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Fanny Hill - Erotischer Roman

von: John Cleland

dotbooks GmbH, 2015

ISBN: 9783958245914 , 276 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 3,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Fanny Hill - Erotischer Roman


 

Zweiter Band


Madame!

Wenn ich gezögert habe, in meiner Geschichte fortzufahren, so geschah es bloß, um mir eine kleine Zeit zum Atemholen zu gönnen, und weil ich ein klein wenig hoffte, Sie würden, statt mich zu drängen, mich von der Fortsetzung meines Bekenntnisses befreien, bei dem meine Selbstachtung von so vielen Seiten leidet.

Ich dachte wirklich, Sie würden es müde sein und satt haben, eine solche Einförmigkeit von Begebenheiten und Ausdrücken anzuhören, die von den Dingen dieser Art unzertrennlich ist, deren Wesensgrund immer und ewig ein und derselbe ist, wo also, bei aller Abänderung der Form und Art, deren die Situation fähig ist anzunehmen, doch eine Wiederholung fast beinahe derselben Bilder, derselben Figuren, derselben Ausdrücke und zugleich auch der Ekel unvermeidlich ist, den es hervorbringt; die Wörter Freuden, brennende Leidenschaft, Entzückungen, Ekstasen und der Rest der übrigen damit verwandten hochtrabenden Ausdrücke, die für das käufliche Vergnügen angewandt werden, werden matt und verlieren von ihrem wahren Geist und Kraft durch den häufigen, unvermeidlichen Gebrauch in einer Erzählung, in der die Ausübung jenes Vergnügens den Hauptgegenstand ausmacht. Ich muß mich daher auf Ihre Güte verlassen, die die Zwangslage, in der ich bin, der Ursachen wegen entschuldigen wird, und ich hege zugleich die Hoffnung, daß Ihre Einbildungskraft und Empfindsamkeit sich die angenehme Mühe nehmen wolle, durch Ausschmückung meiner Schilderungen das zu ersetzen, was ihnen durch mich an Kraft und Vollendung fehlt; jene wird Ihnen rasch die Gemälde, die ich Ihnen schildere, vor die Augen rücken, diese den Farben Leben geben, wenn sie zu matt oder durch den häufigen Gebrauch verblaßt sind.

Was Sie sonst noch über die Schwierigkeit sagen, die es hat, sich fortgesetzt solange auf einem Mittelweg zwischen dem Aufreizenden grober, ungezogener, niedriger Ausdrücke und dem Lächerlichen ins kleine gehender Verblümtheiten wie gezierter Umschreibungen zu erhalten, ist so vernünftig und zugleich, da Sie es sagen, um mich aufzumuntern, so gütig, daß Sie mich großenteils vor mir selbst über meine Nachgiebigkeit gegen eine Neugierde rechtfertigen, die hauptsächlich auf meine Kosten befriedigt wird.

Ich nehme also den Faden wieder auf, wo ich ihn zuletzt fallen ließ. Ich war im Begriff, Ihnen zu bemerken, daß es spät am Abend war, als ich in meiner neuen Wohnung ankam, und daß Frau Cole, nachdem sie mir meine Sachen hatte auspacken und in Ordnung bringen helfen, den ganzen Abend bei mir im Zimmer blieb, wo wir miteinander zu Abend aßen. Sie gab mir die beste Anweisung, wie ich's in dem Stande, in den ich mich jetzt begab, anzufangen hätte, um, nachdem ich bisher eine Privatgeweihte des Vergnügens gewesen war, jetzt eine öffentliche und eine mehr allgemeine Ware mit allen den Vorteilen zu werden, die nötig wären, meine Person, sei es aus Interesse, sei es um Vergnügen, oder sei es um beides, darzubieten. Zugleich machte sie die Bemerkung, daß es, da ich ein neues Gesicht in der Stadt sei, hergebrachte Regel und Geheimnis unseres Handwerks sei, für eine Jungfrau zu passieren und mich bei der ersten Gelegenheit dafür auszugeben, ohne in der Zwischenzeit mich an solchen Vergnügungen hindern zu lassen, zu denen ich Lust hätte; denn niemand könne eine größere Feindin vom Zeitverlieren sein als sie. Sie wolle sich mittlerweile aufs Sorgfältigste nach einer schicklichen Person umsehen und diesen delikaten Punkt für mich auszurichten suchen, wenn ich Hilfe und Rat von ihr annehmen wolle, damit ich in dem Verluste einer gemachten Jungfernschaft alle Vorteile einer wahren einernten könne.

Da damals sehr großes Zartgefühl der Empfindungen nicht eben zu meinem Charakter gehörte, so muß ich gestehen, daß ich mich vielleicht zu leicht einem Vorschlag ergab, gegen den meine Herzensgüte und meine Ehrlichkeit einigen Widerwillen fühlte; aber es war doch nicht Widerwille genug, der Absicht einer Frau mich zu widersetzen, der ich die Führung aller meiner Schritte gänzlich überlassen hatte. Denn Frau Cole hatte, ich weiß selbst nicht, wodurch, wenn es nicht eine der unerklärlichen, sympathischen Empfindungen war, die ja das stärkste Band der Freundschaft, besonders der weiblichen sind, ganz und gar mein Herz gewonnen. Ihrerseits, sagte sie, wäre eine genaue Ähnlichkeit mit ihrer einzigen Tochter, die sie in meinem Alter verloren, der erste Grund ihrer herzlichen Zuneigung zu mir gewesen; dem mochte auch so sein. Es dürfen aber noch andere Gründe für diese Zuneigung vorhanden sein, die von der Gewohnheit und dem Wohlgefallen sich herleiten und oft dauerhafter und stärker sind als solche, die auf viel festeren Grund gebaut waren; soviel aber weiß ich, daß, obgleich ich keine andere Bekanntschaft mit ihr hatte als daß ich sie bei mir gesehen, als ich noch mit Herrn H. lebte (wo sie zu mir gekommen war, um mir einige Galanteriewaren zu verkaufen), sie sich doch nach und nach so bei mir eingenistet hatte, daß ich mich blindlings in ihre Hände gab und sie zuletzt uneingeschränkt achtete, liebte und ihr gehorchte. Und um ihr Gerechtigkeit widerfahren zu lassen: ich habe nie etwas anderes an ihr gefunden als aufrichtige Zärtlichkeit und Sorgfalt für mein Interesse. Wir schieden die Nacht, nachdem wir uns über eine uneingeschränkte, vollkommene Ergebenheit gegen sie geeinigt hatten, und den Morgen darauf kam dann Frau Cole und nahm mich zum ersten Male mit in ihr Haus.

Nach dem ersten Eindruck zu urteilen, fand ich, daß dort alles Züchtigkeit, Ehrbarkeit und Ordnung atmete.

Im Vorsaal saßen drei junge Mädchen, die sehr emsig mit Galanteriesachen beschäftigt waren, als dem Deckmantel für einen Handel mit ungleich kostbarerern Gelegenheiten; aber schönere drei Frauenzimmer konnte man schwerlich finden. Zwei von ihnen waren es ganz außerordentlich; die älteste zählte nicht über neunzehn Jahre und die dritte war ungefähr in demselben Alter, eine pikante Brünette, mit schwarzen, feurigen Augen, deren Gesichtszüge von vollkommenster Harmonie waren und sie über allen Neid gegen ihre schönen Gespielinnen hob. Auch ihr Anzug, in dem mehr Absicht lag, als es schien, war im Geschmack von einförmigster, kaum zu verbessernder Nettigkeit und eleganter Einfachheit. Dies waren die Mädchen, die die kleine häusliche Herde ausmachten, die meine Führerin mit außerordentlicher Ordnung und Klugheit aufzog in strengem Unterschied gegen die berauschte Wildheit junger Mädchen, die sich einmal dem Vergnügen überlassen hatten. Aber sie ließ auch nie ein Mädchen in ihrem Haus, das, nach einem regelrechten Noviziat, unziehbar oder unwillig befunden wurde, sich den Vorschriften zu fügen. Auf die Art hatte sie nach und nach eine kleine Akademie der Liebe gestiftet, in der die Mitglieder in einer seltenen Vereinigung des Vergnügens mit dem Interesse und der äußern Züchtigung mit zügelloser geheimer Freiheit ihre Rechnung fanden, so daß Frau Cole, welche die Mädchen ebensosehr ihres Temperaments als ihrer Schönheit wegen aufgerafft hatte, sie für sich und für sie bequem zu regieren wußte.

Diesen ihren Zöglingen, die sie darauf vorbereitet hatte, stellte sie mich jetzt als eine neue Kostgängerin vor und dazu als eine, die unmittelbaren Zutritt zu allen Geheimnissen des Hauses hätte; worauf diese liebenswürdigen Kinder mir alle Zeichen eines herzlichen Willkommens und des vollkommenen Wohlgefallens an meiner Person gaben, wie ich sie nur von irgendeiner meines Geschlechts hätte erwarten können. Man hatte sie auch wirklich dazu erzogen, alle Eifersucht, ohne wetteifern zu wollen, in ihrer Schönheit so dem gemeinschaftlichen Interesse aufzuopfern. Sie sahen mich als eine Teilnehmerin an, die keinen verächtlichen Teil zu dem Einkommen des Hauses beitragen würde. Sie versammelten sich um mich herum und besahen mich von allen Seiten, und da meine Aufnahme in diese fröhliche Gesellschaft einen kleinen Feiertag bildete, so ward der Vorwand der Arbeit beiseite gelegt und Frau Cole, die mich mit besonderen Empfehlungen ihren Liebkosungen überließ, ging an ihre ordentlichen Hausgeschäfte.

Die Gleichheit unseres Geschlechts, Alters und Standes wie unserer Ansichten brachte bald eine so uneingeschränkte Freiheit und Vertraulichkeit hervor, als wenn wir schon einige Jahre bekannt gewesen wären. Sie nahmen mich und zeigten mir das ganze Haus, ihre besonderen Zimmer, die mit jedem Artikel der Bequemlichkeit und des Luxus versehen waren, und vor allen andern auch ein weitläufiges Visitenzimmer, wo eine geschlossene, schwärmende Gesellschaft gewöhnlich zu allgemeinen Partien des Vergnügens zusammenkam, wo die Mädchen mit ihren Liebhabern spielten und mit zügelloser Freiheit sich ihrem wollüstigen Mutwillen überließen, wobei Trotz gegen Anständigkeit, Züchtigkeit oder Eifersucht ihre feste Vorschrift waren, gemäß den Grundsätzen ihrer Gesellschaft. Jedes Vergnügen, das sie auf seiten der geistigen Empfindungen verloren, wurde durch die sinnlichen hinlänglich wieder eingebracht in der anziehenden Abwechslung und dem Reize der Behaglichkeit und des Luxus. Die Urheber und Unterstützer dieses geheimen Instituts hätten auf dem Gipfel ihrer Laune sich selbst für die Wiederhersteller des goldenen Zeitalters und der Ungezwungenheit des Vergnügens halten können, dessen Unschuld durch die Namen Schuld und Scham noch nicht so sehr verdunkelt wurde. Sobald der Abend begann, und das, was zum Schein eines Ladens aufgestellt war, verschlossen war, ward die Akademie eröffnet, die Maske der Züchtigkeit durchaus abgeworfen und alle Mädchen dahin gewiesen, wohin sie Vergnügen oder Interesse in die Arme ihrer verschiedenen Liebhaber rief. Von diesen wurde aber keiner zugelassen, von dessen Charakter und...