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Soziale Determinanten der Weiterbildungsbeteiligung Älterer in Österreich (S. 161-162)
1. Einführung
Noch vor fünf oder sechs Jahrzehnten waren in Theorie und Praxis der Erwachsenenbildung Begriffe wie „Altersbildung" oder „Weiterbildung für die zweite Lebenshälfte" ungeläu. g. Man sah keinen Bedarf für Weiterbildung alter Menschen und hielt diese auch kaum für bildungsfähig. Heute haben wir es mit einem völlig veränderten Erscheinungsbild zu tun. Tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen seit dem Ende des 19. Jahrhunderts haben dazu beigetragen, dass Altern heute als Aufgabe gesehen wird, die sowohl vom Einzelnen als auch von der Gesellschaft bearbeitet werden muss.
Der Wissensvorsprung alter Menschen in traditionellen Gesellschaften hat in den hoch technisierten Gesellschaften, die einem raschen Wandel unterworfen sind, an Bedeutung verloren. Lernen und Bildung werden zu wesentlichen Faktoren im sozialen Gefüge der Moderne. Daraus ist zu folgern: Lebenslanges Lernen ist in einer Gesellschaft rapiden Wandels zu einer Existenznotwendigkeit geworden. Die langen Bildungswege gelten als bedeutsamer Faktor für Entwicklungen in verschiedenen Lebensbereichen wie etwa in der Erwerbsarbeit oder in der alltäglichen Lebensführung, für die Teilnahme am politischen Leben oder in den Wertorientierungen.
Je mehr die Teilhabechancen der Menschen an Gesellschaft und Wohlstand von ihrem Zugang zu Wissen und Lernangeboten abhängen, desto mehr gewinnt auch der Zugang älterer Menschen zu Angeboten des lebenslangen Lernens und der Bildung an Bedeutung. Faktisch besitzen die heute älteren Menschen über durchschnittlich niedrigere Bildungsabschlüsse und daraus folgend ein geringeres Bildungsinteresse als jüngere Kohorten. Aus diesem Grund kann von einer Bildungsbenachteiligung im Alter gesprochen werden. Gerade weil permanentes Lernen immer stärker zur zentralen Bedingung für die gesellschaftliche Statuszuweisung bzw. den Statuserhalt wird, ergeben sich Gefahren ver stärkter sozialer Ausgrenzung.
Von dieser sind insbesondere diejenigen betroffen, die nicht die kognitiven und motivationalen Voraussetzungen und die für erfolgreiche Lernprozesse notwendigen Anforderungen erwerben konnten und individuell überfordert sind. Eine signi. kante Gruppe älterer Menschen gehört zur Gruppe jener mit geringer Quali. kation. Entsprechend der Internationalen Standardklassi. kation von Bildungsabschlüssen ISCED (International Standard Classification of Education) werden jene Personen mit einem Abschluss, der unter dem ISCED 3- Niveau liegt, als „gering quali. ziert" bezeichnet (vgl. Solga 2005).
Es handelt sich dabei um Personen, die über den Pflichtschulabschluss (Sekundarstufe I) hinaus keine weiteren Schulabschlüsse aufweisen. Diese Personengruppe nimmt in der gegenwärtigen Bildungsgesellschaft eine soziale Randstellung ein. Das Faktum der niedrigen Bildungsabschlüsse älterer Menschen und der damit verbundenen sozialen Benachteiligung ist nicht neu (vgl. Hörl 1978), ist aber in einer Gesellschaft, in der Bildung zu einem wesentlichen Statuszuweisungskriterium und Element soziokultureller Teilhabe geworden ist, von noch höherer Bedeutung.
Die Bildungsbenachteiligung älterer Menschen hinsichtlich ihrer Schulbildungsniveaus und die Notwendigkeit, aufgrund des raschen technischen und soziokulturellen Wandels sich ständig neues Wissen aneignen zu müssen sind Beweggründe, weshalb sich im 2002 in Madrid beschlossenen Internationalen Aktionsplan über das Altern (Zweite Weltversammlung 2002) das lebenslange Lernen als ein wesentlicher Schwerpunkt . ndet. In der Verp. ichtung 6 der regionalen (europäischen) Umsetzungsstrategie des Weltaltenplans geht es um die Förderung des lebenslangen Lernens und die Angleichung der Bildungssysteme, um den sich ändernden wirtschaftlichen, sozialen und demogra. schen Verhältnissen gerecht zu werden.
Die regionale Umsetzungsstrategie des Weltaltenplans geht davon aus, dass die Bildungsbedürfnisse der älteren Menschen spezifische Strategien sowie praktische Maßnahmen erfordern. Dabei geht es vor allem um ein Lernen, welches zu einer besseren Alltagsbewältigung führt, wobei auch entsprechende (neue) Lernmethoden zu entwickeln sind. Das Konzept, ja Postulat des lebenslangen Lernens betrifft nicht nur die Ausbildungs- und Berufsphase (Stichwort Employability).
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