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22 (S. 26´8-269)
Ähnliches fiel Martin Barker auch bei Bella Preston auf, als diese ihn glauben machen wollte, es gäbe nur deshalb kein Bett für Wolfie in ihrem Bus, weil der Junge sich lieber in einem Schlafsack auf der Polsterbank zusammenrollte. »Er ist ein kleiner Nomade, unser Wolfie«, erklärte sie, Selbstsicherheit vortäuschend, während ängstliche Besorgnis ihre Stirn krauste. »Mit Betten hast du nicht viel am Hut, hm, Schätzchen?«
Die Augen des Kleinen wurden noch größer. Angst schien sein ständiger Begleiter zu sein. Sie wurde umso größer, je näher sie dem dunklen Bus kamen. Bella hatte mehrfach versucht, ihn in einem der anderen Fahrzeuge zurückzulassen, aber er klammerte sich an sie und wollte sich um nichts von ihr trennen. Barker tat so, als bemerkte er es nicht, aber es interessierte ihn doch sehr, was es mit dem Jungen und dem dunklen Bus auf sich hatte.
Bella schlang in ihrer Not einen Arm um Wolfies Schultern und drehte ihn zu sich herum. Komm, Junge, flehte sie im Stillen, reiß dich am Riemen. Wenn du noch mehr zitterst, klappst du mir zusammen. Es war, als liefe man mit einem Neonschild durch die Gegend: »Hey, schaut her, wir haben was zu verbergen!« Wir sind die Simpel, die euch ablenken sollen, während das Arschloch, das uns hierher geschleppt hat, das Dorf ausbaldowert.
Sie war wütend auf Fox, und nicht nur, weil er ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt hatte. Niemand durfte ein Kind so entsetzlich einschüchtern, dass es allein beim Anblick einer Uniform vor Schreck erstarrte. Am liebsten hätte sie Barker auf die Seite genommen und alles herausgesprudelt, was sie bedrückte – die Mutter ist verschwunden, der kleine Bruder ebenfalls, der Junge sagt, er habe blaue Flecken –, aber was sollte das bringen, wenn Wolfie alles leugnete? Sie wusste, dass er das tun würde. Seine Angst vor dem Jugendamt war weit größer als seine Angst vor Fox. In den Augen eines Kindes war ein schlechter Vater immer noch besser als gar keiner. Unterschwellig beunruhigte sie auch der Gedanke, dass sie nur von Wolfie wusste, dass Fox nicht hier war. Was, wenn er sich irrte? Oder wenn Fox sich durch den Wald zurückgeschlichen hatte und die Vorgänge von seinem Bus aus beobachtete? Würde das die Situation des kleinen Jungen nicht hundertfach verschlimmern? War es nicht das, wovor der Kleine wirklich Angst hatte? Dass Bella etwas tun oder sa gen könnte, was Fox zur Weißglut bringen würde?
»Er weiß nicht, was ein Nomade ist«, erklärte sie Barker. »Er meint, das wäre was Schlechtes.« Sie drückte den Junge tröstend an sich. »Bleib doch bei den Mädchen, Wolfie, während ich mit den beiden Herren zum letzten Bus gehe. Fox hat gesagt, dass er heute Nacht an der Absperrung Schicht hat, also schläft er wahrscheinlich. Er rastet garantiert aus, wenn wir ihn wecken… gibt doch gar keinen Grund, warum du dir sein Geschimpfe anhören musst.«
Barker wurde noch neugieriger. Fox? Fox und Wolfie? Merkwürdiges Zusammentreffen in so einer kleinen Gemeinschaft. Sollten die beiden vielleicht zusammengehören? Er zauste dem Kleinen das Haar. »Dein Dad?«, fragte er freundlich und sah dabei Bella fragend an. Keine Antwort.
Bella nickte kurz. »Fox hat’s nicht so mit dem Kochen – aber der Kleine braucht was Ordentliches zu essen.« Sie starrte Barker an, als wollte sie ihm etwas mitteilen. »Drum wohnt er jetzt eine Weile bei mir.« Barker nickte. »Und wo ist seine Mutter?« ...
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