welche Bevölkerungsgruppen sich bevorzugt freiwillig engagieren bzw. sich freiwillig engagieren würden. Nun soll in den Blick genommen werden, welche Motive Menschen zum Engagement führen, welche Erwartungen Engagierte mit ihren freiwilligen Tätigkeiten verbinden. Bevor das direkt untersucht wird, soll in einem Zwischenschritt geklärt werden, welche von den Merkmalen, die eng mit freiwilligem Engagement zusammenhängen, die wesentlichen und welche die weniger wichtigen sind. Hohes Bildungsniveau, hohes Einkommen und gute persönliche wirtschaftliche Lage, hohe Kirchenbindung, ein großer Freundes- und Bekanntenkreis, erhöhte Haushaltsgröße gehen in Einzelanalysen mit erhöhtem freiwilligem Engagement einher, eingeschränkter auch Wohnsitz in den alten Ländern, Erwerbstätigkeit und Männlichkeit.
Solche Einzelmerkmale hängen jedoch oft selbst wieder miteinander zusammen, z.B. sind Männer öfter erwerbstätig, in den neuen Ländern und bei Migranten sind die Einkommen niedriger, Menschen mit höherer Bildung haben wiederum höhere Einkommen, aber auch höhere Engagementwerte und ein höheres politisches Interesse usw. Die Frage ist, was letztlich wichtiger ist, um zu erklären, dass Personen sich mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zum freiwilligen Engagement entschlossen haben.
Ist es mehr das „Ideelle" (Werte, Bildung) oder das „Materielle" (Einkommen, persönliche Wirtschaftslage) bzw. sind es „Strukturmerkmale" (Haushalts- und Wohnortgröße, Einkommen) oder „Kulturmerkmale" (Kirchenbindung, Werte, Integration). Oder ist es allein die Tatsache, dass jemand eine Frau ist, in den neuen Ländern wohnt oder Migrant ist, die dazu führt, dass das freiwillige Engagement geringer ist? Oder verbergen sich hinter diesen Merkmalen wieder andere materielle, soziale oder kulturelle Unterschiede? Dazu kommt, dass es, wie bereits gesehen, 2004 gegenüber 1999 Abschwächungen typischer Muster der Beteiligung von Bevölkerungsgruppen am freiwilligen Engagement gegeben hat. Die neuen Länder, Arbeitslose und ältere Menschen haben „aufgeholt" und ihren Rückstand hinter den quantitativ „führenden" Gruppen verringert.
Wie wirkt sich das auf die Erklärungskraft dieser Merkmale für freiwilliges Engagement aus? Tabelle 11 enthält die Ergebnisse zweier Vorhersagemodelle für die Zeitpunkte 1999 und 2004. Man erkennt ein so genanntes „Strukturmodell", das lediglich soziodemografische Merkmale enthält, sowie ein kombiniertes Modell „Struktur und Kultur", das zusätzlich kulturelle Merkmale zur Vorhersage freiwilligen Engagements einbezieht. Der erste Befund ist, dass die gesamte Erklärungskraft des Strukturmodells 1999 niedrig ist und 2004 weiter abnimmt (R2=.08 bzw. R2=.06). Das kombinierte Modell „Struktur und Kultur" hat dagegen eine wesentlich höhere Vorhersagekraft für freiwilliges Engagement, und diese steigt zwischen 1999 und 2004 an (R2=.17 bzw. R2=.19).
Man kann daraus entnehmen, dass freiwilliges Engagement schon 1999 eine wesentlich mehr kultur- als strukturbestimmte Angelegenheit war und dass sich diese Tendenz 2004 noch verstärkt hat.54 Das Strukturmodell hat deshalb an Vorhersagekraft verloren, weil 2004 die Höhe des Haushaltseinkommens, das Alter und das männliche Geschlecht weniger vorhersagten, ob sich Personen freiwillig engagieren oder nicht. Dass das Lebensalter seine Vorhersagekraft verloren hat, liegt am deutlich gestiegenen Engagement der älteren Bevölkerung, die sich nunmehr diesbezüglich nicht mehr so deutlich von den mittleren und jüngeren Jahrgängen unterscheidet.
Die Bedeutung des Bildungsstatus hat dagegen im Strukturmodell zugenommen. Das Merkmal Bildung nimmt allerdings eher eine Zwitterstellung zwischen Struktur und Kultur ein, da mit dem Erwerb mittlerer und höherer Bildung auch der Erwerb bestimmter kultureller Orientierungen verbunden ist. Das Merkmal „Bildung" ist 2004 das mit Abstand wichtigste Merkmal des Strukturmodells geworden. Das „Ideelle" (die Bildung) dominiert jetzt deutlich das „Materielle" (Einkommen).
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