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"1 Anästhesie – allgemeiner Teil (S. 1)
1.1 Allgemeine Bemerkungen
Anästhesie bedeutet Empfindungslosigkeit, also das Fehlen sämtlicher Wahrnehmungen. Anstatt von Anästhesie wird oft auch von Narkose gesprochen. Narkose leitet sich von dem altgriechischen Begriff nárkosi (= In-Schlaf-Versetzen) ab. Die Kunst der Anästhesie ist nicht alt.
Bis ins 18. Jahrhundert gab es noch keine Medikamente zur Narkose. Wer damals das Pech hatte, sich einer Operation unterziehen zu müssen, wurde evtl. in einen Alkoholrausch versetzt, in dem dann beispielsweise die Amputation eines Beines vorgenommen wurde. Der vor Schmerzen brüllende Patient wurde während der Operation festgehalten. Häufig wurde er ohnmächtig vor Schmerzen.
Die Operationszeit musste so kurz wie möglich gehalten werden. Operiert wurde nur bei lebensbedrohlicher Indikation. Die Letalität war hoch. ! Das Ziel jeder Allgemeinanästhesie (= Vollnarkose) muss es sein, den Patienten vorübergehend in einen Zustand zu versetzen, in dem eine Operation sowohl für den Patienten als auch für den Operateur optimal durchgeführt werden kann.
Optimale Bedingungen für den Patienten bedeuten:
Bewusstlosigkeit (Hypnose)
Schmerzfreiheit (Analgesie)
Dämpfung vegetativer Reflexe
Optimale Bedingungen für den Operateur bedeuten bei vielen Operationen (z. B. im Bauchraum):
gute Muskelerschlaffung (Relaxation) und damit
guter Zugang zum Operationsgebiet
Im Jahre 1846 wurde erstmals Ether erfolgreich für eine Operation eingesetzt. In der Folgezeit kam es zu einem stürmischen Fortschritt in der Narkosetechnik. Die Apparaturen zur Etherverabreichung wurden verbessert und sicherer gemacht.
Neue Narkosemedikamente und neue Narkosetechniken wurden entdeckt. Erst die Möglichkeit zur Narkose erlaubte die Ausweitung der Chirurgie. Heute können Operationen von fast unbegrenzter Dauer durchgeführt werden. Operationszeiten von bis zu 15 Stunden und mehr sind keine Seltenheit mehr. Ein Patient, der sich heute einer Operation in Vollnarkose unterziehen muss, kann sicher sein, dass er während der Operation „schläft"" und völlig schmerzfrei ist.
1.2 Teilgebiete
Die Anästhesiologie umfasst 4 Teilgebiete:
Anästhesie
Intensivmedizin
Notfallmedizin
Schmerztherapie
Im vorliegenden Buch werden die Teilgebiete Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedi - zin abgehandelt. Bezüglich des Teilgebietes Schmerztherapie wird auf das Buch „Therapie chronischer Schmerzen – Ein praktischer Leitfaden"" (H. W. Striebel, Schattauer Verlag, 4. Aufl.) verwiesen.
Auch die postoperative Weiterbetreuung von schwerkranken Patienten auf einer operativen Intensivstation untersteht zumeist der Anästhesieabteilung. Eine weitere Aufgabe des Anästhesisten ist die Notfallmedizin, das heißt die Wiederbelebung und Stabilisierung vor allem des Herz-Kreislauf-Systems und der Atmung.
Diese Aufgabe wird vom Anästhesisten nicht nur bei einem „Narkosezwischenfall"" wahrgenommen, sondern vielerorts auch im Notarztwagen, bei der Aufnahme schwerverletzter Patienten in die Erste-Hilfe-Station eines Krankenhauses, auf operativen Intensivstationen sowie auf den Krankenstationen und auch bei der Wiederbelebung von Neugeborenen im Kreissaal.
Ein weiterer Betätigungsbereich des Anästhesisten ist die Schmerztherapie bei chronischen Schmerzzuständen wie z. B. Karzinomschmerzen. In vielen großen Kliniken wurden hierzu inzwischen Schmerzambulanzen errichtet, die zumeist der Anästhesieabteilung unterstehen.
1.4 Präoperative Visite
Normalerweise liegt bereits am Nachmittag der Operationsplan für den folgenden Tag vor. "
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