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Die antiken Menschen in ihrer natürlichen Umwelt (S. 121-122)
Naturgeographische und klimatische Rahmenbedingungen. Jeder Überblick zum Thema ‚Der Mensch in seiner natürlichen Umwelt‘ muss mit der schlichten Feststellung beginnen, dass die antiken Menschen unter sehr unterschiedlichen naturgeographischen und klimatischen Bedingungen lebten. Dies wird deutlich, wenn man sich den von den antiken Kulturen berührten Raum vor Augen führt: Das Alexanderreich und das römische Imperium sind die umfangreichsten Reichsbildungen der Antike. Zusammen erstreckten sie sich von Indien bis nach Britannien und bestanden demnach aus Naturräumen ganz unterschiedlicher Qualität.
Die häufig vorgenommene Gleichsetzung des Siedlungsgebietes antiker Kulturen mit den küstennahen Zonen des Mittelmeeres und die Unterstellung einer Gleichartigkeit der Lebensbedingungen greift also zu kurz. Selbstverständlich hat dieser Raum mit dem Meer eine gemeinsame Klammer [Horden/Purcell]. Auch lag der Lebensraum der Griechen und Römer schwerpunktmäßig in der Nähe des Mittelmeeres, das man schon in der Antike als verbindendes Element der unterschiedlichen Kulturen begriff. Daher konnten etwa die Römer die politisch-administrative Vereinigung der Mittelmeerwelt mit ihren Nachbargebieten in Nordeuropa und im Balkanraum in einem geschlossenen Reich ideologisch als göttlich legitimierten Vorgang deuten (Plinius der Ältere, Naturalis historia 3, 5, 39).
Die natürliche Beschaffenheit dieser Mittelmeerwelt war jedoch alles andere als homogen [Semple, Sallares]. Zum einen gab es verschiedene Extremzonen, wie die Sumpf- und Waldlandschaften des westlichen Europa, die Gebirgsregionen der Alpen, der Pyrenäen oder des anatolischen Tauros oder die von aridem Klima geprägten Wüsten und Steppengebiete in Afrika, Spanien, Syrien oder Zentralanatolien. Zum zweiten finden sich in jeder beliebigen Kleinregion, wie beispielsweise auf der Insel Kreta, in Süditalien, in der Kyrenaika oder an der syrischen Küste, verschiedene Landschaftstypen von felsigen Gebirgszonen bis hin zu fruchtbaren Schwemmebenen. Selbst auf dem überschaubaren Territorium einer griechischen Polis oder einer römischen civitas hatte man mit Blick auf Bodenqualität und Landschaftsrelief ganz unterschiedliche Herausforderungen bei der Gestaltung des Lebensraumes zu bewältigen.
Eine Ursache für diese Vielfalt liegt in der Komplexität der geologischen Rahmenbedingungen selbst in den meeresnahen Siedlungsräumen, in denen Kalkgestein aus Meeressediment sowie Sandstein und Flysch vorherrschen. Charakteristisch sind felsige Kuppen und verkarstete Hänge, die kaum einträglichen Anbau erlauben. Selbst in den Becken und kleinen Tälern ist trotz wasserreicher Karstquellen die Bodenqualität in der Regel nicht allzu gut. Allein die fruchtbaren Schwemmebenen an den Küsten und in den Flusstälern ermöglichen ertragreiche Kulturen der mediterranen Trias Wein, Getreide und Oliven. Ihr Umfang dehnte sich im Laufe der Antike erheblich aus, wodurch viele Häfen durch Versandung bedroht wurden.
Mittlere und gute Böden waren also nur in begrenztem Umfang vorhanden, boten aber bei ausreichender Wasserversorgung dreimal soviel Pflanzenarten Lebensraum wie im nördlichen Mitteleuropa. Wälder hingegen waren anders als in Nord- und Mitteleuropa im mediterranen Raum dünner vertreten und im Wesentlichen auf Gebirge beschränkt. Auf der mageren Erdkrume der Hang- und Höhenlagen war der Bewuchs ansonsten durch die aus Hartgewächsen bestehende Macchie ge- prägt. In noch kargeren Gegenden, der so genannten Garrigue oder in Steppen, fanden sich nur noch Niedergewächse, darunter Kräuter wie Thymian oder Oregano.
Diese von blühenden Gartenlandschaften bis zu kargen Steppen reichende Vielfalt der Vegetation spiegelt die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen, die sich seit der Antike nicht grundlegend verändert haben. Für die küstennahen Zonen des Mittelmeeres sind heiße, trockene Sommer und regenreiche Winter mit einer kurzen, intensiven Wachstums- und Fruchtphase im Frühjahr, also ein Dreijahreszeitenrhythmus, typisch.
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