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Der Fürst und das Bauernmädchen

von: Mia Wagner

Plaisir d'Amour Verlag, 2016

ISBN: 9783864952531 , 208 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: frei

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 3,99 EUR

Exemplaranzahl:


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Der Fürst und das Bauernmädchen


 

 

Kapitel 2


 

Der Wind zerrte an ihrem Umhang. Katja starrte besorgt nach oben und versuchte, durch die Baumwipfel hindurch einen Blick auf den sturmumwölkten Himmel zu erhaschen. Der verdüsterte sich zusehends, riesige Wolkenungetüme breiteten sich aus und erweckten den Eindruck, als würden sie sich langsam auf die Erde senken. Sie würde es wohl nicht mehr ins Dorf schaffen, bevor das Gewitter losbrach. Das bedeutete, sie musste sich einen sicheren Unterschlupf suchen, und wenn ihr das Pech treu blieb, musste sie sogar die Nacht dort verbringen. Es wäre zu gefährlich, jetzt noch den Heimweg anzutreten.

Sie stieß einen verzweifelten Seufzer aus und bereute zutiefst, dass sie sich trotz des Verbots ihrer Mutter in den Wald geschlichen hatte, um Kräuter für eine Salbe zu sammeln. Bestimmt setzte es eine Tracht Prügel, wenn sie heimkam. Das ungeschriebene Gesetz, sich nicht ohne männliche Begleitung in den Unterwald zu wagen, existierte nicht umsonst. Seit der neue Fürst und seine Freunde die Gegend heimsuchten, um zu jagen, war es allen unverheirateten Mädchen untersagt, allein in die Wälder zu gehen. Eine Leibeigene galt als leichte Beute unter Edelmännern. Sie wäre nicht das erste Mädchen, das von einem genusssüchtigen Adeligen verführt oder vergewaltigt wurde.

In letzter Zeit streiften diese unsittlichen Teufel ständig durchs Gelände. Nichts war ihnen heilig, und sie machten sich einen Spaß daraus, unschuldigen jungen Frauen nachzustellen. Zuletzt erlag Sarina, die hübsche Tochter des Schmieds, dem Werben eines österreichischen Grafen. Leicht zu beeindrucken, verliebte sich das Mädchen Hals über Kopf in den attraktiven jungen Mann, der als Gast von Fürst Grigore auf dem Schloss weilte. Sobald die heimlichen Stelldicheins aufflogen und Sarinas Verlobter, der Schuster Jakob, sie öffentlich als Hure bezeichnete, flüchtete sie zu ihrem Liebsten und wurde seither nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich hatte der Graf sie mit nach Österreich genommen und hielt sie aus. Sobald er seine Begierde nach ihr gestillt hatte, würde er sie gegen eine andere austauschen. So geschah es doch immer.

Eine schreckliche Vorstellung, denn Sarina war nicht nur sehr hübsch, sondern auch ein liebenswertes Geschöpf. Sie verdiente es nicht, eines Tages weggeworfen zu werden wie ein alter Schuh. Seit Nicolea Grigore den Platz seines verstorbenen Onkels eingenommen hatte, fürchteten alle Eltern, ihre Töchter könnten ebenfalls den Pfad der Sünde beschreiten. Katja verstand die Sorge durchaus, und normalerweise hielt sie sich auch an die Anweisungen ihrer Mutter, aber die alte Josepha brauchte dringend einen neuen Kräuterumschlag für ihr offenes Bein, und da weder Katjas Vater noch ihr Verlobter Marius die Zeit gehabt hatten, sie auf die Lichtung zu begleiten, war sie eigenmächtig losgezogen.

Wie immer, wenn sich Marius in ihre Gedanken stahl, musste sie lächeln. Er war so fleißig und rechtschaffen. Bestimmt würde er furchtbar wütend sein, wenn er erfuhr, was sie sich geleistet hatte. Angst hatte sie aber keine vor ihm. Marius konnte zwar sehr aufbrausend sein, doch gegen sie hatte er noch nie die Stimme erhoben und sie auch noch nie geschlagen, ganz im Gegensatz zu ihrem Vater, dem öfter mal die Hand ausrutschte.

Marius würde einen guten Ehemann abgeben, so wie es sich ein junges Mädchen erträumte. Außerdem sah er sehr gut aus. Sein Haar glänzte wie pures Gold, wenn die Sonnenstrahlen darauf fielen, und seine hellblauen Augen glitzerten immer so aufregend, wenn sein brütender Blick auf ihrer Gestalt ruhte. Er betrachtete sie gerne, das wusste sie. Also ließ sie ihn gewähren und erlaubte ihm noch viel mehr, sobald sie sich ein paar Minuten davonschleichen konnten. Oft zogen sie sich in eine Scheune zurück und machten es sich im Heu bequem. Marius streichelte dann immer ihre Brüste durch ihr Hemdchen hindurch oder jene Stelle zwischen ihren Beinen, die mit einem merkwürdigen Pochen reagierte, sobald er sie dort berührte. Ein schönes Gefühl, das nach mehr schmeckte. Doch er fasste sie nur durch den Stoff an und versuchte nie, ihr intimere Zärtlichkeiten aufzuzwingen. Für diese Zurückhaltung war sie ihm dankbar, denn sie war sich nicht sicher, ob sie die Kraft besessen hätte, ihn abzuweisen. Marius’ Liebkosungen weckten eine unbeschreibliche Sehnsucht in ihr. Durch sie konnte sie erahnen, wie erfüllend schön der Akt der Zeugung zwischen Mann und Frau sein würde. Katja sah diesem besonderen Augenblick schon voller Freude entgegen und diesen Sommer würde es so weit sein. Die Erlaubnis des Fürsten hatte Marius schon vor einigen Wochen eingeholt, als er die monatlichen Abgaben des Dorfes ins Schloss gebracht hatte. Vorher hatte das immer sein Vater getan, doch mit Pavels Tod erbte Marius dessen Pflichten und händigte die fälligen Steuern dem Schatzmeister des Fürsten aus.

Allerdings war ihr aufgefallen, wie sehr sich Marius seither verändert hatte. Oft sah sie ihn mit verbissener Miene in die Ferne starren, gelegentlich verschwand er spurlos, nur um etwas später ohne Erklärung wiederaufzutauchen. Außerdem hatte er nichts als Verachtung für den „dunklen Fürsten“ übrig und sprach das auch öffentlich aus. Katja bereitete das große Sorgen. Natürlich konnte sie ihn verstehen. Fürst Nicolea Grigore lebte in Saus und Braus, so wie es Herrscher eben zu tun pflegten. Seine Bauern hingegen mussten hart arbeiten für ihr täglich Brot, und obwohl sie nicht darben mussten, konnte Marius es nur schwer ertragen, nicht selbst über sein Schicksal entscheiden zu können. Immer vom Wohlwollen eines anderen abhängig zu sein, kratzte an seinem stolzen Wesen, und deswegen konnte sie seine Abneigung gegen Grigore nachvollziehen.

Der dunkle Fürst …

Katja fröstelte und zog beim Laufen die Schultern ein. Über ihn kursierten düstere Schauergeschichten, seit er als Einziger das Blutbad an seiner Familie überlebt hatte. Alle hatten in dem Glauben gelebt, der junge Nicolea wäre damals entführt und dann getötet worden. Sein Onkel, Fürst Anatol, hatte sogar ein Grab für ihn errichten lassen, doch nach Anatols plötzlichem Ableben tauchte Nicolea Grigore wie aus dem Nichts wieder auf und meldete seine Ansprüche auf Titel und Fürstentum an.

Einige behaupteten, er hätte sich mit dem Teufel selbst verschworen und wäre aus seinem Grab wiederauferstanden. Katja glaubte nicht an dieses Schauermärchen, sondern eher daran, was die weniger abergläubischen Dorfbewohner wiedergaben. Dass der Schatzmeister Igor Iovănescu ihn in Sicherheit gebracht hatte, bevor die Schlächter der Familie Grigore Nicolea zu fassen bekamen. Angeblich hatte Grigore den Rest seiner Jugend in Paris und in Wien verbracht, was seine Verbundenheit zu den Habsburgern erklärte. Nun war er seit einigen Monaten wieder in der alten Heimat und führte ein Leben, das man an Verworfenheit kaum überbieten konnte. Katja war allerdings der Meinung, diese Beschreibung müsste auf so ziemlich alle männlichen Adeligen zutreffen, die im Glanz der Kerzen ihre Feste feierten, während die armen Bauern dafür sorgten, dass sie die hart erwirtschafteten Steuerabgaben verprassen konnten.

Ein Teil des Geldes floss nicht nur in die fürstlichen Schatztruhen, sondern auch nach Wien. Grigores Verbundenheit zu Österreich schmeckte hier vielen Leuten nicht. Sie – auch Marius gehörte zu ihnen – hätten es lieber gesehen, wenn sich Seine Gnaden auf die Seite der ungarischen Revolutionäre geschlagen hätte. Die lehnten sich immer offener gegen die österreichische Herrschaft auf, und es gab Meldungen über aufflammende Unruhen im Grenzgebiet, die aber mit äußerster Brutalität niedergeschlagen wurden. Katja hoffte nur, dass Marius nicht unvorsichtig wurde und seine Meinung über den Fürsten und vor allem über die Habsburger allzu lautstark kundtat. Man wurde schnell des Hochverrats bezichtigt, wenn man seinem Unmut freien Lauf ließ, und landete am Galgen.

Ein gewaltiges Donnergrollen über ihrem Kopf ließ sie heftig zusammenzucken. Entschlossen zog sie den rauen Stoff ihres Mantels enger um ihren zierlichen Körper und beschleunigte ihre Schritte. Ihre große Tasche, in der sich bereits unzählige verschiedene Kräuter befanden, stieß ihr beim Laufen ständig gegen die Hüfte. Nach einer Weile rannte sie fast und geriet zunehmend außer Atem. Katja ignorierte das schmerzhafte Stechen in ihrer Seite, als bereits die ersten Tropfen ihr Gesicht trafen. Rasch wog sie ihre Möglichkeiten ab und entschied sich dazu, Schutz in der Jagdhütte des Fürsten zu suchen. Die befand sich ganz in der Nähe. Dieser habsburgische Teufelsvasall würde nichts davon mitbekommen, wenn sie alles so hinterließ, wie sie es vorfand.

Katja kämpfte sich weiter, spürte, wie der Wind an Kraft zunahm und an ihrer Kleidung zerrte. Auch die hohen Bäume und Sträucher schützten sie nicht vor der rauen Witterung. Ein greller Blitz erhellte den fast schwarzen Himmel, Sekunden später schoss ein ohrenbetäubendes Donnern über sie hinweg und der Regen nahm binnen weniger Augenblicke massiv an Stärke zu. Sie konnte spüren, wie ihr Mantel die niedergehenden Wassermassen aufsaugte.

Katja schwindelte vor Erleichterung, als sie die kleine Holzhütte erreichte, die mitten im Wald stand wie ein verwunschenes Hexenhäuschen. Auch wenn sie sich nicht wohlfühlte bei dem Gedanken, das Eigentum des Fürsten ohne Erlaubnis zu betreten, verlor sie keine Zeit. Unter Aufbietung all ihrer Kräfte schob sie den sperrigen Riegel zur Seite und drückte die schwere Tür auf. Die Scharniere quietschten, sämtliche Härchen auf ihrer Haut stellten sich bei diesem grauenhaft schrillen Geräusch auf, dann stand sie endlich im Inneren.

Erleichtert schloss Katja die Tür und ließ ihre Tasche zu...