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Spiel des Verlangens - Roman

von: Rosemary Rogers

dotbooks GmbH, 2015

ISBN: 9783958240971 , 425 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 4,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Spiel des Verlangens - Roman


 

1. Kapitel


Sie hatte gleich zu Beginn des Fluges die Kopfhörer aufgesetzt. Jetzt drang die Stimme des Sängers heiser und beschwörend an ihr Ohr: Besame, besame mucho …

Sara verzog das Gesicht. Liebeslieder! Auch das noch! Und ausgerechnet in Spanisch, das sie nur allzusehr an Eduardo erinnerte. Eduardo, der sie mit seinen treuen Hundeaugen ansah und nichts begreifen wollte. »Aber Liebling, tesoro, ich möchte dich immerhin heiraten! Wie kann dein Vater dagegen etwas haben? Daß ich Geld genug habe, weißt du auch. Daran kann es also nicht liegen, si? Wir können leben, wo immer du willst …«

Armer Eduardo! Sie hätte ehrlich sein und sich nicht hinter Ausflüchten verstecken sollen. Ihr Vater. Ihre Ausbildung. Doch wie sollte man einem Mann sagen, daß man es einfach nicht aushielt, wenn er einen berührte, weil seine Hände immer so kalt und feucht waren?

Die Stimme des Piloten mischte sich in die Musik und sagte jedem, der es hören wollte, daß man in fünfzehn Minuten auf dem Kennedy Airport landen würde. Wer wollte, konnte sich in seinen Sprechverkehr mit dem Tower einschalten. »Wählen Sie dann bitte Kanal sowieso …«

Sara nahm die Kopfhörer ab und strich sich die Haare glatt. Sie betrachtete sich in dem kleinen Spiegel, den sie aus ihrer Tasche geholt hatte. Wieder schnitt sie eine Grimasse. Eine Angewohnheit, die sie sich abgewöhnen mußte!

»Süße, du mußt aufhören, diese Gesichter zu schneiden! Oder willst du später nichts als Falten und Runzeln haben? Sieh mich an …«

Ja, es war ein Vergnügen, Mama anzusehen. Vor allem, wenn man die Millionen Kinobesucher fragte, die es auf der Welt gab, und die Mona Charles bewunderten.

Jeder sagte, Sara sähe aus wie ihre Mutter. Trotzdem hatte niemand von ihr Notiz genommen, obwohl sie und Mona zumindest die gleiche Haarfarbe besaßen.

Der kleine Spiegel zeigte ein entschlossenes, etwas zu blasses Gesicht mit unnatürlich roten Flecken auf beiden Wangen. Das glatte kastanienbraune Haar fiel weich auf ihre Schultern. Ihre Wimpern waren so lang und dunkel wie die von Mona, und sie senkten sich über die gleichen smaragdgrünen Augen. Trotzdem hatte noch niemand sie gefragt, ob sie Mona Charles sei. Vielleicht war ihre schlanke, fast mädchenhafte Figur der Grund dafür, oder ihre Größe. Mama war das, was man vollbusig nannte, und knappe ein Meter sechzig. Sie sah immer noch blendend aus – trotz ihrer fünf Kinder und vier Ehen.

»Und ich«, sagte Sara streng, als sie ihre Puderdose zuschnappen ließ, »ich werde, noch bevor ich dreißig bin, alle Falten und Runzeln haben, die Mona mir prophezeit hat.«

Ihrem Vater hatte sie es zu verdanken, daß sie die Tochter Monas war, von der kaum einer etwas wußte. Monas Ehe mit Sir Eric Colville hatte nur kurze Zeit gedauert. Es war eine ihrer häuslichen Phasen gewesen, als sie sich offiziell entschlossen hatte, für die Liebe und einen englischen Adelstitel alles andere aufzugeben. Als Sir Eric einem Shakespeare-Helden weichen mußte, war Töchterchen Sara auf der Strecke geblieben. Zusammen mit Miß Staggs, dem Kindermädchen, und der Afghanenhündin Goldie.

Das hieß natürlich keineswegs, daß Mona ihre Tochter nicht abgöttisch liebte. Immerhin gab es zahllose Besuche – Umarmungen und Küsse in einer Wolke teuren Parfums. Und Nachmittage im Zoo. Nicht zu vergessen die aufwendigen Spielsachen und die vielen fremden Menschen, denen sie vorgestellt wurde. Es war fast so, als lebte sie in zwei verschiedenen Welten, bis Daddy eines Tages auf einer Privatschule bestand. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit! Aber damals kannte Sara ihre Halbschwester Delight schon, die, wie Mona seufzend zu betonen pflegte, ein echtes Kind der Liebe war.

Delight war nur achtzehn Monate jünger als Sara. Und doch kam es Sara nach einigen Sommern, die sie zusammen verbracht hatten, so vor, als sei nicht sie die Ältere, sondern ihre Schwester. Delight war schon überall gewesen. Sie kannte alle und jeden. Und sie hatte praktisch alles schon einmal gemacht. Wo Sara ihren Verstand gebrauchte, setzte Delight ihren Körper ein. Delight war Spannung, Aufregung und Abenteuer zugleich. Sie lebte in einer völlig anderen Welt. Eine Welt übrigens, die ihr Vater nicht besonders schätzte. Aber Sara war schließlich einundzwanzig und konnte tun und lassen, was sie wollte.

Unter ihr flammten die Lichter der Landebahn auf. Tiefatmend lehnte Sara sich zurück. Das Flugzeug setzte zur Landung an. Sie war in New York! Und Delight würde da sein, um sie abzuholen. Eine ganze Woche New York, bevor sie nach Los Angeles weiterfliegen und mit dem Studium beginnen mußte! Aber sie und ihre Schwester würden sich eines der Brentwood-Appartements teilen. Das war die absolute Gewähr dafür, daß die ersten Semester alles andere als langweilig werden würden.

»Hallo, Sara! Sara-Schätzchen!«

Sie erkannte ihre Schwester erst, als diese wie verrückt winkte und sich durch die wartende Menge drängte. Delight mit Afro-Look und riesiger Sonnenbrille, die nicht nur ihre Augen, sondern ihr halbes Gesicht bedeckte. Das letzte Mal hatte sie ihr Haar lang und glatt getragen. Fast bis zur Hüfte. Und keine Spur von Make-up. Heute schimmerten ihre Lippen tiefrot, und ihre Wangen waren zart gepudert. Sie war schlanker geworden und sah braungebrannt aus.

»Tag, Schwesterchen!« Sie stürzten einander in die Arme und redeten beide gleichzeitig, als müßten sie alles nachholen, was sie in den vergangenen Jahren versäumt hatten.

»Ich hätte dich niemals erkannt, wenn du nicht gerufen hättest!«

»Was bist du nur für ein Bleichgesicht! Du mußt Sonne tanken. Hast du aufgehört, Tennis zu spielen?«

»Das nicht. Aber eben nur in der Halle, leider. Und du?«

»Ich werde dir gleich alles erzählen! Stell dir vor, ich habe eine Filmrolle. Nur eine kleine, fürs erste, aber in einem richtigen Film. Da staunst du, was?«

Die vielsagende Miene ihrer Schwester erinnerte Sara an die Zeit, als Delight zu Mamas Entsetzen in einigen dieser ausgesprochen offenherzigen Sexstreifen aufgetreten war. »Was einer privat macht, ist seine Sache. Aber wenn alle Welt zusieht …!« Arme Mona! Delight pflegte höchst selten danach zu fragen, was »sich gehörte«, um es so auszudrücken, wie Miß Staggs es zu nennen pflegte.

»Hast du viel Gepäck dabei? Laß uns um Gottes willen sorgen, daß wir aus diesem Irrenhaus herauskommen!«

Die Leute betrachteten erstaunt die beiden so gegensätzlichen jungen Mädchen. Sara Colville in ihrem Givenchy-Modell und Delight Adams in hautengen Jeans und Cowboystiefeln, dazu ein winziges Sonnentop aus Baumwolle, das ihre jugendlich straffen Formen wie eine zweite Haut umschloß. Niemand ahnte, daß sie Schwestern waren. Delights ebenfalls grüne Augen, die sie hätten verraten können, waren hinter der Sonnenbrille versteckt. Dabei hatte man sie früher oft für Zwillinge gehalten, wenn sie die gleichen Kleider trugen und ihr Haar auf die gleiche Weise frisierten.

»Erinnerst du dich noch, was wir alles angestellt haben? Der arme Pietro – ihn mochte ich von allen Ehemännern Mamas am liebsten. Weil ich spürte, daß er der einzige war, der Kinder gern hatte.«

»Ja, Pietro mochte ich auch. Aber diesen Virgil haßte ich! Mit seinen behaarten Händen. Und dann dieser ewige Zigarrengestank! Ich fragte mich immer, wie sie es fertigbrachte, ihn an sich heranzulassen.«

»Im Bett war er große Klasse. Er verlangte die unmöglichsten Dinge von ihr – und bekam sie so weit, daß es ihr Spaß machte!« Delight kicherte, als sie das ungläubige Gesicht ihrer Schwester sah. »Ich habe sie beobachtet! Davon hattest du keine Ahnung, nicht wahr? Ich hatte Angst, du würdest petzen. Außerdem war es mein Geheimnis. Ich habe mich im Schrank versteckt und eine Menge dabei gelernt!«

»Das kann ich mir vorstellen!« erwiderte Sara trocken. Innerlich war sie entsetzt, obwohl sie wußte, daß Delight sie auslachen würde. Sie würde wahrscheinlich noch mehr lachen, wenn sie ahnte, daß Sara, als die Ältere von ihnen, noch nie mit einem Mann geschlafen hatte.

Eine Jungfrau von einundzwanzig Jahren! Es war höchste Zeit, daß sie sich einen Mann suchte, irgendeinen, und es hinter sich brachte! Das hatte sie sich immer wieder gesagt und es doch nicht getan. Nur wenige der Männer, denen sie begegnet war, hatten sie wirklich interessiert. Und keiner von ihnen hatte das bestanden, was sie »Test Nummer zwei« nannte. Die Begegnung mit der noch immer äußerst attraktiven Mona und die Kunst, nicht auf sie hereinzufallen.

Eine Stunde später hatten sie es sich auf den Sitzkissen in Delights kleinem Appartement bequem gemacht. Sara beobachtete das lebhafte Mienenspiel ihrer Schwester und ihre feingliedrigen Hände, die ständig in Bewegung waren. Sie fragte sich, was für ein Gefühl es sein mußte, Delight zu heißen und alles schon einmal gemacht zu haben – oder fast alles. Und das in so jungen Jahren. Stillstand schien in ihrem Leben nicht vorgesehen. Und tote Zeit gab es einfach nicht! Nicht für Delight!

»Möchtest du noch Wein?« Ohne Saras Antwort abzuwarten, goß sie ein. »Du mußt dich mehr entspannen, Schwesterherz!« sagte sie scherzhaft. Dann lehnte sie sich zurück und hob ihr Glas. »Auf mich und auf das einzige, was ich noch nicht ausprobiert habe – heiraten!«

»Heiraten?« Sara hatte sich kerzengerade aufgesetzt und zog entgeistert die Brauen hoch. »Warum hast du mir nichts davon gesagt? Wer ist der Glückliche? Oder nimmst du mich mal wieder auf den Arm?«

Delight schüttelte energisch...