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Einleitung (S. 5-6)
Eine alte Anekdote des legendären Pastors und Wilhelm- Busch-Neffen Otto Nöldecke veranschaulicht, wie schwierig es sein kann, Humor und Bibel zusammen zu bringen:
Ich besuchte einen älteren Mann, der sich das Bein gebrochen hatte. Gegen die Langeweile brachte ich ihm ein Album meines Onkels Wilhelm Busch mit. Beim späteren Besuch fragte ich ihn, wie es ihm gefallen hätte. Schmunzelnd antwortete er: »Wenn ick nich wüßt, dat Se Pastor sind und dat dit Book darum Gottes Wort sin mutt, harr ick oft bannig lachen mößt.« Steinel, Gott
Die Worte jenes älteren Mannes zeigen, dass die Bibel nicht eben als ein humorvolles Buch wahrgenommen wird. In der Bibel finden sich denn auch keine Witze, wohl aber mancherlei Anekdotisches und Kurioses (z.B. Gen 9,20–27, 29,14b–30, Num 22,21–30, 1. Sam 21,11–16, 2. Sam 6,16.20–23, Esra 10,9, Jona, Lk 2,41–52, Apg 19,13–17, 20,6–12, Gal 5,2). Die auf Johannes Chrysostomos zurückgehende Behauptung: Dominus risu abstinuit – Der Herr Jesus enthielt sich des Lachens ist eine aus Umberto Ecos »Der Name der Rose« bekannte Humor- und Geistlosigkeit, die Menschwerdung Gottes sollte man nicht um das menschliche Lachen mindern, zumal nach Ps 2,4 Gott selbst lacht. Gott hat der steinalten Glaubensmutter Sarai mit ihrem Sohn Isaak »ein Lachen zugerichtet« (Gen 21,6, vgl. 18,12f). Psalmbetern ist verheißen, dass »unser Mund voll Lachens sein« (Ps 126,2) wird.
Dass biblische Texte zwischen Fremdheit und Vertrautheit changieren, dass ihnen Wahrheit, ja Heiligkeit zugeschrieben wird, und es in ihnen doch menschelt – das alles legt es indes nahe, mit der Bibel Scherze zu machen. Bibelwitze gehören zur Wirkungsgeschichte der Bibel, sind Äußerungen lebendigen Umgangs mit ihr. Bibelwitze animieren nicht, über die Bibel, sondern mit ihr zu lachen. Solches biblisch inspirierte Lachen kommt der biblischen Botschaft zugute, im Humor mit der Bibel ereignet sich die Freiheit, in die uns die biblischen Geschichten versetzen.
Wer Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten oder von Sünde, Tod und Teufel erlebt hat, kann sich das Lachen nicht verkneifen. »Dass der von Gott geehrte Mensch sich selbst (…) reichlich wunderlich finden muss«, führt nach Karl Barth (KD III/4, 765) zu einem freien Humor derer, die glauben. Gott ist es, der uns »das Lachen lehrt«, denn: »Gott will uns heiter sehen«, wie Hanns Dieter Hüsch dichtete – das ist schön und gewiss geglaubt!
Dass Glaube und Heiterkeit Geschwister seien, ist so leicht gesagt, wie es indes auch schwer ist, daraus die Möglichkeit und Notwendigkeit von Witzen zu folgern. Besonders lustig ist die Konfrontation des heiligen Wort(laut)es mit Mundart, in diesem Buch sind Witze in Schwäbisch, Hohenlohisch, Rheinisch und Plattdeutsch erzählt. Auch manche englischsprachigen Bibelwitze sind nicht übertragbar, sie leben von der in der Sprache geborgenen Atmosphäre oder sind Sprachwitze. Hierin bewahrheitet sich Johann Peter Hebels Verständnis der Bibel als Sprachschule auf kuriose Weise. Damit ist zugleich ein Anspruch formuliert: Wie erzählt man einen biblischen Witz so fein, dass er der heiteren Noblesse des Evangeliums entspricht? Der Witz, insbesondere der biblische Witz, hat Grenzen. Die Frage nach den Grenzen ist neben einer Angelegenheit des Geschmacks immer auch ein Qualitätskriterium, ein auch biblisch schwacher Witz zu 1. Kön 17,1 ist als Beispiel aufgeführt.
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