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Opfergang: Ein Schlag gegen die Kolonne - CRULT wird zum Schlachtfeld (Band Nummer 2475)
2. (S. 10-11)
Verwirrt schlug Jothadún die Augen auf. Im ersten Moment hätte er nicht zu sagen vermocht, wo er sich befand und was ihn geweckt hatte. Er wühlte seine kalte Nasenspitze tiefer in die Bettspäne hinein ...
... und zuckte erschreckt hoch.
Khuromi war nicht da. Eben noch hatte er sie neben sich gespürt, ihre Wärme, das leicht kratzige Bauchfell, dessen Maserung ihn heute ebenso faszinierte wie vor vielen Jahren, den süßen Duft ihres Körpers ...
Der Duft, stellte Jothadún verwirrt fest, war verfl ogen. Und überhaupt: Khuromi konnte gar nicht neben ihm gelegen haben, sein Lager war zu eng für zwei. Die Späne hatte er schon lange nicht mehr ausgetauscht, und das war etwas, was seine Gefährtin mehr gehasst hatte als jede andere Unaufmerksamkeit.
Der Effremi richtete sich ruckartig auf. Seine Tasthaare zitterten, als er mit den Zähnen und einer gehörigen Portion Speichel sein Armfell glatt zog.
»Ich habe geträumt«, murmelte Jothadún. Der Klang der eigenen Stimme dämpfte seine Verwirrung ein wenig. »Zum ersten Mal seit zwei Jahren habe ich wieder von Khuromi geträumt ... Als hätte ich vergessen, dass sie tot ist, an Bord von Registernummer 18.101.399 ums Leben gekommen.«
Jothadún hatte sich nie auf eine andere Beziehung eingelassen, obwohl es Dutzende fülliger Frauen auf CRULT gab, die nur auf seine Aufforderung warteten. Für sie war er stark und begehrenswert. Weil etwas von dem Laboraten auf ihn abfärbte? Er selbst zweifelte nicht daran.
Waren es die Stärke und unbändige Kraft dieses unsterblichen Wesens? Oder der bittere Geruch, den der Laborat um sich verbreitete?
Wahrscheinlich von allem ein wenig, sagte sich Jothadún. Ihm haftete längst ein Hauch des Fremden und Andersartigen an. Und das nicht nur, weil er zu den Auserwählten des Progress-Wahrers gehörte, zu den wenigen Effremi, die sich besonderes Ansehen erarbeitet hatten.
Jothadún wischte alle Überlegungen mit einem ärgerlichen Kopfschütteln beiseite. Er konnte die Bedrohung förmlich wittern. Einen Atemzug lang verharrte er noch angespannt in der Schlafecke, dann wuchtete er sein fülliges Hinterteil herum und fegte mit einer kräftigen Schwanzbewegung die Bettspäne zur Wand hin zusammen. Er taumelte, als er sich aufrichtete, in seinem Schädel schien ein Nest summender Aphorie-Mücken aufgebrochen zu sein. Gurgelnd verkrampfte Jothadún die Hände um seine Schläfen, aber das Gefühl der Übelkeit ließ sich nicht besänftigen. Unter seinen Füßen schien der Boden Wellen zu schlagen. Da half es ihm auch nicht, dass er hektisch mit dem Schwanz das Gleichgewicht ausbalancierte. Er torkelte vorwärts, schlug sich den Kopf an der Wand an und sackte quietschend auf die Späne zurück. Keuchend lag er auf dem Bauch, beide Arme abgespreizt, und von seiner Stärke, auf die er sich eben so viel eingebildet hatte, war gar nichts mehr zu spüren. Übelkeit durchpulste seinen Körper. In dem Moment erschien sie dem Effremi schlimmer als der Strangeness- Einfl uss im Chaosschacht, wenn er den Laboraten aufsuchte. Daran war er gewöhnt.
Aber das hier ...?
In der Stille erschien ihm sein Leid besonders drückend.
Stille? Erst jetzt begriff Jothadún, was er unbewusst vermisste. Vielleicht war es diese grauenvolle Stille, die ihn aus dem Schlaf gerissen hatte.
Die Effremi im Horst sangen nicht mehr.
Jothadún war schockiert. Schwerfällig rollte er sich auf die Seite, lag dann keuchend da, den Kopf halb in den Spänen vergraben, und lauschte.
Nichts. Es war absolut still. Und doch, wenn er sich konzentrierte ... Rollte da Explosionsdonner aus der Ferne heran?
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