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Internet für Existenzgründer: So nutzen Sie das Netz auf dem Weg in die Selbstständigkeit
3 Alternativen zur Neugründung
Die bisher dargestellten Schritte der Gründung liefen in erster Linie auf die Neugründung eines Unternehmens, das so genannte »Startup«, hinaus, mit dem Sie sozusagen bei Null anfangen: Sie entwickeln Ihr eigenes innovatives Angebotsprofil und bauen sich nach und nach alle Geschäftsbeziehungen und Kundenkontakte auf. Der Vorteil einer Neugründung ist, dass Sie große Gestaltungsfreiräume haben und Ihr Unternehmen mit Ihnen wachsen kann. Auch ein nebenberuflicher Start ist möglich, wobei Sie möglicherweise mit sehr geringem Start-kapital auskommen. Der Nachteil besteht darin, dass Ihr Risiko besonders groß ist: Ihr Angebot wurde bisher noch nirgends erprobt, die Vermarktungsfähigkeit Ihrer Geschäftsidee noch nicht erwiesen.
Diesen Nachteil vermeiden Sie weitgehend, wenn Sie eine der drei anderen Gründungsalternativen – Franchising, Betriebsübernahme oder -beteiligung – wählen. Bei diesen Varianten existieren bereits feste Strukturen; Produkte oder Dienstleistungen sind schon am Markt eingeführt, so dass Sie einige Risiken weniger tragen müssen. Sie steigen in ein bereits vorhandenes Unternehmen oder Unternehmenssystem ein.
Franchising – der Weg zur »schlüsselfertigen Existenz«
»Franchising ist immer und überall«
Nach einem 10-jährigen Studium der Elektrotechnik, voll gestopft mit Schaltkreisen und Formeln, war es Ulf-Dirk Lyda leid. Er beendete sein Studium ohne einen Abschluss. Heute ist der 35-jährige Studienabbrecher erfolgreicher Franchisenehmer von Schülerhilfe, einem der bekanntesten und größten Anbieter von Nachhilfeunterricht. Lyda hat bereits drei Franchiseniederlassungen in Erkrath, Leverkusen und Remscheid.
Während in den heutigen Schulen überfüllte Klassenzimmer an der Tagesordnung sind, werden bei der Schülerhilfe die Kinder in Kleingruppen von vier bis fünf Schülern betreut. Zwischen 75 und 150 Euro monatlich zahlen die Eltern im Durchschnitt für die Nachhilfe beim Pauken. Der Start als Franchisenehmer wäre Lyda nicht möglich gewesen, wenn er nicht schon während seiner Studentenzeit bei der Schülerhilfe gejobbt hätte. Die Arbeit mit Kindern machte ihm letztlich mehr Spaß als trockene Formeln, so dass er seinen Nebenberuf schließlich zum Hauptberuf machte.
Stellen Sie sich vor: Morgens auf dem Weg zur Arbeit gehen Sie beim Augenoptiker vorbei, um Ihre neue Brille abzuholen. Tagsüber arbeiten Sie in einem Büro an Ihrem PC, der von einer speziellen Firma gewartet wird. In der Mittagspause holen Sie sich schnell in der Fußgängerzone ein Fastfood-Menü und kaufen auf dem Rückweg in der Drogerie ein paar Kleinigkeiten ein. Wenn Sie am Nachmittag mit Ihrer Arbeit fertig sind, lassen Sie von einer Preisagentur im Internet recherchieren, wo Sie Ihr neues Auto am preiswertesten kaufen können. Wenn der Händler in Ihrer Nähe ist, fahren Sie gleich hin und schauen sich den Wagen an. Auf der Fahrt zum Händler kommen Sie bei der chemischen Reinigung vorbei, wo Sie ein paar Kleidungsstücke abholen. Auf dem Weg nach Hause halten Sie noch eben beim Baumarkt, um sich neue Gartenmöbel anzusehen ...
Den ganzen Tag über haben Sie es ausschließlich mit Franchisesystemen zu tun gehabt – wahrscheinlich, ohne dass Sie es bemerkt haben. Franchising, die »schlüsselfertige Existenz« mit einem etablierten Produktsortiment und einem erfolgreichen Geschäftskonzept, hat in den letzten zehn Jahren in Deutschland einen wahren Siegeszug durch alle Branchen angetreten. Rund 1 100 deutsche Systeme vertreiben derzeit ihre Geschäftsidee über Lizenznehmer. Hier eine kleine Aus-wahl der vertretenen Wirtschaftszweige: Bausanierung, Land- und Forstwirtschaft, Bäckereien, Buchhaltungsservice, Multimedia, Foto und Video, Gastronomie, Friseure, Glas und Porzellan, Immobilien, Autopflege, Lebens- und Genussmittel, Leder und Schuhe, Rechtsanwälte, Sonnenstudios, Tiernahrung, Touristik, Umwelt, Unternehmensberatung, Werbung und Zeitarbeit. Jüngste Anwärter auf das Franchising, mit deren Markteintritt in Kürze gerechnet werden kann, sind Energieversorger, das Gesundheitswesen sowie die Banken. Rita Mohr bringt es auf den Punkt, wenn sie schreibt: »Franchising ist immer und überall.«
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