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13. Intergeneratives Lernen (S. 146-147)
Bernhard Schmidt / Simone Schnurr / Rudolf Tippelt
Intergeneratives Lernen wird in diesem Kapitel als ein Beitrag zur Reflexion eigener generationstypischer Anschauungen aufgefasst, der das Verständnis für andere Generationen und deren Deutungsmuster fördert (vgl. auch Schmidt/Tippelt 2009). Zunächst ist für unseren Kontext also ein adäquater Generationenbegriff festzulegen. Generationen sind einerseits als mikrosoziale Abfolge von Eltern, Kindern und Kindeskindern innerhalb einer Familie (genealogischer Generationenbegriff) definiert, sie werden andererseits aber auch in Lehrer-Schüler-Relationen diskutiert.
Letztere Lesart des Generationenbegriffs impliziert eine hierarchisch strukturierte Dyade von Erzieher/in und Zögling und ein deutlich ungleichgewichtiges Verhältnis von Wissenserwerb und Wissensweitergabe auf beiden Seiten (vgl. Franz 2007). Für die Analyse andragogischer Bildungsprozesse unter Beteiligung verschiedener Altersgruppen scheinen beide Generationenbegriffe ungeeignet.
Stattdessen ist ein historisch-politischer Zugang hilfreich, der den lebens- und zeitgeschichtlich geteilten Erfahrungshintergrund als verbindendes Element innerhalb einer Generation versteht. Karl Mannheim (1928) – als ein Vertreter dieses Generationenverständnisses – spricht von Generationen als Personengruppen, die auf Basis des Durchlebens historischer Entwicklungen in einem bestimmten Lebensabschnitt ähnliche Orientierungsmuster entwickeln und diese auch als verbindendes Element erleben.
Dieser Ansatz hebt in besonderem Maße die Besonderheit jeder Generation hervor, die aus den durch zeitgeschichtliche Entwicklungen geprägten Sozialisationsbedingungen resultiert. Generationen werden dabei nicht als hierarchisch angeordnete Altersgruppen verstanden, sondern als historisch aufeinanderfolgende und den gesellschaftlichen Wandel widerspiegelnde Kohorten, deren inkorporierte generationstypische Orientierungsmuster und Anschauungen wesentliche Argumente für die Notwendigkeit eines intergenerationalen Austausches liefern. Die Interaktion der Generationen und die teilweise auch kon.ikthafte Auseinandersetzung mit der jeweils anderen Generation ist – als Prozess der Emanzipation der jüngeren von der älteren Altersklasse – als kulturelle Notwendigkeit zu verstehen (vgl. v. Schweitzer 1998, S. 18).
Diese Auseinandersetzung .ndet verstärkt aber keineswegs ausschließlich in der Familie statt. In außerfamilialen Kontexten ist in modernen Gesellschaften jedoch eine wachsende Segregation der Generationen zu beobachten, die den notwendigen intergenerationalen Austausch unterbindet. In Organisationen werden separate Jugendorganisationen etabliert, während der Kern etablierter Organisationen primär mit Älteren besetzt ist.
Diese institutionalisierte Trennung der Generationen, wie sie sich in der Binnenstruktur von Organisationen widerspiegelt, manifestiert sich auch in Betrieben: Die rasante Entwicklung technischer Neuerungen geht mit Bewertungen einher, die den Älteren zwar Erfahrungswissen zuschreiben, aber vor allem den Jüngeren Innovationsfähigkeit attestieren. Diese problematische Trennung der Generationen wird durch personalpolitische Konzepte häu.g zusätzlich festgeschrieben (vgl. Kade 1998).
In Bildungsinstitutionen wiederum .ndet die Begegnung der Generationen zwar täglich statt, allerdings in einem hierarchisch organisierten Setting mit einer lehrenden älteren Generation auf der einen und einer lernenden jüngeren Generation auf der ande ren Seite. Nicht frei von Hierarchien, aber dennoch wesentlich vielschichtiger bleibt die intergenerative Interaktion innerhalb der Familie, wobei sich auch hier Einschränkungen diagnostizieren lassen. Durch demogra.sche Veränderungen schmelzen mit der Familiengröße auch erweiterte verwandtschaftliche Netzwerke und intergenerationale Erfahrungen begrenzen sich immer häu.ger auf die Kernfamilie.
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