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Die Stadt als Museum - Die Wahrnehmung der Monumente Roms in der Spätantike. (KLIO, Beiträge zur Alten Geschichte, Beihefte, Neue Folge, Band 12)
II. Die Senatsaristokratie und die Denkmäler Roms (S. 129-130)
Die Reformen der diocletianisch–konstantinischen Zeit hatten die Stellung der römischen Senatsaristokratie grundlegend verändert. Die bereits im dritten Jahrhundert einsetzende Trennung von ziviler und militärischer Laufbahn war nun vollständig vollzogen, schon hierin mußte in Zeiten häufiger kriegerischer Auseinandersetzungen ein nicht zu übersehendes Hemmnis für die Senatsaristokratie liegen. Gleichzeitig mußte die auch in der zivilen Laufbahn, zumal am Hof, in der Spätantike zu beobachtende erhöhte soziale Mobilität in den Augen einer Aristokratie als Gefährdung erscheinen, deren Prestige sich auf das Herkommen und auf traditionelle Privilegien stütze.
Vor diesem Hintergrund ist der ostentativ zur Schau gestellte Adelsstolz senatorischer Familien zu betrachten, der bis in jüngste Zeit allzu häufig allein als ein Ausdruck von nostalgischer Realitätsferne 2 oder Dekadenz 3 mißverstanden wurde. Senatoren wie Q. Aurelius Symmachus stellten die herausragende Bedeutung der Aristokratie als pars melior humani generis auch deswegen in ihrer Selbstdarstellung stark heraus, weil die enge Verbindung des Senatorenstandes mit den römischen Traditionen dieser Aristokratie ganz konkrete politische und fiskalische Vorteile sichern sollte. Unter diesem Blickwinkel erweist sich etwa die umfangreiche Korrespondenz des Symmachus, die zu einem beträchtlichen Teil aus vermeintlich inhaltsleeren Empfehlungsschreiben und Grußbilletts besteht, als eminent politisch, und ihre vermeintlich realitätsferne, reaktionäre Einstellung als klarsichtige Anpassung an veränderte Umstände.
Für die senatorische Einstellung zur römischen Topographie ist damit zugleich die Frage aufgeworfen, inwieweit die Berufung auf senatorische Traditionen sich auch in einem Bemühen um die materielle Hinterlassenschaft einer als verpflichtend empfundenen Vergangenheit ausdrückte, und welcher Stellenwert dabei dem Konflikt zwischen der neuen Religion und den alten Kulten als Symbol einer senatorischen Tradition zukam. Die Bedeutung, die man der Christianisierung des Reiches für die Rolle des Senatorenstandes zuschreibt, hängt dagegen nicht zuletzt von der Frage ab, wie rasch diese Aristokratie ihrerseits sich der neuen Religion zuwandte.
Während die communis opinio davon ausgeht, daß die Konversion der Senatsfamilien im vierten Jahrhundert zunächst langsam einsetzte und erst am Ende des Jahrhunderts, nach der gescheiterten Usurpation des Eugenius, die Anhänger der alten Religion in die Minderheit gedrängt wurde, hat. T.D. Barnes in einer Reihe von Untersuchungen den Nachweis zu führen gesucht, daß im Gegenteil bereits zum Zeitpunkt der Konstantinischen Wende ein beträchtlicher Anteil der senatorischen Familien christlich war.
Barnes gründet seine These auf die prosopographische Untersuchung der hohen senatorischen Amtsträger im vierten Jahrhundert, dürfte dabei jedoch über die Unwägbarkeiten, die sich aus dem häufig unbekannten Bekenntnis vieler Senatoren ergeben, zu leichtfertig hinweggehen. M. Salzman, die das bekannte Material jüngst noch einmal zusammengestellt und gesichtet hat, nähert sich dementsprechend wieder der älteren, vor allem von den prosopographischen Untersuchungen R. von Haehlings 7 untermauerten Einschätzung an, welche von einem überwiegend heidnischen Bekenntnis der römischen Senatoren ausgeht.
Freilich rufen die Ergebnisse Salzmans zugleich nochmals ins Gedächtnis, wie zahlreich die Senatoren sind, deren religiöses Bekenntnis in den Quellen niemals faßbar wird. Dieser Umstand und die Tatsache, daß H. Niquet für christliche Senatoren ein ungebrochenes Festhalten an traditionellen Formen der Selbstdarstellung nachweisen konnte,9 richten das Augenmerk zugleich auf die Frage, inwieweit die religiöse Auseinandersetzung sich in dem Bild der römischen Topographie wiederspiegelte, das senatorische Quellen zeichnen.
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