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Finsternis über Terra: Die Erde hält den Atem an – unheimlicher Besuch im Solsystem (Band Nummer 2470)
4. Wenn dich das Dunkel holt ... (S. 21)
Die Straßen waren wie leer gefegt.
Tenpole Opera hatte ein Gefühl, als wate er durch zähe, düstere Luft. Der Himmel über Terrania war schwarz, kein einziger Stern war zu sehen. Nicht einmal die Kunstsonnen der Laternen-Matrix schimmerten durch den nebligen Dunst, der wie ein verheerender Schleier über der Stadt lag, in die Straßen und Gassen sickerte, die Spitzen der Türme verschluckte. Noch keine Nacht war so dunkel wie diese gewesen, dachte er. Noch kein Tag so endlos wie dieser.
Das war verrückt, er redete sich selbst etwas ein.
Das Ding aus dem Chaos war auf dem Weg nach Terrania. Aber es war noch nicht eingetroffen. Der Himmel verzog sich nicht, schrumpfte nicht in sich zusammen, bog sich nicht in düs-ter dräuenden Spinnennetzen um das Etwas herum, das in ihre Welt gekommen war.
Danton, Bull, Adams!
Sie hatten das Ding hierher geholt, sie hatten ihnen das eingebrockt. Dann, bitte schön, sollten auch sie das ausbaden. Es war nicht seine Sache!
War es doch ...
»Hattest du nicht gesagt, in den anderen Städten laufen die Menschen auf die Straße, weil sie es in den Wohnungen nicht aushalten?«, fragte Anulyn. Sie ging neben ihm her, während Corsair voraneilte, wie rast- und ziellos – was sie im Grunde auch waren. Wo sollten sie suchen? Die Clubs, in denen sie Arnie am ehesten vermutet hätten, waren allesamt Fehlanzeige gewesen. Sie hatten sie durch, wenn auch im Schnellverfahren. Wenn er bei irgendwelchen fragwürdigen Freunden war, hatten sie keine Chance, ihn zu fi nden. Aber es gab Plätze, auf die sie noch hoffen konnten.
So »erwachsen« sich Arnie mit seinen lächerlichen acht Jahren auch gab, frühreif und arrogant, war er immer noch ein Kind, das gern spielte – vor allem in den virtuellen Abenteuerlandschaften.
Anulyn hatte sich einen dünnen Mantel übergeworfen, der sie nicht vor der Kälte schützen konnte, zumal sie darunter nur einen kurzen Fummel trug.
Sie fror und bibberte neben Tenpole, rannte ins Leere wie sie alle, Corsair voran. Sie hatten die Plätze und Szenen abgeklappert, an denen sie Arnie vermuten konnten. Ein einziger blieb ihnen noch, ein Abenteuerplatz, wo die Kids sich in virtuellen Dschungeln anderer Planeten austoben konnten. Wenn sie ihn auch dort nicht fanden, wusste Tenpole nicht mehr weiter.
Was hatte Anulyn gefragt? Warum sie keinen Menschen auf den Straßen sahen? Er wusste es nicht, hatte nur das Gefühl, dass jetzt kein Mensch auf der Straße sein durfte, dass es nicht passte. In einer solchen Nacht durfte niemand unterwegs sein. Selbst diejenigen, deren Geschäft die Nacht war, ließen sich nicht blicken.
»Wo ist Arnie?« Anulyn schrie es plötzlich, als sie dann auch den letzten Adventurepark auf ihrer Liste erreicht und leer vorgefunden hatten. Vielleicht »zog« auch die momentane Kulisse nicht so bei den Kiddies, Blues-wars waren angesagt, Planetenkämpfe gegen die Blues aus der galaktischen Eastside, alles in düsteres Lila getaucht und kreischende, zirpende Stimmen von »Tellerköpfen«, die urplötzlich in überdimensional großen Schrekkensholos auftauchten und aus unglaublichen Strahlern das Feuer eröffneten.
»Mein Gott, Daddy – wo ist mein Arnie?«
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