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11 ,(S. 244-246)
Fliegen bei Nacht
lassen Sie sich Zeit mit allem, und betätigen Sie alle Bedienelemente ruhig. denken Sie stets daran, dass rote Signale jeglicher Art eine negative Bedeutung haben, und sofern ein rotes auf ein grünes Signal folgt, setzt es das grüne außer Kraft.
Sambia, 1972
Eine woche nach ihrer ankunft begann Paul mit der arbeit auf der Schulbaustelle. Max holte ihn täglich in aller Frühe mit dem Jeep ab, und sie fuhren tief in den Busch, zu einem Platz mit hoch aufragenden Mupundu-Bäumen, die wirkten, als würden sie seit anbeginn der Zeiten dort wachsen. Paul wanderte voller ehrfurcht zwischen ihnen umher. was ihn beeindruckte, war nicht allein ihre Größe – denn durch die Kaledonischen Kiefern und douglasien in Schottland war er mit solchen Baumriesen vertraut.
Und es war auch nicht allein die eigentümliche Borke, deren rotgoldene absonderungen nach und nach kristallisierten, so dass gleichsam jeder Baum mit einem bernsteinfarbenen Collier geschmückt war, und selbst ihr kräftiger Geruch war nicht das entscheidende. was ihn beeindruckte, war die pure Kraft der Bäume, ihre unerschütterliche, unbeteiligte art zu sein. er spürte, dass er an einen Ort gelangt war, der einer vergangenen epoche angehörte, der räumlich großzügiger und bei weitem nicht so hektisch war wie die restliche welt.
Wenn er es recht bedachte, so war der Busch vollkommen, er brauchte nichts und niemanden, ihm war nichts hinzuzufügen, und doch schien noch irgendetwas zu fehlen – hier lag eine immense, erwartungsvolle Spannung in der luft, als befände sich der Busch in einer art wartezustand, in einer einzigartigen, herrlichen und ausgedehnten Pause. Er musste an all die Tage denken, an denen er durch das schottische Hügelland gewandert war. Erinnerte sich an das erste Mal, da er den Gipfel des Bennachie hinter dem elterlichen anwesen erklommen und über die weite landschaft geblickt hatte. Kein dorf, kein Haus war zu sehen gewesen. ringsum nichts als Himmel, der irgendwie frischer und hoffnungsfreudiger wirkte als sonst.
Er hatte sich der länge nach hingelegt, umschlossen von einem dickicht aus adlerfarn, der ihn im Gesicht kitzelte, sein Geruch nach dunklem Brot erquickend und vage exotisch, die wedel eng aufgerollt, wie frisch geschlüpfte Seepferdchen. einem instinktiven Gefühl folgend lernte er, seine Sinne zu schärfen, um zu vernehmen, was ihm die welt mitzuteilen suchte. Seit er denken konnte, hatte er das völlig absonderliche empfinden gehabt, dass irgendetwas zu ihm durchzudringen suchte. es war weder eine Stimme noch eine Person, sondern etwas diffuseres, Unspezifischeres, das ihm so etwas wie eine einsicht in verborgene dinge eröffnete. Dies empfinden verlor an intensität, als er älter wurde. er schottete sich innerlich ab, wurde vorsichtiger.
Zog seine eigenen wahrnehmungen in Zweifel. Zuweilen jedoch blitzte das alte Gefühl urplötzlich wieder auf, rüttelte ihn auf, als wolle es ihn an etwas Vergangenes erinnern oder ihn vielleicht auch auf etwas Künftiges hinweisen. in afrika hatte ihn das Gefühl geradezu angesprungen, hatte ihn in heftigen wogen überrollt. Und in der Tiefe des Buschs war es besonders mächtig. Hier hatte er den eindruck, im Zentrum allen Seins angelangt zu sein. Und erkannte, dass die welt durch und durch aus demselben Stoff beschaffen, dass alles von derselben essenz durchdrungen war.
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