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Ökumene des Lebens als Herausforderung der wissenschaftlichen Theologie, Ecumenism of Life as a Challenge for Academic Theology. Beihefte zur Ökumenischen Rundschau, Band 82

Ökumene des Lebens als Herausforderung der wissenschaftlichen Theologie, Ecumenism of Life as a Challenge for Academic Theology. Beihefte zur Ökumenischen Rundschau, Band 82

von: Bernd Jochen Hilberath, Ivana Noble, Johannes Oeldemann, Peter De Mey

Verlag Otto Lembeck, 2008

ISBN: 9783874765725, 320 Seiten

Format: PDF

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC

Preis: 24,00 EUR

Ersparnis: 4,00 EUR

Mehr zum Inhalt

Ökumene des Lebens als Herausforderung der wissenschaftlichen Theologie, Ecumenism of Life as a Challenge for Academic Theology. Beihefte zur Ökumenischen Rundschau, Band 82


 

Ökumene des Lebens als kommunikative Theologie – Erste Vorblicke auf ein Programm (S. 17-18)

Bernd Jochen Hilberath

In Heft 1/2006 der „Ökumenische(n) Akzente“ bilanziert Wolfgang Greive unter der Überschrift „Die Zukunft der Ökumene und des Protestantismus“ die ökumenischen Entwicklungen der vergangenen Monate: „Im ‚Papstjahr 2005‘ standen weniger die spezifi sch evangelisch-katholischen ‚Hausprobleme‘ (Abendmahl, Amt und Papstverständnis) im Vordergrund, sondern die direkte Frage nach der Zukunft der Ökumene … Was wird aus der Ökumene? Was wollen die Kirchen?“ 2 Diese Fragen werden gestellt angesichts der neueren Debatten um das jeweilige konfessionelle Profil. Je nach Standpunkt und ökumenischer Option wird diese Diskussion unterschiedlich beurteilt: Was für die einen einem Rückzug aus der ökumenischen Bewegung aufeinanderzu gleichkommt, ist für die anderen eine notwendige Phase des ökumenischen Prozesses. Die orthodoxen Kirchen und die römisch-katholische Kirche scheinen sich gelassener an dieser Entwicklung zu beteiligen. Dies hängt ganz gewiss mit ihrem Selbstverständnis zusammen, aber auch mit dem zumindest partiell unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontext dieser Kirchen. Auf evangelischer Seite wird die Frage gestellt, wie die Notwendigkeit der Reformation und die Unaufgebbarkeit des Protestantismus in Ökumene und Gesellschaft behauptet werden können.

Für uns als eine Societas von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern stellt sich im Rahmen dieser Konsultation vor allem die andere von Greive aufgenommene Frage: Ist die „lehramtliche“ Ökumene gescheitert, wie dies zunehmend behauptet wird und unter der Überschrift „Ende der Konsensökumene“ inzwischen zu einem festen Topos wurde? Wird dann die geistliche Ökumene zur Alternative oder eher zur Ausfl ucht? Und ist – um zum Thema unserer Konsultation zu kommen – die „Ökumene des Lebens“ eine Form dieses geistlichen Ökumenismus und wie dieser eine Alternative zur Ökumene der Theologie und der Kirchenleitung? Wer seit Jahrzehnten in der ökumenischen Theologie engagiert ist oder als Nachgeborener die Texte aus fast einem Jahrhundert neuerer ökumenischer Bewegung liest, wird sich in der Tat fragen, wozu dies alles nütze.

Dabei entsteht leicht die Gefahr, dass die tatsächlichen Fortschritte in der wechselseitigen Verständigung übersehen werden. Auf der anderen Seite liegt auf der Hand, dass es keine umfassende Rezeption gibt, dass vor allem auf römisch-katholischer Seite die Rezeption vieler wichtiger Dokumente durch das zentrale Lehramt ausgeblieben ist. Dadurch werden aber die stets wiederholte Beteuerung, zur Ökumene gebe es keine Alternative, und die Versicherung, das Zweite Vatikanische Konzil habe die exklusive Identifi zierung der einen Kirche Jesu Christi mit der römisch-katholischen Kirche aufgehoben, in Frage gestellt oder gar desavouiert. Deshalb wird auch einer Hermeneutik des Verdachts unterzogen, wenn von Vertretern der römisch-katholischen Kirche das Stichwort von der „Ökumene des Lebens“ in die Debatte geworfen wird.

Wie Sie aus dem Programm ersehen, wird die Kollegin Johanna Rahner die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten dieses Stichworts aus katholischer Sicht analysieren. Ich beschränke mich in meinem Eröffnungsreferat darauf, einige Stichworte aus einem einschlägigen Beitrag von Kardinal Walter Kasper aufzugreifen. Dabei geht es mir nicht darum, der Position Kaspers in jeder Hinsicht gerecht zu werden und sie umfassend zu analysieren. Vielmehr greife ich die Aspekte auf, die quasi wie ein Prolog die Vorträge und Diskussionen dieser Konsultation einläuten. Kaspers Referat ist also keine Antwort auf alle unsere Fragen, sondern eher umgekehrt das Aufwerfen von Fragen, auf die wir eine Antwort suchen. Ich frage also im ersten Hauptteil meines Referates danach, was das sein könnte – diese Ökumene des Lebens. In einem zweiten Teil versuche ich dann die Umrisse einer Ökumene des Lebens als kommunikativer Theologie zu entwickeln. Damit nehme ich eine Form von Theologie in den Blick, an der wir – Matthias Scharer in Innsbruck, Brad Hinze, früher Marquette, jetzt Fordham, und ich in Tübingen mit unseren Teams – arbeiten. Dieses theologische Konzept ist noch im Aufbau, so dass auch hier keine fertigen Antworten, aber doch wichtige Fragen oder Richtungshinweise erwartet werden können. Mein Referat hat also zwei Hauptteile, jeder Hauptteil weist vier Unterpunkte auf.