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Systematische Medienphilosophie (Deutsche Zeitschrift für Philosophie. Sonderband, Band 7)

Systematische Medienphilosophie (Deutsche Zeitschrift für Philosophie. Sonderband, Band 7)

von: Mike Sandbothe, Ludwig Nagl (Hrsg.)

Akademie Verlag GmbH, 2005

ISBN: 9783050038469, 441 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 44,80 EUR

Ersparnis: 5,00 EUR

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Systematische Medienphilosophie (Deutsche Zeitschrift für Philosophie. Sonderband, Band 7)


 

Peter JanichMEDIENPHILOSOPHIE DER KOMMUNIKATION (S. 83-84)
Einleitung
Wir werden für unser Reden verantwortlich gemacht, im Alltag, in den Wissenschaften und in der Philosophie. Was wir wie und wem unter welchen Bedingungen sagen, was wir damit beabsichtigen, erreichen oder anrichten, wird uns von Anderen zugerechnet. Reden ist also Handeln – jedenfalls in einem Verständnis von „Handeln", das seinen Ursprung und Sitz im Zusammenleben von Menschen hat. Von Handeln überhaupt zu reden, hat seinen Sinn genau darin, dass uns manches, aber nicht alles als Verdienst oder Schuld von Anderen zugerechnet wird, was diese von uns miterleben. Mit diesem, sich von anderen Handlungsbegriffen unterscheidenden Verständnis sind sprachliche Handlungen auf Handlungs- und Redegemeinschaften bezogen und betreffen das Reden als Kommunizieren. Reden als Handeln des Kommunizierens bildet einen Unterschied vor allem zum künstlich eingeengten Sprachbegriff einer analytischen Tradition, die sich gleichsam den vor einem Blatt Papier sitzenden Mathematiker oder den Naturwissenschaftler vorstellt, der monologisch einen Beweis bzw. eine zutreffende Beschreibung der naturgesetzlichen Welt sucht. Dort geht es schon von vornherein um wahrheitsfähige Aussagen, um Syntax und Semantik, allgemein um die Signifikationsfunktion der Sprache. Hier dagegen steht ihre Kommunikationsfunktion im Blickpunkt. (Allen Formalisten, Empiristen und Naturalisten im Feld von Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft ist entgegenzuhalten, dass auch sie selbst (zumindest faktisch) andere Menschen moralisch und rechtlich verpflichten und von diesen verpflichtet werden.

Keine Wissenschaft oder Philosophie leistet eine Befreiung etwa aus der Rolle des Staatsbürgers in einem demokratischen Rechtsstaat oder des Mitglieds in einer Familie, Schulklasse, Universität, einem Betrieb.) Bezüglich der Grundbegriffe und Aufgaben einer Medienphilosophie der Kommunikatio n heißt dies, dass Reden als Handeln nicht nur betrachtet werden kann – was ohnehin niemand bestreitet –, sondern auch so betrachtet werden soll, um eine philosophische Kritik, das heißt ein expliziertes, nachvollziehbares Unterscheidungssystem für die Aspekte der Medialität von Kommunikation zu entwickeln. Es geht also nicht um die Frage, ob Reden Handeln ist, sondern was dieser Aspekt für eine Medienphilosophie austrägt.

Deshalb gliedert sich der folgende Text in vier Teile: Im ersten Teil werden Grundbegriffe einer methodischen Handlungstheorie bestimmt, im zweiten Teil werden diese Grundbegriffe für eine Theorie der Kommunikation eingesetzt, im dritten Teil ist eine Kritik an vorherrschenden Verständnissen von Information und Kommunikation im Blick auf die technischen Medien vorzutragen, im vierten Teil sind schließlich die Aufgaben für eine methodische Medienphilosophie der Kommunikation zu benennen, um eine Orientierung im aktuellen medienphilosophischen Diskurs zu gewinnen.

1. Kleine Handlungstheorie (im Blick auf das Reden)
Unter „ Handeln" soll verstanden werden, was uns andere Menschen als Verdienst oder Verschulden zurechnen. Es ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Einsozialisation in Handlungsgemeinschaften, Handeln vom bloßen Verhalten (im Sinne von behavior) zu unterscheiden. Niemand lobt oder tadelt ein Kind, wenn es erschrickt, stolpert, hinfällt, krank wird oder Reflexe zeigt. Dieses naturhafte Verhalten (nicht zu verwechseln mit der Wortbedeutung des deutschen „Verhalten" im Sinne von englisch conduct, also Handlungsweisen) mag Gegenstand naturwissenschaftlicher Erforschung und Kausalerklärung sein. Aber nur für Handeln, nicht für bloßes Verhalten sind wir verantwortlich. Handeln lässt sich nach verschiedenen Aspekten differenzieren und klassifizieren. Dies soll hier nur so weit geschehen, wie es für eine Fundierung eines medienphilosophisch tragfähigen Kommunikationsbegriffs erforderlich ist.