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Galaxis der Antikrieger: Auf der Suche nach CHEOS-TAI – ein blinder Passagier hilft (Band Nummer 2466)
7. Jason Colton (S. 24-25)
Istoricos derzeitige Herrschaft über die VERNE machte ihn gar nicht glücklich. Nein, mein Herr! Er hatte das Schiff im Griff, er kannte es so gut wie kaum ein anderer. Wenn er mit der VERNE verschmolz und seinen Geist durch die metallene Hülle wandern ließ, wenn er die kaum gebändigte Kraft des Antriebs tief im geteilten Leib spürte und den Hantelkörper mit in jahrelangem Training erworbenem Geschick lenkte – nur dann fühlte er sich wohl. Jason betrachtete das riesige Schiff als seine ureigenste Domäne, in der er alleine das Sagen hatte.
Selbstverständlich gehorchte er den Anweisungen eines Lanz Ahakin oder eines Perry Rhodan. Doch an ihm war es zu bestimmen, wie ein gewisses Ziel erreicht wurde. Wie das Mischverhältnis der unterschiedlichen Antriebsarten auszusehen hatte, wann der Wechsel in den Hyperraum erfolgte, wie der Kurs gewählt wurde. NEMO gab ihm Empfehlungen; er entschied.
Aber seit Neuestem drehte der Spitzkopf wahllos an den Reglern seiner Testgeräte. Er ließ die Antriebsleistungen hochfahren und absenken, hochfahren und absenken, mit einer Herz- und Gefühllosigkeit, die Jason wütend machte.
Er sog an seiner Zigarre. Die Spitze glühte auf, die Glut fraß sich mehr als einen Zentimeter durch den wertvollen terranischen Tabak.
Seit Stunden fl äzte er sich in möglichst entspannt wirkender Haltung in seinem Sitz, stets bereit, einzugreifen. Er wartete auf den geringsten Vorwand. Ein kleiner Fehler, und er würde Istorico den Zugriff auf die VERNE entziehen, ein für alle Mal. Rhodan unterhielt sich indes gedämpft mit Icho Tolot. Es ging um weitere Informationen aus Asdoran, die nach und nach eintrudelten. Funk und Ortung legten sich ordentlich ins Zeug, um dank eines geschlossenen Netzes von Hyperfunksatelliten, deren Kodes man vor geraumer Zeit geknackt hatte, ein Bild der politischen Verhältnisse in der nächstgelegenen Galaxis erstellen zu können.
Asdoran wurde von seinen Bewohnern Barmand-Sternborn genannt. Die dominierenden Völker waren im »Antikrieger-Bund« zusammengeschlossen. Sie bewahrten seit einiger Zeit und unter großen Anstrengungen einen labilen Frieden. Eines der wenigen Dinge, die in Barmand-Sternborn ausgezeichnet funktionierten, war das Informationsnetz. Diese Errungenschaft des Antikrieger-Bundes kam den Terranern zugute. Die teilnehmenden Völker hatten die Galaxis mit Milliarden von Hyperfunk- Satelliten durchsetzt; wohl auch, um über eine drohende Gefahr »von außen« so rasch wie möglich informiert zu sein.
Jason konzentrierte sich aber viel stärker auf das, was Istorico und seine Eierköpfe trieben.
»Macht einen Fehler«, grummelte er leise, »ein einziger Lapsus, und ich rös-te euch auf niederer Konverter-Flamme. Tut mir bitte schön den Gefallen und ...« Aber beinahe ohne es zu wollen, ließ er sich zumindest mit halbem Ohr wieder in die Geschichte Barmand-Sternborns ziehen: Der »Kriegerbund« hatte vor Jahrtausenden Barmand-Sternborn mit Not und Elend überzogen. Die Usurpatoren hatten mehreren Völkern angehört. Ihre Zusammengehörigkeit bewiesen sie lediglich durch die von gelbgrünen Flammen überzogenen Leiber. Tolot verwies auf einzelne Überlieferungen von einem tiefen, inneren Schmerz, der sich nur dann lindern ließ, wenn sie in den Kampf zogen. Die Historiker der Galaxis führten es auf ein Virus oder eine genetische Besonderheit zurück.
Es bedurfte einer gewaltigen Anstrengung aller frei gebliebenen Völker, um diese schrecklichen Gegner zurückzuschlagen, die wie eine Schwarmhorde über die Kleingalaxis gekommen waren. Irgendwann gelang es. Nachdem so viel Schweiß, Tränen und Blut vergossen worden waren, dass alles Land auf dem Hauptplaneten des Barmand- Systems, Schauplatz der Entscheidungsschlacht, unter Wasser getaucht worden war. Jason Colton stellte es sich bildlich vor: ein den ganzen Planeten umfassender Ozean, der niemals zur Ruhe kam. Blutrot war er und dickfl üssig. Voll von Salz und Sekret. So hieß es zumindest ...
Jason Colton warf den Rest der Zigarre angewidert zu Boden. Er schmeckte bitter. Ein Reinigungsrobot kümmerte sich augenblicklich um die nachglimmenden Stückchen und meldete »wiederholtes ungebührliches Verhalten« an Lanz Ahakin.
Der Emotionaut kümmerte sich nicht weiter darum. Seine Disziplinlosigkeiten hatten ihm bereits jede Menge Ärger eingebracht. Doch die Verantwortlichen an Bord wussten nur zu gut, was sie an ihm hatten. Sobald sein Geist in die VERNE glitt, leistete er ausgezeichnete Arbeit.
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