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Mittelalter

Mittelalter

von: Gerd Althoff, Oliver Auge, Matthias Becher, Letha Böhringer, Jens Brauer, Enno Bünz

Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH, 2009

ISBN: 9783486588293, 473 Seiten

2. Auflage

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 29,80 EUR

Ersparnis: 5,00 EUR

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    Frühe Neuzeit

     

     

     

 

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Mittelalter


 

"Frühe Königreiche bei Germanen und Slawen (S. 39-40)

Grundlagen der Königsherrschaft in den Germanenreichen. Erste Berichte über Königsherrschaft bei den Germanen finden sich schon bei Caesar und Tacitus. Unter den von ihnen als Germanen aufgefassten Bewohnern von Gebieten östlich des Rheins und nördlich der Donau bemerkten sie einerseits Stämme (gentes) mit oder ohne Könige in kleinräumigen Landschaften. Andererseits beschreiben sie bereits ein auf großräumigere Herrschaftsbildung zielendes Heerkönigtum, also eine Form der Königsherrschaft, deren Grundlagen militärischer Erfolg und Beute darstellten. Diese Könige waren die Anführer von Verbänden, die sich die ältere Forschung als wandernde Völker oder Stämme vorgestellt hat. Der Name „Völkerwanderungszeit"" für diese Jahrhunderte erklärt sich so. Dabei konnte man sich auf Schriftsteller wie Cassiodor/ Jordanes und Paulus Diaconus stützen, die legendäre Herkunftsgeschichten überliefern, in denen etwa von der skandinavischen Herkunft der Goten und Langobarden die Rede ist [Wolfram 1990b].

Inzwischen wird jedoch angenommen, dass nur in seltenen Fällen ganze „Völker"" über große Entfernungen wanderten, vielmehr führten bestimmte Gruppen um bedeutende Familien traditionsreiche Namen mit sich, und um diese sammelten sich immer wieder neue gentile Verbände. Zu ihnen konnten ständig neue Gruppen und Stammessplitter stoßen und integriert werden. Die mythische Abstammungsgemeinschaft stiftete den gentilen Verbänden Identität, hielt sie zusammen und legitimierte die königlichen Herrscherfamilien [Wenskus, Wolfram 1990b, Geary 1996 u. 2002, Pohl 2002].

Inzwischen charakterisiert man auch die Königsherrschaft durch die Anführer dieser Verbände anders. Betonte man früher die germanischen Wurzeln des Königtums, so wird inzwischen der Tatsache größere Beachtung geschenkt, dass sich die politische Verfasstheit dieser gentes unter erheblichem Einfluss römischer Staatsvorstellungen und Institutionen vollzog. Gerade Herrschaftsbildungen solcher Germanenkönige innerhalb der alten Grenzen des Römischen Imperiums gründeten auf den Strukturen der Provinzialverwaltung und auf die weiter bestehende Infrastruktur sowie die regionale Ökonomie.

Die Westgoten. Das Reich des gotischen Königs Ermanarich (reg. ca. 350–375) am Nordrand des Schwarzen Meeres, dem eine Vielzahl von gentilen Gruppen in weiten Teilen Osteuropas in tributärer Abhängigkeit zugehört hatten, wurde im Jahr 375 von den reiternomadischen Hunnen zerschlagen. Westgotische und ihnen zugehörige Gruppen hatten sich schon vorher nach Südwesten gewandt, wo sie an der mittleren und unteren Donau in intensiven Kontakt zum römischen Imperium gekommen waren. An der Spitze dieser donauländischen Goten standen als Richter bezeichnete Fürsten. Der bekannteste unter ihnen wurde Athanarich (reg. 365– 375/81), der im Jahr 369 einen Vertrag mit dem oströmischen Kaiser Valens (reg. 364– 378) schloss und damit die gotische Siedlung nördlich der Donau absicherte. Vor den Hunnen zogen sich aber auch die Westgoten im Jahr 376 über die Donau ins Römische Reich zurück. Sie konnten jedoch von der römischen Administration südlich der Donau weder integriert noch versorgt werden. Kaiser Valens beabsichtigte schließlich, das Problem militärisch zu lösen, unterlag aber im Jahr 378 in der Schlacht von Adrianopel und fand dabei den Tod [Wolfram 1990a u. 1990b, Pohl 2002].

Dem Ostkaiser Theodosios I. (reg. 379–395) gelang im Jahr 382 der Abschluss eines Vertrages mit den Westgoten zur Ansiedlung in den römischen Provinzen Dakien und Thrakien. Die Goten blieben unter der Herrschaft ihrer Fürsten, hatten aber das römische Heer zu unterstützen. Unter ihnen trat bald der dem Geschlecht der Balthen angehörende Alarich I. (gest. 410) hervor, der in dieser Zeit seine Anerkennung als gotischer Heerkönig auf römischem Reichsboden erreichte."