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Aktuelle Volkswirtschaftslehre 2016/2017

von: Peter Eisenhut

Verlag Rüegger, 2016

ISBN: 9783725310340 , 304 Seiten

Format: ePUB

Kopierschutz: Wasserzeichen

Windows PC,Mac OSX geeignet für alle DRM-fähigen eReader Apple iPad, Android Tablet PC's Apple iPod touch, iPhone und Android Smartphones

Preis: 38,99 EUR

Exemplaranzahl:  Preisstaffel

Für Firmen: Nutzung über Internet und Intranet (ab 2 Exemplaren) freigegeben

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Aktuelle Volkswirtschaftslehre 2016/2017


 

2 Die Preisbildung

«Economists do it on demand»

(Aufschrift auf einem T-Shirt)

2.1 Die Nachfrage: Grundlage des Kaufentscheides

Im ersten Kapitel haben wir bereits festgestellt, dass wir laufend Entscheide darüber zu treffen haben, wie wir unsere begrenzten Mittel zur Befriedigung unserer unbegrenzten Bedürfnisse einsetzen wollen. Wovon hängt es nun ab, wie gross die Nachfrage nach einem bestimmten Gut ist? Wovon hängt es beispielsweise ab, ob Sie im nächsten Winter ein neues Snowboard kaufen? Wodurch wird Ihre Entscheidung zum Kauf eines Snowboards beeinflusst?

  • Sicher ist der Preis für den Kaufentscheid wichtig.

  • Auch die Nutzenvorstellung, die Sie mit einem neuen Snowboard verbinden, ist zentral.

  • Zudem beeinflussen die Preise anderer Güter (z. B. Skis, Tageskarten, Computer) Ihren Kaufentscheid.

  • Ihr Einkommen (bzw. Ihr Vermögen) schränkt Sie ebenfalls ein.

  • Auch Ihre Erwartungen für die Zukunft können eine Rolle spielen. Rechnen Sie damit, dass Sie nächstens mehr Einkommen erzielen, oder dass die Preise für Snowboards drastisch sinken werden?

Sie sehen, die Nachfrage ist von einer Vielzahl von Einflussgrössen abhängig. Die Schwierigkeiten, die damit zusammenhängen, zeigt Ihnen die folgende Fragestellung: Wie verändert sich die Nachfrage nach Snowboards, wenn ihre Preise sinken, Bahnfahrten und Benzin teurer werden, die Einkommen sinken, Skifahren absolut «in» wird und die Winter wieder schneereicher werden? Diese Frage lässt sich nicht oder nur unter sehr grossen Schwierigkeiten beantworten. Die Wirkungen der einzelnen Einflussfaktoren können wir nur erkennen, wenn wir sie einzeln betrachten. Wir arbeiten deshalb mit der Annahme, dass sich nur ein Faktor verändert und alles andere gleich bleibt. Diese Annahme wird in der ökonomischen Analyse sehr häufig benutzt, man verwendet dafür den lateinischen Ausdruck «ceteris paribus».

Beschränken wir uns deshalb zuerst auf einen der wesentlichen Einflussfaktoren: den Preis des betrachteten Gutes. Die Frage, die wir uns stellen, lautet somit: Wie verändert sich die nachgefragte Menge eines Gutes, wenn sich der Preis dieses Gutes verändert? Überlegen Sie sich zu diesem Zweck, wie viele Tafeln Schokolade Sie pro Monat kaufen würden, bei einem Preis pro Tafel von CHF 8.–, 7.–, 6.–, 5.–, 4.–, 3.–, 2.–, 1.50, 1.–, –.50, 0.–.

Die Erfahrung zeigt, dass die nachgefragte Menge eines Gutes in der Regel mit sinkendem Preis – ceteris paribus – zunimmt und umgekehrt mit steigendem Preis abnimmt.

Grafisch kann die Nachfrage in einem Preis-Mengen-Diagramm dargestellt werden. Entlang der senkrechten Achse wird der Preis des Gutes, entlang der waagrechten Achse die nachgefragte Menge des Gutes angegeben.

Bei P1 ist der Preis so hoch, dass keine Schokolade mehr gekauft wird. M1 zeigt die Menge, die selbst dann nicht überschritten wird, wenn man die Schokolade geschenkt bekommt (Sättigungsmenge).

Die Nachfragekurve zeigt, welche Mengen die Nachfrager zu unterschiedlichen Preisen zu kaufen bereit sind.1

Abbildung 2.1 Die Nachfragekurve

2.2 Die Verschiebung der Nachfragekurve

«In der Schweiz hat die Nachfrage nach Motorrädern zugenommen!» Die Aussage ist unpräzis. Sie kann nämlich zwei Bedeutungen haben:

  1. Die nachgefragte Menge kann aufgrund einer Preissenkung gestiegen sein. In diesem Fall bewegen wir uns AUF der Nachfragekurve. Damit haben wir uns bisher beschäftigt.

  2. Die nachgefragte Menge kann aber z. B. auch aufgrund einer Bedürfnisänderung – Motorräder sind «in» – zugenommen haben. Damit verlassen wir die oben angewendete Ceteris-paribus-Klausel. Was bedeutet dies für die Nachfragekurve? Hat die Nachfrage aufgrund einer Bedürfnisänderung zugenommen, so heisst dies doch, dass die Nachfrager zum gleichen Preis mehr als bisher nachfragen. Die Nachfragekurve VERSCHIEBT sich also nach rechts.

Auch gestiegene Einkommen könnten diesen Effekt bewirken. Wie steht es mit Preisveränderungen bei anderen Gütern? Wenn zum Beispiel Autos teurer geworden sind, könnte dies ebenfalls zu einer Rechtsverschiebung der Nachfragekurve für Motorräder geführt haben. Diese Begründung ist dann zutreffend, wenn man davon ausgeht, dass Autos durch Motorräder ersetzt werden können. Güter, mit denen man andere Güter ersetzen kann, nennt man Substitutionsgüter. Sowohl eingefleischte Motorrad- als auch Autofans werden allerdings bestreiten, dass es sich bei diesem Beispiel um Substitutionsgüter handelt. Deshalb einige unbestreitbarere Beispiele: Butter und Margarine, Zucker und künstlicher Süssstoff, Henniez und Valser-Wasser, eine 750er-Yamaha und eine 750er-Suzuki.

Wie müssten sich die Preise von Sturzhelmen, Lederkombis und anderen Zubehören verändert haben, um eine Rechtsverschiebung der Nachfragekurve von Motorrädern zu bewirken? Richtig, sie müssten gesunken sein. Bei den angeführten Beispielen handelt es sich um Komplementärgüter. Als Komplementärgüter bezeichnet man also Güter, die sich ergänzen und deshalb zusammengehören.2 Beispiele dafür sind: Pfeife und Tabak, Autos und Reifen, Christbaum und Kerzen, Drucker und Toner, Sex und Kondome.

Verwechseln Sie keinesfalls eine Bewegung auf der Nachfragekurve mit einer Verschiebung der Nachfragekurve. Eine Bewegung auf der Kurve stellt sich dann ein, wenn sich der Preis verändert, alles andere aber gleich bleibt. Eine Verschiebung der Kurve ergibt sich hingegen, wenn sich ein anderer Faktor als der Preis (z. B. Einkommen) verändert, welcher der Nachfragekurve zugrunde liegt.3

Abbildung 2.2 Rechts- und Linksverschiebung der Nachfragekurve

Zusammengefasst können folgende Gründe für eine Rechts- oder Linksverschiebung der Nachfragekurve verantwortlich sein:

Gründe für eine Rechtsverschiebung:

  • Höhere Nutzeneinschätzung

  • Steigende Preise von Substitutionsgütern

  • Sinkende Preise von Komplementärgütern

  • Höheres Einkommen

  • Erwartete Preissteigerungen

Gründe für eine Linksverschiebung:

  • Tiefere Nutzeneinschätzung

  • Sinkende Preise von Substitutionsgütern

  • Steigende Preise von Komplementärgütern

  • Tieferes Einkommen

  • Erwartete Preissenkungen

2.3 Der Hintergrund für den Verlauf der Nachfragekurve

Obwohl es verständlich ist, dass die nachgefragte Menge in der Regel mit sinkendem Preis zunimmt, wollen wir uns dennoch exakter mit den Begründungen für diese Gesetzmässigkeit auseinandersetzen.

  1. Wie verändern Sie Ihre Essgewohnheiten, wenn Kalbfleisch plötzlich teurer wird? Essen Sie mehr Rindfleisch oder werden Sie gar zum Vegetarier? Sobald der Preis eines Gutes steigt, sind Sie versucht, dieses Gut durch andere zu ersetzen (Substitutionseffekt). Zudem werden Sie gezwungen, Ihre Ausgabenstruktur zu überdenken, weil Sie bei steigenden Preisen aber gleichbleibendem Einkommen ein wenig ärmer werden (Einkommenseffekt).

  2. Je mehr der Nachfrager von einem Gut bereits hat, desto weniger schätzt er eine zusätzliche Einheit. Diesen Nutzen, den die zuletzt konsumierte Einheit stiftet, nennt man Grenznutzen. Da der Grenznutzen eines Gutes bei zunehmender Menge abnimmt, will der Nachfrager immer weniger dafür bezahlen, je mehr er bereits davon besitzt (man bezeichnet diese Tatsache zu Ehren von Hermann Gossen, dem Begründer der Grenznutzentheorie, als das erste Gossensche Gesetz: das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen). Der Nachfrager vergleicht also ständig den Preis eines Gutes mit dem Grenznutzen der jeweiligen Einheit und konsumiert so viel (bzw. so lange), bis der Grenznutzen der letzten Einheit gerade noch seinem Preis entspricht. Die Nachfragekurve ist deshalb nichts anderes als die Grenznutzenkurve.

  3. Der Preis zeigt immer das Tauschverhältnis von Gütereinheiten. Er gibt an, auf welche Menge eines Gutes verzichtet werden muss, um eine Einheit eines anderen Gutes zu erhalten (Opportunitätskostenprinzip). Beispielsweise eine Tafel Schokolade für einen Kaffee. Güter erhalten also ihren Preis, indem sie auf andere Güter bezogen werden, man spricht deshalb von relativen Preisen. Steigt z. B. der Preis – ceteris paribus – für Schokolade, werden andere Güter relativ billiger. Da der rational handelnde Mensch versucht, den...