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18 (S. 86-87)
Die ganze Zeit tritt Jonas wie ein Wahnsinniger in die Pedale. Das Hemd klebt ihm am Körper. Aber diesmal weiß er, wohin er will. Er verfährt sich einige Male, findet jedoch immer wieder auf den richtigen Weg zurück.Als er vor dem Haus von Frau Dr. Eisen ankommt, steht ihr kleines rotes Auto in der Einfahrt. Gott sei Dank, sie ist da. Aber als er klingelt, rührt sich im Haus nichts. Er klingelt noch mal. Schließlich setzt er sich auf die Steinstufen vor der Praxis und wartet.
Sein Hemd ist so nass, dass er es auszieht und auf das von der Sonne erhitzte Blech des Autos legt. Sein Atem beruhigt sich nur langsam.Aber sein Gehirn funktioniert wieder. Im ersten Moment, nachdem er die Pistole erschrocken fallen gelassen hatte, war es wie leer gefegt gewesen. Er hatte sich auf sein Bike geworfen und war losgefahren, so schnell er konnte. Erst als er schon auf der Straße war, hatte er daran gedacht, dass er die geladene und entsicherte Pistole nicht einfach so im Wald liegen lassen konnte. Er war zurückgefahren, hatte die Waffe entladen, das Magazin herausgenommen und alles wieder so in dem Erdloch vergraben, wie Tim es gemacht hatte.
Dann war er wieder losgefahren, zuerst langsam, er hatte es ja nicht wirklich eilig. Doch dann war ihm plötzlich bewusst geworden, wie nahe dran er gewesen war abzudrücken, und er hatte Angst bekommen, dass er es sich noch einmal anders überlegen könnte. Immer schneller hatte er in die Pedale getreten. Als Frau Dr. Eisen kommt, ist es schon fast Mittag. Sein Hemd ist inzwischen trocken. Er hat es wieder angezogen. Sie ist wieder mit dem Rennrad unterwegs gewesen, die Arzttasche im Rucksack. Sie muss auch schnell gefahren sein. Sie ist außer Atem und sieht nicht besonders begeistert aus, als sie Jonas vor ihrer Tür entdeckt.
»Ich hab gleich einen Patienten.« Jonas stemmt sich hoch. Ziemlich unbeholfen macht er das. Sein linkes Bein ist eingeschlafen. »Ich wollte nur …« Sie wartet. Sie steht oben an der kurzen Treppe und wartet.Als sie merkt, dass sie ihm den Weg versperrt, tritt sie zwei Schritte zurück.Wenn er will, kann er jetzt an ihr vorbeistürzen und wegrennen. »Du wolltest nur … was denn, Jonas?« »Ach, nichts«, sagt er. Bis eben noch war er ganz sicher gewesen, dass alles nur so aus ihm heraussprudeln würde. Dass er ihr einfach alles erzählen würde. Aber jetzt schnürt ihm irgendetwas die Kehle zu. »Ich betreue ein Seniorenheim am Fluss«, sagt Frau Dr. Eisen.
»Meistens bin ich dienstags dort. Vormittags, meine ich.Wartest du schon lange?« Jonas schüttelt den Kopf, dann nickt er. Die Eisen hat ihren Kopf schief gelegt. Forschend sieht sie ihn an, dann kommt sie zwei Stufen herunter und legt ihm die Hand auf die Stirn. »Komm rein«, sagt sie und schließt die Praxistür auf. »Aber ich denke, Sie haben gleich …« »Ja, hab ich.« Sie geht durch den kleinen Vorraum voran und dann in ihr Behandlungszimmer.
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