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Fette Zeiten - Der Zusammenhang zwischen Medien, Gesundheit und Bewegung

von: Anna Spengler

Diplomica Verlag GmbH, 2009

ISBN: 9783836621007 , 165 Seiten

Format: PDF, OL

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX,Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Windows PC,Mac OSX,Linux

Preis: 43,00 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

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Fette Zeiten - Der Zusammenhang zwischen Medien, Gesundheit und Bewegung


 

Kapitel 2.3, Was genau macht dick beim Fernsehen?:

Es sind verschiedene Faktoren dafür verantwortlich, dass Fernsehen dick macht: Einerseits geht die Zeit, die mit Fernsehen verbracht wird, für andere Freizeitaktivitäten verloren. So verbringen Kinder heute durchschnittlich ca. eine Stunde damit, sich zu bewegen und davon nur eine halbe Stunde intensiv. 1970 waren es noch 3 – 4 Stunden Bewegung. Dagegen sitzen oder liegen 6 – 10-Jährige 5 – 9 Stunden täglich, abgesehen von der Zeit, in der sie schlafen. So sind laut Friedrich in Optimales Sportwissen „Unsere heutigen Kinder (…) bewegungsärmer, weniger fit, übergewichtiger und haben mehr gesundheitliche Probleme als frühere Kindergenerationen.“ Und in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 26 zum Thema Körperliche Aktivität heißt es, dass die „Lebensgewohnheiten zunehmend durch Bewegungsmangel und monotone Bewegungsabläufe gekennzeichnet“ sind.

Außerdem ist nachgewiesen, dass beim Fernsehen prinzipiell mehr und ungesünder gegessen wird. Vor allem werden mehr salzige Snacks, Süßes und Limonaden verzehrt. Offensichtlich wird durch die mediale Ablenkung das Sättigungsgefühl weniger wahrgenommen und der Appetit angeregt. Dabei hat einerseits die stimulierende Reklame für Leckereien, als auch das körperliche Wohlbefinden, Einfluss auf den gesteigerten Appetit. Dazu kommt, dass der Energieverbrauch des Körpers beim Fernsehen selbst extrem gering ist, da sich in dieser Zeit beinahe gar nicht bewegt wird.

So bezeichnet Neil Postman in seinem Buch Das Verschwinden der Kindheit Fernsehen zurecht als „Narkotikum“. Das Magazin Gehirn & Geist preist gar Hollywood-Filme als wirksames therapeutisches Mittel bei psychischen Problemen an, da es einem Beruhigungsmittel gleichkommt. Das Einstellen von Bewegung oder in-Lethargie-verfallen kann man vor allem bei Kleinkindern beobachten, die normalerweise immer in Bewegung sind.

Ein Nichtvorhandensein von Bewegungsdrang ist bei Kleinkindern, medizinisch gesehen, sogar ein Alarmsignal für Entwicklungsstörungen oder Krankheiten. Vor dem Fernseher sitzen Kinder aber still, wie hypnotisiert. So beschreibt eine Mutter in Spitzers Vorsicht Bildschirm: „Mein Sohn ist zwölf Monate alt und den ganzen Tag aktiv. (…) Die einzige Ausnahme ist dann, wenn er seine Teletubbies sehen darf. (…) Er sitzt ganz begeistert vor dem Fernseher und ist ganz still.“ Bedenklich ist hierbei vor allem, dass Kindern der Fernseher immer früher - wie das Beispiel eben zeigt - zugänglich gemacht wird und oft schon mit 10 Jahren über ein eigenes Fernsehgerät verfügt wird.

Werbung:

Zum sowieso schon kalorienreichen Essverhalten beim Fernsehschauen kommt hinzu, dass gerade in Kindersendungen massiv ungesunde Lebensmittel beworben werden. So sind „unter 6-Jährige“ mittlerweile zur Zielgruppe der Werbung geworden. Es gibt sogar ein Handbuch für an Kinder gerichtetes Marketing in den USA. Jetzt könnte man meinen, die Mütter kaufen ja ein und die Kinder hätten daher keinen Einfluss auf ihre Ernährung. Dagegen wird im Niedersächsischen Ärzteblatt im Mai 2007 vermutet: „Das Wissen der Eltern um altersgerechte Ernährung und Bewegung scheint verloren gegangen zu sein.“ Außerdem ist es nachgewiesen, dass Kinder die viel fernsehen auch mehr von den Produkten verzehren, die beworben werden. Also können sie offensichtlich sehr wohl Einfluss auf die Speisenauswahl nehmen. Wer kennt nicht quengelnde Kinder an der Supermarktkasse, die sich nur mit einem Schokoriegel besänftigen lassen. Außerdem standen im Jahr 2000 Kindern (6 – 17 Jahre) gut 19,1 Mrd. DM als Taschengeld zur Verfügung. Betrachtet man den Werbeetat 2006 in Deutschland von 2,5 Mrd. Euro, dann wurde die Finanzkraft der Kinder und Jugendlichen klar erkannt. Denn von den 2,5 Mrd. wurden allein 575 Mio. Euro für Schokolade und andere Süßwaren investiert. Dagegen fielen nur 2 % auf Obst und Gemüse.259 Tückisch ist dabei, dass die ungesunden Lebensmittel oft als besonders gesund deklariert werden. Inhalte wie Milch, Cerealien, Vitamine und Obst entschärfen Süßigkeiten anscheinend auch für Mütter, die so kein schlechtes Gewissen zu haben brauchen, wenn sie ihren Kindern Süßes geben. So halten sogar viele Erwachsene Kinderschokolade tatsächlich für gesünder als andere Schokolade. Die langfristigen Auswirkungen von reichlichem Naschen in der Kindheit stellt dabei nicht allein das eventuelle Übergewicht dar, sondern das Kind verstärkt dadurch die natürliche Präferenz für Süßes lebenslang. Zusätzlich können Kinder erst ab dem 8. Lebensjahr Realität und Fiktion unterscheiden und erst mit 11 – 12 Jahren Werbestrategien auf sich beziehen und entlarven.

Da die Folgen von Übergewicht für die Gesellschaft immer gravierendere Ausmaße annehmen, wird bereits über Verbote für TV-Werbung für ungesunde Nahrungsmittel diskutiert. Besonders wirkungsvoll ist Fernsehwerbung auch deshalb, weil sie im starken Kontrast zum ansonsten von Gewalt und Horrorszenarien geprägten Programminhalt steht. Dagegen hat eine verheißungsvolle, blumige Werbebotschaft laut Neil Postman den Charakter von „religiösen Gleichnissen“, die Glückseligkeit versprechen. Es ist fragwürdig, ob Kinder dieser geballte Informationsflut gewachsen sind.

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