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Beispiele aus meiner psychotherapeutischen Praxis (S. 49-50)
In diesem Kapitel schildere ich Ihnen typische Einzelfälle von Kindern, die durch die Trennung ihrer Eltern psychische Störungen entwickelten.
Problem: Das Kind entwickelt psychosomatische Störungen, damit die Eltern sich nicht streiten
Nathalie ist sieben Jahre alt und Einzelkind. Die Eltern leben in ständigem Streit miteinander. Die Beziehung hängt an einem seidenen Faden Das Kind entwickelt eine starke Neurodermitis. Aus diesem Grund schläft es bei den Eltern. Die Eltern sind besorgt um das Kind und rücken es in den Mittelpunkt. Die Streitsituationen haben dadurch an Wichtigkeit verloren.
Streit regt Nathalie so sehr auf, dass sie ihrem Körper durch Kratzen offene Wunden zufügt. Verschwinden die Symptome der Neurodermitis, streiten die Eltern wieder – und alles beginnt von vorne. Dies ist ein typischer Fall von Konfliktverschiebung. Nathalie opfert sich für ihre Eltern. Dieser einfache Kunstgriff greift sofort bei Streitsituationen der Eltern untereinander. Wird Nathalie krank, solidarisieren sich die Eltern und verdrängen die Probleme auf der Paarebene. Die Familie bleibt zusammen. Würde Nathalie geheilt, träten die Konflikte des Paares in den Vordergrund. Es könnte zu einer Trennung kommen.
Lösung:
Nathalies Eltern kamen zu einer Beratungsstunde. Als ihnen ihre Paardynamik deutlich wurde, setzten sie sich als Paar auseinander. Die Beziehung war durch starke Verletzungen und Vertrauensbrüche in den letzten Jahren zerbrochen. Bei aller Trauer und Schmerz war es für beide eine Art Befreiung und Erleichterung, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Die Trennung folgte. Nathalie wurde liebevoll in den Trennungsprozess mit einbezogen. Ihren Schmerz und ihre Trauer konnte sie bei beiden Elternteilen leben.
Mittlerweile ist ein Jahr vergangen und Nathalie hat keine Neurodermitis mehr. Ich mache immer die Erfahrung, dass die Wahrheit heilt. Oft ist es mit großem Schmerz verbunden. Wird dieser jedoch akzeptiert und gelebt, dann erfolgt die Heilung. Dieser Prozess dauert natürlich seine Zeit.
Problem: Rollenwechsel – der Junge wird zum Partnerersatz
Ich hatte einen tragischen Fall von Rollenverschiebung in meiner Praxis. Leon, elf Jahre, wurde nach der Scheidung zum Partnerersatz für die Mutter. Er durfte immer öfter im früheren Ehebett übernachten und wurde auch im täglichen Alltag zunehmend der engste Vertraute der Mutter.
Sie besprach alle Sorgen und Probleme mit ihm und beklagte sich über seinen Vater. Im Einzelnen wurden die Eheprobleme erörtert und am Vater kein gutes Haar mehr gelassen. Leon passte sich der Situation an und war der brave Sohn, auf den die Mutter stolz war. Er vernachlässigte Freundschaften und wurde langsam zum Einzelgänger.
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