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Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3). Handbuch für die Projektarbeit, Qualifizierung und Zertifizierung auf Basis der IPMA Competence Baseline Version 3.0

Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3). Handbuch für die Projektarbeit, Qualifizierung und Zertifizierung auf Basis der IPMA Competence Baseline Version 3.0

von: GPM / Michael Gessler (Hrsg.) unter Mitwirkung der spm

GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement e.V., 2009

ISBN: 9783924841454, 2681 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 198,00 EUR

Ersparnis: 30,00 EUR

  • Die Tricks der Pyramidenbauer, Vermessung und Bau der ägyptischen Pyramiden
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Kompetenzbasiertes Projektmanagement (PM3). Handbuch für die Projektarbeit, Qualifizierung und Zertifizierung auf Basis der IPMA Competence Baseline Version 3.0


 

5.2.2 Abstrahiertes und situiertes Wissen (S. 20)

Abstrahiertes Wissen ist unabhängig von den Anforderungen einer spezifischen Situation. Es handelt sich hierbei um generelle, abstrahierte und eher allgemein-gültige Erkenntnisse. Um situiertes Wissen zu überprüfen, ist eine Kontextualisierung der Aufgabe erforderlich. Dies kann teilweise mit Fallaufgaben (engl. Case Studies) ermöglicht werden.

Das zu lösende Problem (die ICB spricht von „intellectual tasks", IPMA, 2006: 8) wird z. B. als Fallaufgabe gestellt. Die Lösung ist von der im Fall vorgestellten Situation abhängig. Abstrahiertes und situiertes Wissen sind keine Gegensatzpaare, sondern vielmehr komplementäre Wissensarten (Anderson et al., 2000).

Im kompetenzorientierten Zertifizierungssystem der IPMA werden im Wissenstest verschiedene Frageformate eingesetzt: Im schriftlichen Test werden Multiple-Choice-Fragen mit offenen Fragen und Fallaufgaben kombiniert und die Antworten der Kandidaten werden sodann von gesondert geschulten Prüfern (Assessoren) bewertet (IPMA 2006).

Richtig beantwortete Wissens-Fragen (insbesondere von MC-Fragen und offenen Fragen) bieten allerdings noch keine Gewähr, dass eine Person das Wissen in einer Handlungssituation tatsächlich anwenden kann oder über das notwendige Können verfügt, um handlungsfähig zu sein. Dies wird im folgen- den Teilkapitel erläutert.

5.2.3 Träges und implizites Wissen

Wissen, das zwar vorhanden ist, aber nicht zur Anwendung kommt, wird auch als „träges Wissen" (Renkl, 1994) bezeichnet. Es handelt sich um einen Fehlschluss, „viel Wissen" mit „viel Können" gleichzusetzen. Experten zeichnet zudem aus, dass sie sich von Routinen lösen und innovative Lösungen entwickeln können (Gruber, 1994). In einem geschlossenen System, das mit einem feststehenden Frage- und Antwortformat arbeitet (z. B. MC-Test), kann eine solche Performanz nicht geprüft werden.

Ein weiteres Phänomen ist kennzeichnend für das Können: Nicht alles Wissen kann verbal ausgedrückt werden, kann expliziert werden, gleichwohl es in Handlungen sichtbar wird. Polanyi hat hierfür den Begriff des „impliziten Wissens" geprägt (Polanyi, 1985). Wir können beispielsweise sicher mit dem Auto durch eine Großstadt navigieren, ohne dass wir genau sagen könnten, wie wir das machen.

Gigerenzer hat hierzu unlängst Forschungsergebnisse mit dem Titel „Bauchentscheidungen" veröf- fentlicht (Gigerenzer, 2007), oftmals gelte sogar die Formel: „Bauchgefühl schlägt Kopfentscheidung" (Gigerenzer, 2008). In seinem Roman „Der Termin" beschreibt der amerikanische Projektmanager und Bestseller-Autor TOM DeMARCO die Bedeutung des „impliziten Wissens" besonders prägnant: „Die wichtigsten Körperteile eines Managers sind Herz, Bauch, Seele und Nase. Sie braucht er um: mit dem Herzen zu führen, dem Gefühl im Bauch zu vertrauen (auf die innere Stimme zu hören), die Organisation zu beseelen, zu riechen, daß etwas stinkt." (DeMarco, 1998: 51)

Kurz: Ein Wissenstest erfasst nur Teilaspekte der Kompetenz und bietet keine Gewähr, dass Wissen auch in Handlungen umgesetzt werden kann (Stichwort „träges Wissen") oder die Person über das notwendige Können (Stichwort „implizites Wissen") verfügt, weshalb neben dem Wissen zudem das Kön- nen zu prüfen ist. Allerdings gilt auch hier: Können ist nicht gleich Können.