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Distinktion - Macht - Landschaft: Zur sozialen Definition von Landschaft

Distinktion - Macht - Landschaft: Zur sozialen Definition von Landschaft

von: Olaf Kühne

VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV), 2008

ISBN: 9783531911526, 371 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 44,99 EUR

Ersparnis: 4,96 EUR

  • Moralische Politik oder politische Moral? - Eine Analyse aktueller Debatten zur internationalen Gerechtigkeit. (Campus Forschung, Band 933)
    Handbuch Soziologische Theorien
    Nackt duschen - streng verboten - Die verrücktesten Gesetze der Welt
    Geschichte der politischen Theorien in Deutschland 1300-2000
    Soziologie und Politik - Sozialwissenschaftliches Expertenwissen im Dritten Reich und in der frühen westdeutschen Nachkriegszeit
    Philosophie im Nationalsozialismus
    Theorien der europäischen Integration

     

     

 

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Distinktion - Macht - Landschaft: Zur sozialen Definition von Landschaft


 

"3 Gesellschaftliche Landschaft und Sozialisation (S. 77-78)

Wird Landschaft nicht wie in der positivistischen Denktradition (beispielsweise bei Leser 1987) als objektiv gegeben betrachtet, sondern vielmehr wie hier vorgeschlagen als sozial konstruiert verstanden (ähnlich auch Burckhardt 1977a, Hard 1991a, Kühne 2006a und 2006b), ist das individuelle und soziale Erlernen dessen, was der verallgemeinerte Andere (d.h. die organisierte Gemeinschaft, innerhalb derer das Individuum seine Identität aufbaut, Mead 1980) unter dem Begriff Landschaft versteht, als ein Teil des Sozialisationsprozesses (bzw. Inkorporationsprozesses) zu verstehen. Jessel verdeutlicht die Bedingtheit der Anlage eines interpretatorischen Bezugs von physischen räumlichen Elementen in relationaler Anordnung zum komplexen Begriff der Landschaft auf Grundlage der Unmöglichkeit des voraussetzungslosen Sehens:

Es gibt kein voraussetzungsloses Sehen im Sinne eines vollständigen Registrierens all dessen, was überhaupt an Reizen aus der Außenwelt aufgenommen werden kann. Vielmehr müssen über Sinnesorgane aufgenommene Reize strukturiert, geordnet und zu Gestalten zusammengefasst werden, um zu bewusster Wahrnehmung zu werden (Jessel 2000: 149).

3.1 Das Erlernen von gesellschaftlicher Landschaft grundsätzliche Überlegungen zu Wahrnehmung und Stereotypisierung

Sauder (1995: 133) weist in seiner Charakterisierung von Landschaft als eine Konstruktion, eine Fiktion und ein Vorurteil, gesteuert von ästhetischen Grundannahmen auf einen zentralen Mechanismus der Konstruktion von gesellschaftlicher und individuell aktualisierter gesellschaftlicher Landschaft hin: die Steuerung durch ästhetische Grundannahmen, die sich zum Vorurteil bzw. Stereotyp verdichten. Der Terminus Stereotyp 1922 von Lippmann aus der Druckersprache entlehnt beschreibt verschiedenartige Phänomene wie individuelle Voreingenommenheiten und Irrationalismen, historisch gewachsene Ideologien und kulturelle Traditionen, das Wirken von Normen in kleinen Gruppen und die Auseinandersetzungen innerhalb und zwischen großen Institutionen auf ein einheitliches Wirkungsprinzip, ohne dabei trivial-monokausalistisch zu reduzieren.

Dabei können komplexe Ursachensysteme zu einem einzigen Ergebnis führen, nämlich der prägnanten Akzentuierung ausgewählter Elemente der Umwelt in einer einfachen, entscheidungserleichternden Formel, dem Stereotyp (Manz 1968: 2). Stereotype werden zudem von einer größeren Personenanzahl geteilt (Gast-Gampe 1993). Vorurteile und Stereotype lassen sich so Devine (1989) als Resultate der begrenzten Informationsverarbeitungskapazität des Menschen charakterisieren, die aber zugleich die soziale Verarbeitung von Informationen beeinflussen.

Die Formierung von Stereotypen insbesondere ästhetischen wird im Prozess der Sozialisierung bzw. Inkorporierung vollzogen. Stereotype bleiben auch wenn sie später reflektiert und gegebenenfalls revidiert werden Teil der subjektiven Wissensstruktur und können infolge bestimmter Reizkonstellationen wieder aktualisiert werden (Devine 1989). Die stereotype gesellschaftliche Aussage der Landschaft muss also wie die Bedeutung aller Zeichensysteme gelernt werden (Burckhardt 1977a: 20): Der Naive kann die Landschaft nicht sehen, denn er hat ihre Sprache nicht gelernt . Für den in die Sprache der Landschaft oder ihren Code (Bourdieu 1974) Uneingeweihten ist die Landschaft so unsichtbar, wie die Sprache unhörbar ist, sichtbar oder hörbar sind nur Farben und Laute, aber die Erscheinungen, die sie den Sinnen der Empfänger hervorrufen, müssen erst erforscht werden (Burckhardt 1977a: 20, ähnlich hierzu Augenstein 2002). Die Fähigkeit, aus räumlich angeordneten Objekten etwas als Text lesen zu können (Hugill 1995, Duncan 1990), das sich sozial akzeptiert als Landschaft beschreiben lässt, ist abhängig von der Verfügbarkeit des entsprechenden Codes: Landschaft wie ein Kunstwerk

""im Sinne eines symbolischen und nicht so sehr eines ökonomischen Gutes [...] existiert als Kunstwerk [bzw. als Landschaft, Anm. des Autors] nur für denjenigen, der die Mittel besitzt, es sich anzueignen, d.h. es zu entschlüsseln"" (Bourdieu 1974: 169, vgl. auch Hugill 1995)."