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ACHTUNDVIERZIG (S. 237-238)
Dunkelheit umgab ihn. Er streckte seine Hände aus und spürte die glitschigen Tunnelwände unter den Fingern. Die Schritte seines Verfolgers wurden in einem vielfachen Echo zurückgeworfen, als wäre ihm eine ganze Heerschar Killer auf den Fersen. Er bekam es mit der Angst. Ihm brach der Schweiß aus. Er hielt die Luft an, gab keinen Ton von sich.
Wenn er nur still war, würde der Mann mit der Waffe an ihm vorbeischleichen. Nur noch wenige Sekunden. Ihm wurde schwindelig, doch nach wie vor wagte er nicht zu atmen. Ein schrilles Klingeln schreckte ihn aus seiner Erstarrung. Verflucht, warum habe ich das Handy nicht ausgeschaltet? Das gleißend helle Licht einer Taschenlampe traf sein Gesicht. Er duckte sich unter dem heißen Strahl. Vergeblich. Das Versteck war enttarnt. Sein Leben beendet. Panisch reckte er seine Hände der Pistole entgegen, als könnte er mit den bloßen Fingern die tödliche Kugel aufhalten. Die Mündung flammte auf. Er presste die Augenlider aufeinander.
Erstaunlicherweise krachte kein Schuss. Stattdessen klingelte es erneut. Er hat mich gefunden, war Leifs erster Gedanke, als er mit einem gehetzten Stöhnen erwachte. Aufgewühlt blinzelte er in die Sonne, deren Strahlen über das Balkonfenster auf das Sofa fielen. Gott sei Dank, es war nur ein Traum. Und im Fernseher mühte sich George Peppard auf der Straße der Verdammnis gegen streunende Kinder und Möchtegernhelden. In Das A-Team gefiel ihm der Schauspieler eindeutig besser. Die Uhr der Stereoanlage zeigte 11.05 Uhr. Er erhob sich. Muskelkater verkrampfte jetzt seine Glieder. Und das beklemmende Gefühl, das der Traum in ihm erzeugt hatte, wollte auch nicht von ihm weichen. Ein Blick auf die fleckige Haut an seinen Armen und Beinen machte ihm klar, weshalb.
Die Türklingel läutete erneut. Wer konnte das sein? Er sträubte sich, eine der möglichen Antworten in Erwägung zu ziehen. »Wer ist da?«, fragte er mit belegter Stimme in die Gegensprechanlage. Jenseits der Tür klopfte es. Leif tat einen erschrockenen Satz. »Ich bin’s, Mama!« Hastig kramte er aus einer der Schubladen im Schrank Shorts, bedeckte seine Blöße und entriegelte die Tür. Seine Mutter hastete mit einem triefenden Stoff beutel zum Kühlschrank. »Na endlich«, schimpfte sie.
»Bald ist alles aufgetaut.« Ächzend ging sie vor dem Tiefkühlfach in die Knie und füllte es mit Tupperdosen auf. An manchen Tagen kochte sie zusätzliche Portionen ihres Abendessens, die sie ihm am nächsten Tag zum Aufwärmen in der Mikrowelle vorbeibrachte. Im Augenblick allerdings verspürte er nur wenig Appetit auf Kohlrouladen, Kartoffeln und Spinat. »Hast du etwa noch geschlafen?«, fragte sie. Er brummelte einige unverständliche Worte, die sie als Bestätigung auffasste. »Junge, erzähl das bloß deinem Vater nicht!« Das brauche ich jetzt am allermeisten, dachte er verbittert. Noch mehr Vorwürfe. »Mama, ich hatte eine lange Nacht.« »Ich weiß. Ich war vorgestern Abend schon da.« »Entschuldige, ich hatte unsere Verabredung vergessen.« »Warst du wieder auf irgendwelchen Partys?«
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