Suchen und Finden

Titel

Autor/Verlag

Inhaltsverzeichnis

Nur eBooks für mein Endgerät anzeigen:

 

Newsletter

Stumm vor Glück.

Stumm vor Glück.

von: Franziska Sperr

PeP eBooks, 2009

ISBN: 9783641012014, 209 Seiten

Format: ePUB, PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Odys Media Book Scala,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,IREX Digital Reader,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 6,99 EUR

Mehr zum Inhalt

Stumm vor Glück.


 

Kleiderordnung (S. 119-120)

Ich kam nicht weit, ich hatte kaum mit dem Wählen begonnen, als ich draußen im Treppenflur etwas hörte. Ich lief zur Haustür und guckte durch den Spion. Vielleicht kommt jemand, dachte ich. Vielleicht glaubt jemand, ich sei nicht zu Hause, dreht um und geht wieder weg. Aber da war keiner. Der graue, stille Treppenflur, an den Rändern nach hinten gewölbt, die bauchige Wohnungstür des Nachbarn, meine Wimpern an dem linsengroßen Guckloch.

Als ich wieder ins Zimmer kam, lag der Hörer noch mit der Muschel nach oben auf dem Sofa und gab kein Geräusch mehr von sich. Das Freizeichen, der lange, nervige Ton, hatte sich verloren. Ohne es noch einmal mit der Nummer zu probieren, legte ich den Hörer auf. Ich muss lernen, die Dinge ihren Gang gehen zu lassen. Und ich muss mich zu der Geduld zwingen, die ich dazu brauche. Sein dunkelblauer Pullover mit dem V-Ausschnitt riecht wie frisch gewaschen, die graue Strickjacke nach Zigaretten. Immer noch. Gestern – oder war es nicht gestern? – standen wir auf dem kleinen Hügel über dem See. Der Wind war kalt wie die Schneide eines Messers und trieb mir Tränen in die Augen, die bald über den Wimpernrand ausbrachen und in schwarzen Schlieren über meine Wangen liefen. Meine Augen waren empfindlich von dem Kajalpuder.

Ein loser, hochfeiner Puder für einen feurigen und geheimnisvollen Blick, stand auf der Packung. Er suchte in seinen Manteltaschen, spuckte auf das zusammengeknüllte Taschentuch und wischte die schwarzen, kurvigen Bahnen von meinem Gesicht. «Klebt wie Pech», sagte er und spuckte noch einmal auf das Taschentuch. Ich sah in seine kleine Pupille, die warmbraune Iris verschwamm mir vor den Augen. Sein Nebelatem roch nach nichts. Die Augen, immer die Augen. Du immer mit deinen Augen, sagte er. Heute Nacht habe ich gut geschlafen. Es war sehr dunkel, ich meine sogar, es war dunkler als gestern und vorgestern.

Da hatte ich die Tür ein wenig geöffnet. Auch wegen der Luft. Ich trug Finas Strickschuhchen mit den rosa Spitzen. Sie hatte sie mir zum Geburtstag geschenkt. Gelbe Zacken an den Rändern und rosa Spitzen. Ziemlich amerikanisch sehen sie aus, dabei weiß ich gar nicht, ob Amerikanerinnen überhaupt stricken können. Fina ist Spanierin und gerade meine beste Freundin. Die Spanierinnen stricken auf dieselbe Art wie die Französinnen. Sie klemmen die linke Nadel unter den Arm und führen die Strickbewegung nur mit der rechten Nadel aus. Für uns, die wir beim Stricken beide Nadeln bewegen, sieht das ungeschickt, irgendwie amputiert aus.

So kommt man doch nicht voran, denken wir.Aber Fina hat meine Schuhchen mit den rosa Spitzen tatsächlich fertig gekriegt. Ein zweites Paar, mit hellblauen Pünktchen, hat sie in Arbeit. «Die kriegst du dann zu Weihnachten.» An dem Abend, als Basse die Tür hinter sich zuzog, um zum Zigarettenautomaten zu gehen, lag kein Schnee. Seither warte ich. Natürlich, das Leben geht weiter, aber ich warte trotzdem. Ich warte, dass es wird, wie es war, dass sich alles zum Guten wendet. Mein Kopf ist benommen vom Warten.