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Der Fluch des Highlanders - Roman

von: Susan King

venusbooks, 2016

ISBN: 9783958852709 , 340 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 0,99 EUR

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Der Fluch des Highlanders - Roman


 

1. Kapitel


Edinburgh in Schottland, August 1858

»Nein, das werde ich nicht machen,« Christina Blackburn faltete scheinbar unterwürfig die Hände und drehte sich um. Es war die Haltung ihrer Schultern und ihres Kopfes, die ihre Unnachgiebigkeit verriet. »Ich kann es nicht tun. Das werden Sie sicher verstehen.« Sie schaute Sir Edgar Neaves an, in dessen Büro im Nationalmuseum sie sich befand.

Ihr Bruder John, der ebenfalls anwesend war, beobachtete die beiden schweigend.

»Aber meine Liebe!« Sir Edgar erhob sich von dem Lehnstuhl, der an einem riesigen Mahagonischreibtisch stand. Er war groß und sah recht gut aus, wenn man diesen schlanken, kühlen Typ mochte. Seine Kleidung wirkte ebenso geschmackvoll wie die Einrichtung seines Büros. »Sie müssen es machen! Die Untersuchung dieser alten Mauer, die bei Dundrennan House gefunden worden ist, wird nur ein paar Tage in Anspruch nehmen. Es ist ein großer Glücksfall, eine solche wissenschaftliche Begutachtung vornehmen zu können!«

»Ein Glücksfall für Sie, Edgar«, gab sie ruhig zurück. »Sie warten schon so lange auf eine Chance, die Dundrennan-Sammlung für das Museum zu erwerben. Sie sollten selber fahren und Sir Aedan – so heißt der Besitzer doch? – ein neues Angebot machen.«

»Ja, Sir Aedan ist der Sohn des verstorbenen Eigentümers Sir Hugh MacBride und somit dessen Erbe und der neue Laird. Allerdings ähnelt er seinem Vater überhaupt nicht. Ihm fehlt jede poetische Ader, und er hat sich für die Karriere eines Ingenieurs entschieden. Er arbeitet im Straßenbau. Der historisch-wissenschaftliche Wert seiner Erbschaft scheint ihn nicht zu interessieren.« Sir Edgar verzog verächtlich die Lippen.

»Das mag ja alles stimmen ...« Christina Blackburn zuckte die Schultern. »Jedenfalls wäre es besser, wenn Sie selber fahren würden, da Sie den Mann bereits kennen.«

»Im Moment bin ich hier unabkömmlich. Daher wäre es mir sehr lieb, wenn Sie an meiner Stelle reisen könnten. Die alte Mauer, die Sir Aedan entdeckt hat, als er auf seinem Land irgendwelche Sprengungen durchführen ließ, kann durchaus von historischer Bedeutung sein. Sie könnten einen kleinen Artikel darüber schreiben. Ich werde mit Mr. Smith vom Blackwood's Magazine sprechen, damit er ihn veröffentlicht.«

»Sie wissen sehr wohl, dass Mr. Smith bereits vier Artikel meiner Schwester im Magazine abgedruckt hat«, erklärte John Blackburn kühl. »Christina ist eine anerkannte Altertumsforscherin. Sie ist nicht darauf angewiesen, dass andere ein gutes Wort für sie einlegen.«

»Sicherlich ... Umso weniger verstehe ich, warum sie diese Aufgabe nicht übernehmen möchte. Ich bin davon überzeugt, dass die Untersuchung sich nicht als Zeitverschwendung herausstellen wird.«

»Ich würde gern jedes Projekt übernehmen, sofern ich dafür nicht nach Dundrennan reisen muss.« Christina hatte begonnen, unruhig im Raum auf und ab zu gehen. Bei jedem Schritt raschelten leise die Unterröcke, die sie unter ihrem moosgrünen Rock trug.

»Meine Liebe, das ist ... unvernünftig.« Sir Edgar schenkte ihr ein nachsichtiges Lächeln. »Ich habe zugesagt, eine Reihe von Vorträgen am Britischen Museum zu halten, also kann ich nicht nach Dundrennan fahren. Aber diese Mauerreste verdienen eine Begutachtung. Christina, es gibt niemanden, der geeigneter wäre als Sie, diese Untersuchung durchzuführen. Möglicherweise handelt es sich um die Reste eines Gebäudes aus piktischer Zeit. Und gerade Sie wissen sehr viel über diese Kultur. Reverend Carriston hat Ihnen den besten Unterricht zuteil werden lassen.«

Beim Gedanken an ihren Onkel seufzte Christina auf. Walter Carriston war seit einiger Zeit krank. Doch solange sein Gesundheitszustand es zuließ, hatte er seiner Nichte alles beigebracht, was er selber über die Geschichte Schottlands wusste. Er hatte mit ihr alte Texte studiert historische Fundstätten besucht und ihr gezeigt, welche wissenschaftlichen Methoden man zur Erforschung der Vergangenheit anwenden konnte.

»Ich freue mich darüber, dass Sie so viel Vertrauen in mich setzen, Edgar«, erklärte sie. »Trotzdem bleibe ich dabei: Schicken Sie jemand anderen dorthin.« Sie wollte ihm nicht darlegen, warum sie es nicht ertragen könnte, sich in Dundrennan House aufzuhalten. Allein der Gedanke daran verursachte ihr Herzklopfen und Magenbeschwerden.

Edgar runzelte die Stirn. »Ihr Onkel wird enttäuscht sein, wenn Sie diese Chance nicht nutzen.« Dann blitzten seine Augen plötzlich auf. »Oh, geht es etwa um dieses Gemälde?«

Sie spürte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg. Wie ärgerlich diese Neigung zum Erröten war! Christina hatte sie zusammen mit dem kastanienbraunen Haar und der durchscheinenden Haut ihrer Mutter geerbt. »Ja«, sagte sie jetzt, »die MacBrides haben damals das Bild gekauft.«

»Das hatte ich vergessen «, murmelte Edgar, während John seine Schwester voller Mitgefühl betrachtete. »Die berühmten Blackburns haben so viele bekannte Gemälde gemalt ... Die Dornenprinzessin Ihres verstorbenen Gatten befindet sich also in Dundrennan House? Das ist wirklich unangenehm,«

»Mehr als das ...« John nickte nachdenklich. »Ich fürchte, Christina hat Recht: Wenn die MacBrides das Bild, das so viel Kummer hervorgerufen hat, besitzen, kann sie nicht dorthin gehen, um diese Untersuchung durchzuführen.«

Edgar erhob sich, schritt um den Tisch herum und legte Christina kurz die Hand auf den Arm. »Der Grund für Ihre Ablehnung ist also dieses Kunstwerk, das Ihr Gatte kurz vor seinem tragischen Tod vollendet hat?«

Die junge Frau versteifte sich. »Stephen hat es verkauft, obwohl er mir versprochen hatte, es niemals aus der Hand zu geben.«

»Er war immer sehr unzuverlässig«, murmelte Edgar. Seine dunkle Stimme klang sanft, seine Miene drückte das Bemühen um Verständnis aus. Mit seinem schmalen Gesicht, den blauen Augen und dem dunklen Haar sah er recht anziehend aus.

Christina schaute zu ihm auf und wünschte sich, seine Nähe würde ihr Trost spenden. Doch bisher war dieses Verlangen nicht befriedigt worden. Edgar wirkte stets so distanziert und kühl. Vielleicht musste er noch lernen, Mitgefühl und Wärme überzeugender zu zeigen.

Er war ein angesehener Mann. Als leitender Angestellter des Nationalmuseums in Edinburgh` wurde er von allen geachtet. Zuvor schon hatte er sich einen Ruf als Historiker gemacht. Er war gebildet, vornehm, ein Gentleman, der viele einflussreiche Freunde hatte. Einer von ihnen war Christinas Vater, der bekannte Maler, James Blackburn.

Sir Edgar hatte nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er. sich zu der jungen Frau, von der ihn mehr als zehn Jahre trennten, hingezogen fühlte. Er hatte zu ihr und ihrer Familie gehalten, als Christina im Zusammenhang mit dem Gemälde der Dornenprinzessin und dem tragischen Tod ihres Ehemanns Stephen in einen äußerst unangenehmen Skandal verwickelt worden war. Noch immer empfand sie ihm gegenüber Dankbarkeit. Und es machte sie stolz, dass er ihre wissenschaftlichen Arbeiten unterstützte und schätzte.

Vor ein paar Wochen hatte er um ihre Hand angehalten. Obwohl sie sich geehrt fühlte, hatte sie sich Bedenkzeit ausgebeten. Bisher hatte sie noch keine Entscheidung getroffen. Ihr Zögern hatte zwei Gründe. Einerseits war ihr bewusst, dass sie Edgar nicht liebte. Andererseits konnte sie die Erinnerungen an ihre erste Ehe nicht abschütteln,

Ihre Beziehung zu Stephen war von tiefer Leidenschaft und hoch lodernden Gefühlen geprägt gewesen. Mit jugendlichem Feuer hatte sie sich in die Ehe mit ihm, ihrem Cousin zweiten Grades, gestürzt – und sich schmerzhaft verbrannt.

Möglicherweise war es ja sicherer und klüger, eine Beziehung auf gemeinsamen Interessen aufzubauen. Edgar war ein intelligenter Mann, der Christina darin unterstützte, ihre wissenschaftliche Forschung fortzuführen. Allerdings machte er kein Hehl daraus, dass er davon überzeugt war, weder sie noch sonst eine Frau könne jemals einem Mann gleichwertig sein,

Dennoch könnte eine Heirat mit ihm mir vielleicht Zufriedenheit und Ruhe schenken ...

Jetzt betrachtete er sie wohlwollend und sagte lächelnd: »Meine Liebe, Sie brauchen sich wegen des Bildes wirklich keine Sorgen zu machen. Heute würde niemand mehr erkennen, dass Sie Stephen Blackburn für die Dornenprinzessin Modell gestanden haben. Sie sind älter geworden, Sie haben an Gewicht verloren und wirken nicht mehr so ... üppig wie damals. Trotzdem sind Sie natürlich nach wie vor sehr attraktiv.«

»Um Himmels willen, Neaves«, stieß John hervor, »etwas mehr Taktgefühl würde nicht schaden! Meine Schwester ist gerade dreiundzwanzig! Damals war sie siebzehn, kaum mehr als ein Kind! Ihre Schönheit hat seitdem gewiss nicht nachgelassen. Ich kenne viele Künstler, die sie gern malen würden. Aber sie weigert sich, irgendwem Modell zu stehen. Nicht einmal ich, ihr eigener Bruder, konnte sie bisher dazu überreden.«

Christina hatte die Hand in eine Tasche ihres weiten Rocks gesteckt und die Finger unwillkürlich um die Brille geschlossen, die sie durch eine weiche, bestickte Hülle geschützt dort verstaut hatte, ehe sie in Edgars Büro getreten war. Im Allgemeinen trug sie die Brille den ganzen Tag lang, obwohl – oder gerade weil – sie wusste, dass viele Männer das nicht sehr anziehend fanden. Ihr war auch bewusst, dass sie während der letzten Jahre immer dünner und blasser geworden war. Möglicherweise hatte Edgar Recht mit seiner Annahme, dass sie Stephens Dornenprinzessin überhaupt nicht mehr ähnelte.

Nun, es war weitaus...