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"TEIL 2
Wir können einfach keine Vorhersagen machen (S. 171-172)
Wenn ich Leute frage, welche drei neueren Technologien sich heute am stärksten auf unsere Welt auswirken, nennen sie gewöhnlich den Computer, das Internet und den Laser. Alle drei waren ungeplant und unerwartet und wurden nach ihrer Entdeckung zunächst nicht gewürdigt. Sie hatten große Konsequenzen. Sie waren Schwarze Schwäne. Natürlich bekommen wir im Nachhinein leicht den Eindruck, dass sie Bestandteile eines Masterplans waren. Jeder von uns kann Listen mit ähnlichen Ergebnissen anlegen, bei politischen Ereignissen, Kriegen oder intellektuellen Epidemien.
Man würde erwarten, dass wir bei Vorhersagen ganz schlecht abschneiden: Die Welt ist viel, viel komplizierter, als wir denken, an sich ist das gar kein Problem, nur dann, wenn die meisten von uns das nicht wissen. Beim Blick in die Zukunft neigen wir dazu, zu „tunneln"", wir machen sie zu einer ganz gewöhnlichen Sache, ohne Schwarze Schwäne, obwohl an der Zukunft überhaupt nichts Gewöhnliches ist. Sie ist keine platonische Kategorie!
Wir haben gesehen, wie gut wir dabei sind, rückwärts zu erzählen, Geschichten zu erfinden, die uns zu der Überzeugung bringen, dass wir die Vergangenheit verstehen. Für viele Menschen hat das Wissen die bemerkenswerte Eigenschaft, Zuversicht zu produzieren, statt einer messbaren Befähigung. Ein weiteres Problem ist die Fokussierung auf das (belanglose) Reguläre, die Platonisierung, durch die die Vorhersagen innerhalb des Rahmens des Üblichen liegen.
Ich finde es skandalös, dass wir trotz unserer schlechten Ergebnisse weiter Prognosen machen, als wären wir dabei gut, und dazu Mittel und Methoden benutzen, die seltene Ereignisse ausschließen. Vorhersagen sind in unserer Welt fest institutionalisiert. Wir sind denen ausgeliefert, die uns helfen, durch die Ungewissheit zu navigieren, ob es sich nun um Wahrsage- rinnen handelt, um die „gut publizierten"" (langweiligen) Akademiker oder um Beamte im öffentlichen Dienst, die mit den falschen mathematischen Methoden arbeiten.
Von Yogi Berra zu Henri Poincaré
Der große Baseballcoach Yogi Berra sagt immer: „Es ist schwierig, Vorhersagen zu machen – vor allem über die Zukunft."" Obwohl Berra trotz seiner Klugheit und seiner intellektuellen Fähigkeiten nicht die Schriften produziert hat, die es ihm ermöglichen würden, als Philosoph betrachtet zu werden, kann er für sich beanspruchen, einiges über den Zufall zu wissen. Er war ein Praktiker der Ungewissheit und erlebte als Spieler und als Coach regelmäßig zufällige Ergebnisse, deren Folgen er bis tief in seine Knochen spürte.
Yogi Berra ist nicht der Einzige, der darüber nachgedacht hat, wie stark die Zukunft außerhalb unserer Fähigkeiten liegt. Viele nicht so bekannte, nicht so prägnante, aber ebenso kompetente Denker haben sich auch mit unseren inhärenten Beschränkungen in dieser Hinsicht befasst, von den Philosophen Jacques Hadamard und Henri Poincaré (die üblicherweise als Mathematiker bezeichnet werden) über den Philosophen Friedrich von Hayek (der leider gewöhnlich als Ökonom beschrieben wird) bis zu dem Philosophen Karl Popper (der gemeinhin als Philosoph bekannt ist). Das können wir ruhig die Berra-Hadamard-Poincaré-Hayek-Popper-Vermutung nennen, sie setzt dem Bemühen, Vorhersagen zu machen, strukturelle, eingebaute Grenzen. Berra sagte später: „Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war!"""
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