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5 Sexlieferanten (S. 138-139)
Mehr als ein Monat war vergangen, und Julius hatte meine Mail immer noch nicht beantwortet. Und auch von keinem der vielen Verlage, an die ich meinen fantasievoll ausgeschmückten Lebenslauf geschickt hatte, war eine Reaktion gekommen. Aber mein zwanghaftes E-Mail-Abrufen zahlte sich unerwartet aus. Miles schrieb aus Hongkong, er habe in London einen Secondhandbuchladen gekauft und werde nach England zurückkehren.
Und das Beste war: Er bot mir einen Job an. Na ja, als ich die Uni mit stolzgeschwellter Brust und einem spitzenmäßigen Abschluss in Anglistik verließ, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ich mal in einem Buchladen arbeiten würde. Eher rechnete ich damit, eines Tages für den Booker Prize nominiert zu werden. In meinem unerschütterlichen Vertrauen in die Zukunft war ich davon überzeugt, dass eine große und wichtige Rolle auf mich wartete. Tja, das war damals und schon ziemlich lange her. Nicht dass ich inzwischen alle Hoffnung aufgegeben hätte, aber irgendwie hatte mich der Mut verlassen.
Ich wollte etwas Sinnvolles tun und natürlich auch beruflich Erfolg haben (und damit vielleicht den Respekt meines Vaters gewinnen), aber seit ich aus dem Verlag ausgeschieden war, hatte ich den Glauben an die Zukunft und auch an mich selbst verloren. Während ich erleichtert war über die Wendung meines Schicksals und mich riesig freute, dass ich wenigstens einen Job haben würde – insgeheim glaubte ich, mein Glück den nächtlichen Briefen an meinen Schutzengel zu verdanken, eine Art Weihnachtswunschliste, die ich jeden Abend unter mein Kopfkissen legte –, reagierten Lucy und Jess auf die Nachricht, dass Miles nach England zurückkehren würde, nur mit Verachtung.
»Miles ist ein zweifelhafter Segen«, schnaubte Jess. »Der ist gut für einen Gnadenfick, aber denk dran, dass er wie alle bindungsscheuen Typen über vierzig in erster Linie verkorkst und egoistisch ist.« »Erstens«, entgegnete ich, während ich den Schaum von meinem Cappuccino schlürfte, »selbst wenn es stimmt, dass ich einen Fick brauche, dann habe ich noch lange keinen Kerl nötig, der es aus Mitleid mit mir treibt, und außerdem würde ich mit Miles sowieso niemals ins Bett gehen.
Das wäre, als würde ich mit meinem Bruder vögeln, wenn ich einen hätte. Zweitens seid ihr doch bloß neidisch, weil ich einen gut aussehenden Junggesellen haben werde, mit dem ich ausgehen und mich amüsieren kann.« »Stimmt«, sagte Lucy wehmütig. Sie spielte an ihrem Ehering herum. »Vielleicht taugt Miles ja für eine kleine Affäre.« »Träumst du etwa immer noch von einer Affäre?«, fragte ich entgeistert.
»Miles kann bedürftige Frauen nicht ausstehen«, fuhr ich fort. Lucy warf mir einen durchdringenden Blick zu. Ich wiegelte ab. »Tut mir leid, so war das nicht gemeint, aber wenn es deine erste Affäre ist, lechzt du doch bestimmt nach sehr viel Aufmerksamkeit.« »Dann wäre Miles doch genau der Richtige.« Jess rieb sich die Hände. »Nachdem er sich durch halb Hongkong und Südostasien gevögelt hat, ist der mit allen Wassern gewaschen.«
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