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Die Gründermutter: Die Friedensfahrer in Aufruhr – ein neuer Patron wird gewählt (Band Nummer 2477)
6. Die Gedanken eines Mannes (S. 27-28)
»Es gibt naturgemäß eine Menge Veränderungen auf Ospera.« Kantiran ließ viele Bilder in rascher Folge auf dem Bildschirm aufblitzen. Er kannte sie alle, hatte sie so lange angestarrt, bis seine Augen getränt hatten. Bis sich jede Einzelheit in seinem Hirn eingebrannt hatte.
Die Glasbasilika in ihrer Erhabenheit und Fremdheit auf dem Hochplateau.
Ein felsiger Abhang, überwachsen von dürrem Gestrüpp.
Eine Ebene voller kantiger, unnatürlich wirkender grellblauer Blumen, die aussahen wie aus einem Bilderbuch für Roboterkinder. Kantiran war dem Ursprung dieser eigenartigen Pfl anzen nachgegangen, hatte schon vermutet, irgendetwas sollte auf diese Weise stümperhaft getarnt werden. Das Ergebnis war ernüchternd. Die Blumen entstammten so sehr einem natürlichen Ursprung wie er selbst, waren das Produkt einer Laune der Evolution. Der Friedensfahrer T’aih-moo hatte den Samen vor achthundert Jahren von seiner Heimatwelt mitgebracht und in seiner Wohnung in Ellegato angepfl anzt, um das Blütenwechselspiel nicht missen zu müssen, das seine Psyche beruhigte. Dort war der Samen nie aufgegangen, hatte allerdings irgendwie den Weg zum Kapellenmond gefunden und dort nach einer Anpassung an die schroffen klimatischen Verhältnisse eine biologische Nische erobert.
Ein Ausschnitt des Himmels, vor dem zwei geierartige Ospera-Vögel flogen, die die braun-blauen Flügel weit ausbreiteten.
Chyndors Grabhügel.
»Das sind Bilder von gestern. Jetzt folgen Aufnahmen von unserem zurückliegenden Aufenthalt, aus jeweils exakt denselben Blickwinkeln.«
Die Glasbasilika stand ebenso erhaben wie zuvor, selbstverständlich. Es herrschten lediglich andere Wetterbedingungen, feiner Nieselregen lag in der Luft und schuf ein verschwommen-dunstiges Bild.
Das Gestrüpp auf dem Felsenhang war sattgrün und mit winzigen lila Blüten besprenkelt. Das Feld der kantigen Blumen war im ersten Augenblick kaum wiederzuerkennen, weil es in mattem Rot statt in grellem Blau leuchtete – erst wenn man diesen allzu offensichtlichen Unterschied akzeptierte, erkannte man, dass es sich um dieselbe Gegend handelte.
Die Vögel fehlten am Himmel, stattdessen türmte sich eine graue Wolke auf, deren Form Kantiran unwillkürlich mit einer tanzenden Meerjungfrau assoziierte. Ein Teil des fl achen, kargen Hochplateaus erstreckte sich dort, wo später Chyndors Grabhügel errichtet werden würde.
Kantiran ließ die Bilder noch einmal durchlaufen. »Ospera verfügt über ein aktives Klima, und es gibt eine zwar zahlenmäßig kleine, aber sehr aktive Fauna, die diese Gegend bevölkert. Man würde auf den ersten Blick kaum glauben, dass es sich um dieselben Aufnahmen handelt.«
»Du willst damit klarmachen, dass sich im Laufe der Jahreszeiten ohnehin alles ändert. Unter diesen Umständen ist es äußerst schwierig, die Spuren eines einzelnen Intelligenzwesens nachzuweisen, das sich vielleicht in dieser Gegend verbirgt. Oder vielleicht auch nicht.« Sie verschränkte die Arme vor der Brust. »Nun, die Demonstration ist dir gelungen. Ich warte.«
»Worauf?«
»Darauf, dass du mir sagst, was du trotzdem entdeckt hast.«
Er legte ein neues Bild auf den Schirm und fror es ein. »Hier. Ich habe mich so lange mit den Unterschieden befasst, dass ich nicht bemerkte, dass der entscheidende Hinweis auf ganz anderer Ebene verborgen liegt. Ich kam erst darauf, als ...« Er stockte. »Nun ja, als du mich abgelenkt hast. Das machte irgendwie meinen Kopf frei für neue Gedankenansätze. «
»Auch eine Methode der Problemlösung.« Cosmuel griff beiläufi g nach ihrem Shirt, das am Fußende des Bettes lag, und schlüpfte hinein. Dann kam sie näher und musterte die Aufnahme des mit Büschen bewachsenen Abhanges, in dem der Eingang einer Höhle gähnte, halb verborgen unter Ästen.
»Das ist alles?«
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