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Ka­,pi­,tel 22 (S. 215-216)
Freitagmorgen, acht Uhr. Ich stehe im Morgenrock an der tür, bedanke mich bei dem Fleurop-Mann und starre verblüf­,f t den riesigen, in Zellophan verpackten Blumenstrauß an – ein dutzend perfekte rote rosen mit einem breiten rosafarbenen Band. Ich ziehe das weiße Kärtchen hervor, das neben dem dünger klebt, und lese die nachricht. »Weil du so schön bist – James.« Mein Magen krampft sich vor Freude zusammen. Wow, wie romantisch. Solche Sachen passieren mir sonst nie. Ich sehe zwar oft die kleinen Fleurop-laster durch die Stadt fahren und wünschte, sie würden mit einer lieferung vor meinem Haus anhalten.
Aber sie tun es nie. Sie haben es nie getan. Seit Mittwochmorgen hat dieser kleine laster vor meinem Haus angehalten – nicht einmal, auch nicht zweimal, nein, dreimal! Ich kann es immer noch nicht glauben. Manche finden das vielleicht übertrieben, aber träumt nicht jedes Mädchen von so etwas? Von einem Mann, der einem Blumen und romantische kleine Karten schickt, auf denen dinge wie »Ich kann nicht aufhören, an dich zu denken« und »Ich vermisse dich schon jetzt« stehen, was ziemlich sülzig klingen mag, aber trotzdem süß ist.
Als ich noch mit daniel zusammen war, habe ich mir immer gewünscht, er wäre ein wenig aufmerksamer, aber James könnte nicht zuvorkommender sein. er ruft ständig an, schreibt mir SMS … was ich bei jedem anderen zugegebenermaßen als erstickend empfunden hätte, aber bei James ist das anders. Ich drücke den Strauß an meine Brust und gehe wieder ins Haus, aber die Blumen sind etwas schwierig zu halten, außerdem habe ich Mühe, über sie hinwegzusehen. Ich versuche, mich durch die tür zu schieben, bleibe aber zwischen türrahmen und Wand hängen. Also zerre ich an dem Zellophan, worauf prompt einige der Stängel abknicken.
Verdammt. einige der scharlachroten Blüten knicken ab und lassen die Köpfe hängen. Bestürzt stecke ich die Hand unter die Verpackung und versuche, sie wieder aufzurichten. dabei steche ich mich an einem dorn, und mein Finger beginnt zu bluten. Aua. Ich sauge daran. das tut verdammt weh. Vorwurfsvoll mustere ich die rosen. Ich habe James nichts davon gesagt, aber eigentlich bin ich kein besonderer Fan von rosen.
Ich finde sie sogar etwas kitschig – wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich Schnittblumen im Allgemeinen nicht viel abgewinnen. Sie erinnern mich an Krankenhäuser, an die Zeit als Kind, wenn ich meine Mutter besucht habe, während sie krank war. Um sie herum standen immer jede Menge Vasen mit ihren rosa lieblingsnelken, und ich weiß noch, wie ich an ihrem Bett saß, traurig war, dass so etwas Hübsches in wenigen tagen schon tot wäre, und mir wünschte, sie würden ewig leben. Aber ich will nicht undankbar klingen. Schließlich ist es die gute Absicht, die zählt, oder? Und die rosen sind wunderschön, in einer makellosen, perfekten, traditionellen Weise. tja, abgesehen von den abgebrochenen, aber die werde ich ohnehin wegwerfen.
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