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Kapitel 3 Das Problem mIt Den GenIes, Teil 1 (S. 63-65)
»Wenn Sie vor einem Klassenzimmer voller kluger Kinder stehen, dann haben Sie wenig davon, wenn Sie den Intelligenzquotienten eines Kindes kennen.« .
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Im Frühjahr 2008 trat in der amerikanischen Quizsendung 1 vs 100 ein Gast namens Christopher Langan auf. 1 vs 100 ist eine von zahlreichen Nachahmersendungen, mit denen Fernsehsender auf den phänomenalen Erfolg der Quizshow Wer wird Millionär? aufspringen wollten. Woche für Woche tritt eine Gruppe von 100 Dauergästen, die als »der Mob« bezeichnet werden, gegen einen geladenen Gast an. Dabei geht es um eine Million Dollar. Der Gast muss mehr Fragen richtig beantworten als seine 100 Gegenspieler. Vermutlich gab es dafür keinen geeigneteren Kandidaten als Christopher Langan. »Heute Abend steht der Mob vor seiner schwierigsten Aufgabe«, verkündete eine Stimme aus dem Off.
»Wir präsentieren Ihnen Chris Langan, der auch als der klügste Mann Amerikas bekannt ist.« Es wurde das Bild eines bulligen Fünfzigjährigen eingeblendet. »Der Durchschnittsmensch hat einen Intelligenzquotienten von 100«, fuhr die Stimme fort. »Einstein hatte 150. Chris hat einen Intelligenzquotienten von 195. Gerade beschäftigt er sich mit einer Theorie des Universums. Doch wird sein Wunderhirn ausreichen, den Mob zu besiegen und eine Million Dollar mit nach Hause zu nehmen? Sehen Sie selbst in Einer gegen Hundert.« Unter tosendem Applaus betrat Langan die Bühne. »Meinen Sie, man braucht einen besonderen Intelligenzquo tienten, um hier zu gewinnen?«, fragte ihn der Moderator Bob Saget im Vorgespräch. Dabei sah er Langan prüfend von der Seite an, als handele es sich um ein Versuchstier.
»Ich glaube, ein hoher Intelligenzquotient könnte sogar eher ein Hindernis sein«, erwiderte Langan mit einer tiefen, selbstsicheren Stimme. »Menschen mit hohem Intelligenzquotienten neigen zur Spezialisierung und Vertiefung. Sie meiden Belang losigkeiten. Aber wenn ich mir diese Leute hier ansehe«, – er blickte ins Publikum und die Heiterkeit in seinen Augen verriet, wie lächerlich er das Schauspiel fand – »dann denke ich, dass ich nicht allzu schlecht abschneiden werde.« Im vergangenen Jahrzehnt hat Chris Langan eine außergewöhnliche Berühmtheit erlangt. Für die amerikanische Öffentlichkeit ist er die Verkörperung des Genies, ein Überflieger. Er wird in Nachrichtensendungen eingeladen, in Zeitschriften porträtiert, und Regisseur Errol Morris hat sogar einen Dokumentarfilm über ihn gedreht – und das alles nur wegen eines Gehirns, das sich jeder Beschreibung zu entziehen scheint.
Im Auftrag der Nachrichtensendung 20/20 legte ein Neuropsychologe Langan einen herkömmlichen Intelligenztest vor, das Ergebnis war buchstäblich unfassbar und zu hoch für eine genaue Bestimmung. Bei einer anderen Gelegenheit unterzog sich Langan einem Intelligenztest, der speziell für hochintelligente Menschen entwickelt wurde. Er beantwortete alle Fragen bis auf eine.1 Im Alter von sechs Monaten konnte er bereits sprechen. Im Alter von drei Jahren hörte er ein Radioprogramm, in dem Comics vorgelesen wurden, er las die Geschichten mit, bis er sich selbst das Lesen beigebracht hatte. Im Alter von fünf Jahren fragte er seinen Großvater nach Gott und erinnert sich, dass ihn die Antworten enttäuschten.
Im Fremdsprachenunterricht an der Schule nahm Langan ohne jede Vorbereitung an Prüfungen teil – wenn er die Möglichkeit hatte, zwei oder drei Minuten in seinem Schulbuch zu blättern, ehe der Lehrer das Klassenzimmer betrat, bestand er die Prüfungen. Im Alter von 13 Jahren arbeitete er als Erntehelfer und las sich gleichzeitig in die theoretische Physik ein. Mit 16 Jahren ackerte er sich durch das für seine Unverständlichkeit berüchtigte philosophische Meisterwerk Principia Mathematica von Bertrand Russell und Alfred North Withehead. In seinem Hochschulzugangstest erzielt er die Höchstpunktzahl, obwohl er während der Prüfung ein Nickerchen einlegte.
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