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Die Philosophie im Boudoir

von: Marquis de Sade

OTB eBook publishing, 2015

ISBN: 9783956766183 , 103 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 0,99 EUR

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Die Philosophie im Boudoir


 

Erster Dialog


Madame de Saint-Ange, Chevalier de Mirvel

Madame de Saint-Ange: Guten Tag, Bruder. Nun, und Dolmancé?

Chevalier: Er kommt pünktlich um Drei, und wir essen erst um Sieben; du siehst, wir haben Zeit genug zum Plaudern.

Madame de Saint-Ange: Weißt du Bruder, ich bereue etwas meine Neugier und all die obszönen Pläne für heute. Wirklich, mein Freund, du bist zu nachsichtig. Je vernünftiger ich sein müßte, desto mehr erregt sich mein verfluchter Kopf und wird liederlich: du läßt mir alles durchgehen, das macht mich noch schlimmer ... Mit meinen sechsundzwanzig Jahren müßte ich bereits fromm sein, und ich bin noch die zügelloseste aller Frauen ... Man macht sich keine Vorstellung davon, was ich mir ausdenke, mein Freund, was ich tun möchte. Ich glaubte, wenn ich mich einzig an die Frauen hielte, würde mich das zur Vernunft bringen ...; meine Begierden, auf mein Geschlecht konzentriert, würden sich nicht mehr dem euren entgegendrängen: schimärische Pläne, mein Freund; die Vergnügungen, die ich mir versagen wollte, stellten sich nur noch lebhafter meinem Geiste dar, und ich habe gemerkt, daß, wenn man wie ich für die Libertinage geboren ist, bereits der Gedanke sinnlos wird, sich Zügel anzulegen: leidenschaftliche Begierden zerreißen sie alsbald. Kurz, mein Lieber, ich bin ein amphibisches Wesen; ich liebe alles, alles amüsiert mich, ich möchte alle Arten verbinden; aber gib zu, Bruder: ist es nicht völlig verrückt von mir, den merkwürdigen Dolmancé kennen lernen zu wollen, der, wie du sagst, sein Leben lang keine Frau hat sehen können, wie der Brauch es vorschreibt, der, Sodomit aus Prinzip, nicht nur sein eigenes Geschlecht vergöttert, sondern dem unseren sogar nur nachgibt unter der besonderen Bedingung, daß man ihm die bevorzugten Reize überläßt, deren er sich bei den Männern zu bedienen gewohnt ist? Dies, Bruder, ist meine bizarre Idee: ich will der Ganymed dieses neuen Jupiter sein, ich will seine Neigungen, seine Ausschweifungen genießen, ich will das Opfer seiner Irrtümer sein: du weißt, mein Lieber, daß ich mich bisher so nur dir -- aus Freundlichkeit -- oder einem meiner Leute hingegeben habe, der dafür bezahlt war, mich so zu behandeln, und sich nur aus Eigennutz dazu herbeiließ; heute ist es weder Freundlichkeit noch Laune mehr, nur die Neigung bestimmt mich ... Ich sehe zwischen den Methoden, die mich dieser bizarren Manie unterworfen haben, und denen, die mich ihr unterwerfen werden, einen unfaßbaren Unterschied, und ich will ihn erkennen. Schildere mir deinen Dolmancé, ich beschwöre dich, damit ich ihn gut im Kopf habe ehe er erscheint; denn du weißt, daß ich ihn nur daher kenne, daß ich ihm neulich in einem Hause begegnet bin, wo ich nur ein paar Minuten mit ihm zusammen war.

Chevalier: Dolmancé, Schwester, hat gerade sein sechsunddreißigstes Lebensjahr erreicht; er ist groß, sehr wohlgestaltet, hat sehr lebhafte und geistreiche Augen, doch unwillkürlich spiegelt sich irgendetwas ein wenig Hartes und Böses in seinen Zügen; er hat die schönsten Zähne der Welt, eine gewisse Weichlichkeit in Gestalt und Haltung, zweifellos durch seine Gewohnheit, häufig feminines Gebaren anzunehmen; er besitzt höchste Eleganz, eine angenehme Stimme, Talente und vor allem viel Philosophie im Denken.

Madame de Saint-Ange: Er glaubt hoffentlich nicht an Gott.

Chevalier: O, was sagst du da! Er ist der größte Atheist, der sittenloseste Mensch ... O, hier ist sicherlich die weitgehendste und vollständigste Verderbtheit, das bösartigste und ruchloseste Individuum, das es auf der Welt geben kann.

Madame de Saint-Ange: Wie all das mich erhitzt! Ich werde noch schwärmen für diesen Mann. Und seine Vorlieben, Bruder?

Chevalier: Du kennst sie; die Wonnen Sodomas schätzt er ebenso als Handelnder wie als Passiver; er will nur Männer zu seinem Vergnügen, und wenn er sich dennoch manchmal herbeiläßt, Frauen zu versuchen, so nur unter der Bedingung, daß sie so freundlich sind, das Geschlecht mit ihm zu tauschen. Ich habe ihm von dir erzählt, ich habe ihn von deinen Plänen unterrichtet, er ist einverstanden und macht dich seinerseits zuvor auf die Klauseln des Handelns aufmerksam. Ich warne dich, Schwester, er wird dich rundweg zurückweisen, wenn du ihn zu etwas anderem bringen willst. »Was ich mit Ihrer Schwester zu tun bereit bin«, behauptet er, »ist eine Ausnahme ... ein Seitensprung, mit dem man sich nur selten und mit vielen Vorsichtsmaßregeln beschmutzt.«

Madame de Saint-Ange: Sich beschmutzen! ... Vorsichtsmaßregeln! ... Ich liebe die Sprache dieser liebenswürdigen Leute wahnsinnig! Unter uns Frauen haben wir ebenfalls derartige Exklusivworte, die wie jene den tiefen Abscheu beweisen, der uns gegenüber allem erfüllt, was nicht zum akzeptierten Kult gehört ... ja, sag mir doch, mein Lieber, er hat dich gehabt? Mit deinem entzückenden Gesicht und deinen zwanzig Jahren kann man, glaube ich, so einen Mann fesseln!

Chevalier: Ich will dir meine Ausschreitungen mit ihm absolut nicht verbergen: du hast zuviel Geist, um sie zu tadeln. Tatsächlich liebe ich die Frauen, und ich gebe mich jenen bizarren Neigungen nur hin, wenn ein liebenswürdiger Mann mich dazu drängt. Es gibt nichts, was ich dann nicht täte. Ich bin weit von jenem Dünkel entfernt, der unsere jungen Laffen glauben machen will, man müsse derartige Anerbieten mit Stockschlägen beantworten; ist der Mensch Herr seiner Neigungen? Man muß die beklagen, die besondere haben, doch nie sie beleidigen: ihr Unrecht ist das der Natur; sie hatten es ebenso wenig in der Hand, mit andersartigen Neigungen zur Welt zu kommen, wie wir, krummbeinig oder wohlgestaltet geboren zu werden. Sagt euch übrigens ein Mann etwas Unangenehmes, wenn er euch den Wunsch bezeugt, sich mit euch zu vergnügen? Zweifellos nicht; er macht euch ein Kompliment; warum also ihm mit Beleidigungen oder Beschimpfungen antworten?

Nur Toren können so denken; nie wird ein verständiger Mann über dieses Thema anders reden, als ich es tue; aber die Welt ist voll von platten Dummköpfen, die glauben, man verletze sie, wenn man ihnen gesteht, daß man sie zur Lust für geeignet hält, und die, verdorben durch die Frauen, die immer eifersüchtig sind auf das, was ihre Rechte anzutasten scheint, sich wie ein Don Quichotte dieser gewöhnlichen Rechte vorkommen, wenn sie die brutalisieren, die diese nicht in ihrer ganzen Reichweite anerkennen.

Madame de Saint-Ange: O mein Freund, küsse mich! Du wärest nicht mein Bruder, wenn du anders dächtest; doch ein paar Einzelheiten, ich beschwöre dich, und zwar über das Äußere dieses Mannes und über seine Vergnügungen mit dir.

Chevalier: Dolmancé wußte durch einen meiner Freunde von dem prachtvollen Glied, mit dem ich, wie du weißt, ausgestattet bin; er veranlaßte den Marquis de V..., mich mit ihm zum Souper einzuladen. Nachdem ich einmal da war, mußte ich wohl zur Schau stellen, was ich besaß; die Neugier schien zunächst das einzige Motiv, ein überaus schöner Arsch, den man mir zuwandte und den man mich zu genießen bat, ließ mich bald erkennen, daß einzig die Neigung an dieser Untersuchung beteiligt gewesen war. Ich warnte Dolmancé vor all den Schwierigkeiten des Unterfangens, nichts schreckte ihn ab. »Nicht einmal der Bock kann mir etwas anhaben«, sagte er zu mir, »und Sie haben nicht mal die Ehre, der fürchterlichste der Männer zu sein, die den Arsch durchbohrt haben, den ich Ihnen darbiete!« Der Marquis war anwesend; er ermunterte uns, indem er alles, was wir an den Tag legten, betätschelte, befühlte, küßte. Ich stelle mich ... ich will zumindest ein paar Vorbereitungen. »Hüten Sie sich ja davor!« sagt der Marquis, »Sie nähmen die Hälfte der Gefühle, die Dolmancé von Ihnen erwartet; er will, daß man ihn zerspaltet ... Er will, daß man ihn zerreißt!« »Er soll zufrieden gestellt werden!«, sage ich, während ich mich blindlings in den Abgrund stürze ... Und du denkst vielleicht, Schwester, ich hätte große Mühe gehabt? ... Nichts dergleichen; mein Schwanz, so riesig er ist, verschwand, ohne daß ich es merkte, und ich berührte den Grund seiner Eingeweide, ohne daß der Schurke es zu fühlen schien. Ich behandelte Dolmancé als Freund; die exzessive Wollust, die er verspürte, sein Erbeben, seine köstlichen Worte, all das machte mich bald selber glücklich, und ich benetzte ihn. Kaum war ich draußen, als Dolmancé sich zu mir umwandte, das Haar verwirrt, rot wie eine Bacchantin. »Du siehst, in welchen Zustand du mich versetzt hast, teurer Chevalier«, sagte er, indem er mir einen harten und lebendigen Schwanz wies, sehr lang und von mindestens sechs Zoll Umfang; »geruhe, O Liebster, ich beschwöre dich, mir als Frau zu dienen, nachdem du mein Liebhaber warst, auf daß ich sagen kann, ich habe in deinen göttlichen Armen jegliche Lust der Neigung genossen, die ich mit solcher Ausschließlichkeit liebe.« Da ich das eine nicht schwieriger finde als das andere, erklärte ich mich bereit. Der Marquis zog sich vor meinen Augen die Hosen aus und beschwor mich, mit ihm noch ein wenig Mann sein zu wollen, während ich die Frau seines Freundes werde. Ich behandelte ihn wie Dolmancé, der mir hundertfach alle Stöße zurückgab, mit denen ich den Dritten reichlich versah, und mir bald ins Innerste meines Arschs die verzaubernde Flüssigkeit spritzte, mit der ich fast gleichzeitig den Arsch von V. benetzte.

Madame de Saint-Ange: Du hast sicher extremes Vergnügen empfunden, als du dich so entre deux befandest, Bruder; man sagt, das sei herrlich.

Chevalier: Sicherlich, mein Engel, ist das der beste Platz, doch was man auch sagen...