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Auge des Glaubens - Thriller

von: Simon Cross

Bluescreen Entertainment, 2017

ISBN: 9783943529081 , 470 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 4,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Auge des Glaubens - Thriller


 

Prolog


»Wie es bei den Philippern geschrieben steht, so soll es uns auch heute widerfahren. Hört auf den Willen und die Worte unseres Herrn, der da zu Euch sagt: Und wenn ich auch geopfert werde bei dem Opfer und Gottesdienst Eures Glaubens, so freue ich mich und freue mich mit Euch allen.«

Dumpf und noch weit entfernt drang die mächtige, ihr so vertraute Stimme eines zu allem entschlossenen Mannes an die Ohren der jungen Frau, die in einem dunklen Saal mit dem Rücken auf einem steinernen Altar lag. Jemand hatte mehrere Kerzen um sie herum aufgestellt, deren durch einzelne sanfte Windstöße verursachtes, dezentes Flackern die Silhouette ihres Körpers in ein fahles, beinahe furchteinflößendes Licht rückte.

Nur sehr langsam und unter größter Anstrengung fand sie aus einem undefinierbaren Dämmerzustand zurück in die sie verwirrende Realität. Eine Realität, die ihr in diesem Moment so unwirklich erschien, als befände sie sich noch immer in einem nie enden wollenden, gespenstisch plastischen Albtraum gefangen, aus dem es für sie kein Erwachen mehr gab.

Unterhalb ihres Nackens spürte sie einen leichten Schmerz. Es fühlte sich an, als sei sie von einem harten Gegenstand getroffen worden. Instinktiv wollte sie deshalb mit ihrer linken Hand nach der verletzten Stelle greifen. Doch es gelang ihr nicht. Sie konnte ihre Arme nicht bewegen, so sehr sie sich auch bemühte. Eine unerklärliche Lähmung hatte von ihrem ganzen Körper Besitz ergriffen. Sie dehnte sich von ihrer Brust bis hinab zu den Zehenspitzen aus. Nur ihren Kopf konnte sie noch leicht anheben.

Ungläubig blickte sie an sich hinab.

Jemand hatte ihren Körper in ein festliches weißes Laken gehüllt. Zu ihren Seiten streckten sich zwei eiserne Kreuze in die Höhe. In weiße Mönchskutten gekleidet, hatte sich eine kleine Gruppe Menschen im Halbkreis um sie versammelt. Von dem ohnehin kaum wahrnehmbaren Stöhnen der Frau ließen sie sich augenscheinlich nicht beirren. Sie waren vielmehr ehrfürchtig in ein Gebet vertieft und verharrten starr in ihrer Position.

Die Gesichter dieser Leute vermochte sie nicht zu erkennen. Zu tief hatten die Gestalten ihre Kapuzen nach vorne gezogen, als wollten sie ihre wahre Identität vor ihr verbergen. Lediglich deren sich monoton wiederholende Gebetsrufe waren ihr seltsam vertraut.

Krampfhaft bemühte sich die junge Frau, sich ihrer Situation bewusst zu werden. Einen klaren Gedanken zu fassen. Zu verstehen, wer sie war – und: Wo sie eigentlich war.

Das unbestimmte Gefühl, diesen düsteren Ort schon einmal betreten zu haben, beschlich sie, je länger sie darüber nachdachte. Nur: Wann mochte das gewesen sein? Und in welchem Zusammenhang? Wer hatte sie eigentlich hierhin gebracht? Und warum lag sie, der Gruppe hilflos ausgeliefert, auf diesem kalten Untergrund? Was ging hier nur vor sich?

Nur sehr zögerlich manifestierten sich Bilder der jüngsten Vergangenheit vor ihrem geistigen Auge. Sie wartete vor einer Kirche, als eine schwarze Limousine vorfuhr, die einem ziemlich reichen Menschen gehören musste. Eine Tür öffnete sich. Ein Mann stieg aus. Und aus irgendeinem Grund, der sich ihr derzeit nicht erschloss, folgte sie dessen höflicher Aufforderung, in den Wagen zu steigen. Als würde es genau in diesem Augenblick noch einmal geschehen, glaubte sie für den Bruchteil einer Sekunde sogar das sanfte, weiche Polster der dunklen Ledersitze unter sich zu spüren und entspannt darin zu versinken. Ihr gegenüber saßen zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, die sie entschieden und doch bedrückt zugleich anschauten. Augenscheinlich waren ihr diese beiden Personen vertraut. Von ihnen ging jedenfalls ein undefinierbares, tief in ihr verankertes Gefühl der Intimität aus. Sie fühlte sich aber noch nicht in der Lage, zu begreifen, wieso dem so war - und: woher sie diese Leute kannte.

Wenig später stieß dann ein weiterer Mann hinzu. Ein vornehm gekleideter Herr mittleren Alters, vielleicht sogar der Besitzer dieser luxuriösen Limousine. Er hielt etwas in der Hand. War es ein Tuch? Ein Lappen? Oder doch etwas ganz Anderes? Und warum führte er es an ihre Lippen? So sehr sie die Antwort in ihrem tiefsten Inneren auch suchte, so wenig offenbarte sich diese ihr. Nur einer Sache durfte sie sich sicher sein: In exakt jenem Moment hatten ihre Sinne zu schwinden begonnen. Und erst jetzt kam sie ganz allmählich wieder zu sich.

Wie viel Zeit war inzwischen vergangen? Minuten? Stunden? Gar Tage? Überhaupt: Warum hatte dieser Mann sie betäubt und was war seither mit ihr passiert? Wie kam es, dass sie jetzt nahezu bewegungsunfähig auf diesem harten Stein lag?

Der von Weihrauch getränkte Raum, in dem sie sich befand, war inzwischen von sakralen Gesängen erfüllt, denen nichts Heiliges mehr anhaftete. In ihnen lag vielmehr etwas Bedrohliches, das sie beunruhigte. Diese Menschen, die sie offensichtlich zum zentralen Bestandteil eines merkwürdigen Rituals auserkoren hatten, waren in eine absonderliche Zeremonie vertieft, deren Sinn sie noch nicht ganz begriff. Oder auch nicht begreifen wollte.

Ängstlich starrte sie auf das Treiben der verhüllten Gruppe, die inzwischen in scheinbarer Ekstase und innerem Verklärt sein so lange immer wieder durch den Raum wanderte, bis sie von jenem Mann zur Ruhe gebeten wurde, der diesem ganzen Ritus offenbar vorstand. Zumindest unterschied er sich schon rein äußerlich von allen anderen. Sein Körper war von einer dunkelbraunen, ins Schwarze tendierenden Kutte bedeckt. Ein golden glänzendes Kreuz hing an einer silbernen Kette um seinen Hals.

Die junge Frau konnte das schwere, eisige Metall spüren, als er sich zum Altar begab und sich zu ihr hinab beugte. Das Kreuz berührte dabei ihre Wangen, während sie, erstarrt vor Schreck, in ein ihr eigentlich vertrautes Augenpaar blickte, aus dem aber jeder Funke von Liebe und Menschlichkeit entwichen schien. Hinter den dezenten Schatten, die seine Kopfbedeckung, im Licht der flackernden Kerzen, auf die unreine Haut seines zu altern beginnenden Gesichts zeichnete, erkannte sie einen besessenen Mann, der die Kontrolle über sich selbst verloren hatte. Verzweifelt versuchte sie dennoch, mit diesem Mann in Kontakt zu treten, indem sie sich ihm entgegenstreckte und ihre Lippen bewegte. Doch ihre Stimme versagte. Sie fühlte sich nicht in der Lage, genügend Luft durch ihre Kehle zu pressen, um die Stimmbänder ausreichend zum Schwingen zu bringen.

Erschöpft und resigniert zugleich gab sie auf und ließ ihren Kopf zurück auf den kalten Stein fallen, beobachtet von den scharf blitzenden Augen des Mannes mit der dunklen Kutte. Dieser Mann zog nun ein seidenes Taschentuch hervor, in dessen Ecken jeweils ein Emblem eingestickt war, bestehend aus den Buchstaben »O« und »D«, um die sich, kunstvoll verziert, das Symbol eines Fisches wand. Das Tuch, das er langsam an ihren Mund führte, während er ihren Kopf fast väterlich zu stützen schien, war von einer süßlich riechenden Flüssigkeit durchdrungen.

Zuerst wehrte sie sich noch dagegen, die betäubenden Dämpfe einzuatmen. Sie versuchte krampfhaft die Luft anzuhalten. Doch es hatte keinen Sinn. So sportlich und diszipliniert sie ansonsten auch war; dieser Kampf war nicht zu gewinnen. Ihr blieb keine Wahl, als sich dem Ritual hinzugeben, wollte sie das Unausweichliche nicht unnötig hinauszögern. Nicht ahnend, was sie tatsächlich erwarten würde.

»Die Welt ist voll Sünde«, erhob der Mann mit der dunklen Kutte erneut seine Stimme, während er mit seinen Blicken von ihr abließ und sich, eine in Leder gebundene Ausgabe der Heiligen Schrift in den Händen haltend, den anderen Mitgliedern der Gruppe zuwandte. »Doch die Zeit währt nicht mehr lange, bis die Sünde von dieser Welt genommen wird, auf dass unser Herr auf ewig regiere.«

Mit einem lautstarken, von den Wänden widerhallenden Amen antworteten die anderen Gestalten auf seine Worte. Ein Ausruf, der so kühl und auf erschreckende Weise gefühllos zugleich war, dass sich die junge Frau beinahe in einem abscheulichen Horrorfilm wiederzufinden vermutete. Wo blieb nur der Eine, der sie zärtlich wach küssen und in die Arme nehmen würde, dachte sie im Halbschlaf ihres schwächer werdenden Bewusstseins. Der heldenhafte Ritter, der ihr sagte, dass alles nur ein böser Traum gewesen sei, während gleichzeitig die ersten wärmenden Sonnenstrahlen des Morgens mit ihrer lebensspendenden Kraft diesen qualvollen Moment für immer vergessen machten.

»Siehe, der Herr spricht«, fuhr der Träger der dunklen Kutte, das ängstliche Zittern des Körpers der jungen Frau ignorierend, unbeirrt fort. »Die Zeit wird kommen, da ich auf die Erde zurückkehre und mein Reich über das des Bösen siegen wird.«

Das Atmen fiel der jungen Frau nun immer schwerer. Und auch ihre Sehkraft ließ langsam nach. Allmählich verschwammen selbst die ohnehin schon unscharf gewordenen Umrisse der Umgebung.

»Wir haben uns hier versammelt im Namen des Herrn, um seine Dienste zu...