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Professionalisierung durch Milieuaktivierung und Sozialraumorientierung? - Caritas-Sozialarbeit in der Entwicklung

Professionalisierung durch Milieuaktivierung und Sozialraumorientierung? - Caritas-Sozialarbeit in der Entwicklung

von: Peter-Georg Albrecht

VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV), 2008

ISBN: 9783531910819, 169 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 29,95 EUR

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Professionalisierung durch Milieuaktivierung und Sozialraumorientierung? - Caritas-Sozialarbeit in der Entwicklung


 

6 Die Ergebnisse der Studie (S. 102-103)

Traditionellerweise besteht in der Caritas-Sozialarbeit vor allem in der Allgemeinen Sozialberatung eine gewisse Dominanz der Einzelfallhilfe und der sogenannten Kommstruktur137. Das Beratungsgespräch in einer Dienststelle wird durch Hausbesuche ergänzt, die den ganzheitlichen Ansatz der Beratungsarbeit im Caritasverband unterstreichen. Zum Teil beruflich, zum größeren Teil aber in ihrer Freizeit kümmert sich die Caritas-Sozialarbeiterin außerdem um ihre Kirchgemeinde, leitet dort bspw. eine Gruppe, gestaltet hin und wieder Gottesdienste mit. Sie versucht, ihrem beruflichen Know-How entsprechend, dafür zu sorgen, dass auch dort für Bedürftige und Benachteiligte Verantwortung übernommen wird.

Seit Aufkommen der stadtteilorientierten staatlichen Programme wie bspw. „Soziale Stadt", spätestens aber seit dem Versuch von Caritas international, in den Elbflutgebieten Ostdeutschlands einen anderen neuen Arbeitsansatz zu erproben (vgl. Gerstner et al 2007), ist auch im Caritasverband Sozialraumorientierte Arbeit immer mehr ‚angesagt’. Mehrere zu diesem Thema befragte Sozialarbeiter sind in der Sozialraumorientierten Arbeit tätig. Sie initiieren bspw. eine Mutter-Kind-Gruppe, begleiten eine in einem benachteiligten Stadtteil entstandene Selbsthilfegruppe von Langzeitarbeitslosen in der Entwicklung ihrer Außenbeziehung, koordinieren ganze ‚Bündel’ von freiwilligen Tätigkeiten und Arbeitsgelegenheiten und versuchen Menschen in einer Stadt zur Selbstverantwortungsübernahme anzuregen.

Darüber hinaus befragte Sozialarbeiter stehen der Sozialraumorientierten Arbeit skeptisch bis wohlwollend gegenüber. Sie arbeiten in der fachspezifischen Beratung, Allgemeinen Sozialberatung und Gemeindecaritas in verschiedenen Dienststellen eines Landes- bzw. Diözesancaritasverbandes. Auf der Landes- bzw. Diözesanebene befragte Sozialarbeiter vertreten als Referenten des Verbandes fachspezifische Beratung, Allgemeine Sozialberatung, Gemeindecaritas wie auch Sozialraumorientierte Arbeit konzeptionell. Die hier vorgestellte Studie fragte in Sozialarbeiterinterviews danach, inwieweit die klassische Einzelhilfe des Caritasverbandes und die im konfessionellen Wohlfahrtsverband traditionelle Kooperation mit dem Kirche und Kirchgemeinden140 sich durch Sozialraumorientierte Arbeit weiterentwickelt und inwieweit nicht.

Ein zentrales Ergebnis vorweg: Empowerment hat sich als ein Prinzip erwiesen, zu dem sich alle Sozialarbeiter bekennen. Zumindest als ein sehr persönliches Empowerment ‚im Kleinen’ liegt es für sie Sozialraumorientierter Arbeit zugrunde (vgl. Kapitel 6.2 u. 6.3, Ergebnis 6).

6.1 Caritas-Sozialarbeit zwischen

Allgemeiner Sozialberatung, Gemeindecaritas und Sozialraumorientierter Arbeit Zunächst galt es, zwei Haupttypen von Sozialarbeitern des Caritasverbandes zu unterscheiden142: Es gibt erstens die älteren und langjährigen Mitarbeiter, die schon zu DDR-Zeiten im damals noch „kircheneigenen" und mit entsprechenden Nischen- und Schutzfunktionen für seine Mitarbeiter ausgestatteten Verband tätig waren, Sozialarbeiter mit dementsprechend langer Berufs- und Verbandserfahrung, die zumeist eine (inner-) kirchliche Berufsausbildung durchlaufen haben und häufig damals wie heute praktizierende Christen sind.

Im Caritasverband arbeiten darüber hinaus zweitens die jüngeren, nach der Wende in den Verband gekommenen Sozialarbeiter von öffentlichen Hochschulen mit entsprechend kurzer Tätigkeitsdauer im Berufsfeld und im Verband, die als katholische Christen nach der Wende aufwuchsen, zum Teil aber auch evangelisch bzw. konfessionslos sind. Nimmt man das Unterscheidungskriterium Kirchgemeindenähe und Kirchgemeindeferne hinzu (Albrecht 2006), das in einem traditionellen und konfessionell geprägten Wohlfahrtsverband zentral ist, so lassen sich folgende Typen zeigen: die „Kirchgemeindeeigenen", die „Kirchgemeindekooperativen" und die „Kirchgemeindedistanzierten". Diese in der 2006er Untersuchung entwickelten Typen gibt es auf verschiedenen Eben des Caritasverbandes. Allerdings lassen sie sich in der aktuellen Untersuchung nicht so scharf zeichnen, wie es in der damaligen Studie möglich war.