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4 Ängste beim Autofahren verstehen und bewältigen (S. 95-96)
Um es noch einmal zu betonen: Nicht jede Angst ist krankhaft. Gerade beim Autofahren kann eine gesunde Angst lebensrettend sein. Autofahrer und Beifahrer sind zu Recht angespannt und ängstlich, wenn jemand bei hoher Geschwindigkeit zu dicht auffährt oder wenn sie an unübersichtlichen Stellen überholt werden. Es ist völlig normal, bei den ersten praktischen Fahrstunden und vor der Fahrprüfung nervös und aufgeregt zu sein. Daneben gibt es aber Angsterkrankungen, die die Betroffenen auch beim Autofahren quälen, sie erheblich einschränken und ihnen schließlich das Autofahren ganz unmöglich machen – oft mit schwerwiegenden Folgen für die berufliche Existenz oder die Partnerschaft. Krankhaft sind diese Ängste deswegen, weil ihre Heftigkeit den tatsächlichen Gefahren nicht angemessen ist und weil sie die Betroffenen oft massiv einschränken.
Es gibt viele Menschen, die hervorragend Auto fahren oder fahren könnten, die aber panische Angst vor bestimmten Situationen im Auto und beim Fahren haben. Sie reagieren kopflos nach Fehlern in der Fahrstunde, haben panische Angst vor der Fahrprüfung. Sie geraten bei einem Stau auf der Autobahn in Todesangst. Sie sind zutiefst verstört und verletzt, wenn der Beifahrer meckert oder kritisiert, und setzen sich oftmals danach nicht mehr ans Steuer. Sie reagieren mit Schwindelanfällen, Übelkeit und Herzrasen oder ständiger Anspannung, wenn sie Auto fahren müssen oder eine längere Fahrt vor sich haben. Jede Fahrt kann für die Betroffenen zu einem Albtraum werden.
Weder den betroffenen Autofahrern noch ihrer Umgebung ist es in der Regel bewusst, dass die meisten dieser Ängste wenig mit dem Autofahren selbst oder mit Unfällen zu tun haben, in die man möglicherweise verwickelt war. In der Regel ist diese Angst, die auch beim Autofahren auftritt, nur ein Warnsignal unter vielen, das auf eine krankhafte Angststörung hinweist. Sie ist häufig nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt – manchmal der Auslöser, der die Betroffenen zu einer Therapie veranlasst. Neben denjenigen mit krankhaften Angststörungen gibt es vermutlich zahlreiche Menschen, die sich nur durch eine leichte Ängstlichkeit und Unsicherheit beim Fahren eingeschränkt fühlen. Oft sind es Frauen, die nach langer Pause wieder fahren wollen und die sich aufgrund mangelnder Übung unsicher fühlen.
Hier werden möglicherweise zum Wiedereinstieg begleitete Fahrten mit einem Fahrlehrer und vielleicht später mit einer Freundin genügen. Mangelnde Fahrpraxis kann unter Umständen weitreichende Folgen haben: Zum Beispiel fehlt Fahrern in ländlichen Regionen manchmal die entsprechende Fahrpraxis und Routine etwa beim Fahren auf der Autobahn oder im dichten Stadtverkehr. Sind solche Situationen irgendwann unausweichlich, etwa nach dem Umzug in eine größere Stadt, dann kann diese mangelnde Praxis und die damit verbundene Unsicherheit Ängste begünstigen. Werden die Unsicherheit und Angstsymptome in schwierigen Verkehrssituationen katastrophisiert oder dem eigenen Unvermögen zugeschrieben, kann dies Phobien (krankhafte Ängste) verstärken oder sogar erstmals auslösen.
Die krankhaften Ängste, die im Folgenden beschrieben werden, können nicht alleine durch Konfrontation beim Autofahren behoben werden. Vielleicht hat jemand Angst vor Schwindelanfällen im Auto, vielleicht leidet er unter Klaustrophobie. Vielleicht ist jemand wegen seines Ehepartners, der neben ihm sitzt, wütend und aufgewühlt, und plötzlich treten starke Angstgefühle auf. In den folgenden Abschnitten werden die wichtigsten Ängste beschrieben, die das Autofahren beeinträchtigen. Wenn Sie nach Ausfüllen der Checklisten und der Lektüre der entsprechenden Abschnitte den Verdacht haben, unter einer dieser Störungen zu leiden, hier der wiederholte Hinweise, dass es notwendig sein kann, einen Verhaltenstherapeuten oder eine Verhaltenstherapeutin aufzusuchen. Dazu finden Sie unter Kapitel 4.9 weitere Hinweise.
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