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5.1 Multimedia, Multicodierung, Multimodalität (S. 74-75)
In diesem Abschnitt wird die Brauchbarkeit des Begriffs „Multimedia" für die Forschung geprüft. Die Analyse führt zu dem Ergebnis, dass anstelle des Breitbandbegriffs „Multimedia" differenziertere Kategorien für die Beschreibung von Anwendungen im Informations- und Lernbereich benötigt werden (Weidenmann, 2006). Es bieten sich Kategorien an, die in neueren psychologischen und medienwissen- schaftlichen Beiträgen entwickelt wurden, etwa Codierung, Modalität, mentales Format und mediales Angebot.
Symbolsysteme und Codes. Die Kategorie „Symbolsystem" wurde von Goodman (1968) eingeführt und für die Medienpsychologie von Olson (1974) sowie von Clark und Salomon (1986) fruchtbar gemacht. Grundgedanke ist, dass sich Botschaften in verschiedenen Formaten bzw. Symbolsystemen umwandeln und präsentieren lassen. Die prominenten Symbolsysteme in unserer Kultur sind das verbale und das piktoriale sowie das Zahlensystem. Diese Symbolsysteme enthalten diverse Codes und Subcodes. Beispiel: Das piktoriale Symbolsystem umfasst als Subcodes Abbilder, logische Bilder usw. Manche Autoren verwenden zur Kategorisierung einer medialen Botschaft den Begriff Reizmodalität und unterscheiden sprachliche und nichtsprachliche Reizmodalitäten (Rowntree, 1982, Engelkamp &, Zimmer, 1990, Spencer, 1991). Reizmodalität bezieht sich darauf, welche Sinnesmodalitäten ein bestimmter Reiz anspricht. Doch „Modalität" wird üblicherweise nicht als Reizmerkmal, sondern im Zusammenhang mit der Rezeption medialer Angebote benutzt (siehe „Sinnesmodalität").
Sinnesmodalität, Sinneskanal. Diese Begriffe bezeichnen die Sinnesorgane (Augen, Ohren, Tastsinn), mit denen die Rezipienten ein mediales Angebot wahrnehmen und mit ihm interagieren. Der ältere Terminus „Sinneskanal" entstammt dem Ingenieursparadigma der Kommunikation, für eine psychologische Zugangsweise ist „Modalität" angemessener.
Mentale Repräsentation, mentales Format, Verarbeitungssystem. Mit diesen kognitionspsychologischen Begriffen soll erfasst werden, in welcher Qualität die sensorisch wahrgenommenen Daten im Verlauf der Sinnentnahme, des Wissenserwerbs und der Speicherung verarbeitet werden. Aebli (1981) sowie Strittmatter &, Seel (1984) bezeichnen diese mentalen Formate als „interne Medien". Die kognitive Psychologie hat sich ausführlich mit dem Problem der mentalen Repräsentation beschäftigt. Die meisten Autoren unterscheiden mindestens zwei qualitativ verschiedene, jedoch miteinander interagierende Verarbeitungssysteme: eines für die Verarbeitung von Sprache, ein anderes für bildhafte Sinneseindrücke. Wichtig ist die Erkenntnis, dass es keine eindeutige Beziehung zwischen der „Reizcodierung" und der „internen Codierung" dieses Reizes gibt. Ein bildhafter Reiz muss z. B. keineswegs nur „bildhaft" gespeichert und verarbeitet werden. Er kann auch sprachliche oder sprachnahe (propositionale) Repräsentationen anregen. Das Gehirn verfügt über eine Vielfalt von Codierungsmöglichkeiten und scheint diese je nach Situation und Verwendungszeck flexibel zu verwenden. Anders gesagt, mit ein- und demselben „Reiz" können sich mehrere und unterschiedliche Zentren beschäftigen.
Medium, mediales Angebot. Die meisten Definitionen beschreiben die Mittlerrolle des Mediums in einem technischen Sinne als Träger oder Vehikel (Clark, 1983) für kommunikative Inhalte. Zu selten wird dabei die enge Verschränkung von Medium und Inhalt einbezogen. Als Medien sollten bezeichnet werden Materialien, technische Geräte oder Konfigurationen, mit denen sich Informationen kommunizieren und speichern lassen. Lerner haben es mit einem „medialen Angebot" zu tun. Es zeichnet sich aus durch Botschaften, Codierungen und Strukturierungen, die medial kommuniziert werden. Botschaften sind absichtsvoll codierte und strukturierte Inhalte, die von den Rezipienten (z. B. Lernern) als bedeutungsvolle Informationen wahrgenommen und verarbeitet werden.
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