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Was wissen wir über Nachhilfe?

Was wissen wir über Nachhilfe?

von: Dieter von Dohmen, Annegret Erbes, Kathrin Fuchs, Juliane Günzel

Bertelsmann, W. Verlag, 2008

ISBN: 9783763945450, 151 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 29,90 EUR

Mehr zum Inhalt

Was wissen wir über Nachhilfe?


 

5. Überblick über die Forschungslage zum Thema (S. 94-95)

Nachhilfe im internationalen Vergleich In diesem Kapitel soll ein Überblick über den Stellenwert und die Ausgestaltung der Nachhilfe in ausgewählten anderen Ländern gegeben werden. Nach einigen einleitenden Bemerkungen zur internationalen Datenbasis wird ein Überblick über die Entwicklung und Bedeutung des Nachhilfeunterrichts in verschiedenen Ländern bzw. Kulturkreisen gegeben. Daran schließt sich eine überblicksartige Darstellung von Nachhilfeangebot und -nachfrage an, im Rahmen derer Parallelitäten bzw. Unterschiede zur Situation in Deutschland aufgezeigt werden.

In unterschiedlichen Ländern ist der Nachhilfesektor von staatlicher Seite unterschiedlich stark reglementiert. Die verschiedenen verfolgten Ansätze sind Gegenstand des Kapitels 5.4. Anschließend werden verschiedene Erwartungen an Nachhilfeunterricht und entsprechende empirische Ergebnisse zur tatsächlichen Wirksamkeit beispielhaft dargestellt. Am Ende des Kapitels schließlich wird die Situation in ausgewählten Ländern dargestellt. Dabei wird, soweit möglich, auch auf das jeweilige Marktvolumen eingegangen, was auf länderübergreifender Ebene mangels entsprechender Daten nicht geleistet werden kann. Festgehalten sei jedoch bereits an dieser Stelle, dass die privaten Ausgaben für Nachhilfeunterricht insbesondere im asiatischen Raum sehr hoch sind, so dass die privaten Investitionen der Eltern in die Schulbildung ihrer Kinder häufig über den Pro-Kopf-Ausgaben für Bildung seitens der öffentlichen Hand liegen.

5.1 Datenbasis

Die Gewinnung internationaler Daten zum Thema Nachhilfe, insbesondere zur Marktsituation, gestaltet sich aus verschiedenen Gründen schwierig. Ein erstes Hindernis stellt bereis die uneinheitliche Terminologie dar. So wird bisweilen von „private tutoring" gesprochen, in anderen Kontexten ist hingegen von „private tuition" die Rede. In wieder anderen Texten und Berichten wird der Begriff „supplementary education" verwendet. Institutionen, die Nachhilfeunterricht anbieten, bezeichnen ihre Tätigkeit häufig als „coaching" (Bray 2003, S. 20, vgl. auch Ireson 2004). Hinzu kommen teils sehr unterschiedliche Definitionen der einzelnen Begriffe.

So kann sich der Begriff „supplementary education" sowohl auf Einzelunterricht als auch auf Nachhilfeunterricht in Form von Massenveranstaltungen beziehen, auf Lernarrangements, die zu Hause bei dem/der Schüler/in oder in der Schule stattfinden etc. Zudem führen die unterschiedlichen Definitionen bisweilen zu einer Vermischung unterschiedlicher Lernarrangements, so dass eine klare Abgrenzung kommerzieller und nicht kommerzieller Nachhilfe bisweilen nicht oder nur schwer möglich ist. Die in Kapitel 1.4 dargestellten Abgrenzungsprobleme zeigen sich also auch international und werden durch die uneinheitliche Terminologie noch verstärkt. Vor diesem Hintergrund ist es nur sehr eingeschränkt möglich, verlässliche und vergleichbare Daten zu Art und Ausmaß von Nachhilfeunterricht in den einzelnen Ländern zu erhalten, zumal sich die wenigen vorliegenden Studien auf jeweils andere Bildungsstufen beziehen etc. (vgl. Bray 1999).

So beziehen sich die meisten vorliegenden Studien aus Europa schwerpunktmäßig auf die Sekundarstufe I, im asiatischen Raum sind hingegen Analysen in der Sekundarstufe II häufiger. Diese Tendenz kann mit einer unterschiedlichen Nutzungsstruktur in den einzelnen Kulturkreisen begründet werden (siehe Kapitel 5.2). Weiterhin sind die Regelungen zur Organisation und Registrierung von Nachhilfeanbieter/ innen in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich.

Vielerorts sind zahlreiche Anbieter/innen von kommerziellem Nachhilfeunterricht (bspw. aus steuerlichen Gründen) nicht registriert, bzw. die Zahl ihrer Nachhilfeschüler/innen variiert so stark, dass keine verlässlichen Informationen über das tatsächliche Marktvolumen gewonnen werden können. Ein weiteres Problem ist, dass Nachhilfeunterricht in unterschiedlichen Ländern bzw. Kulturkreisen unterschiedlich gut bzw. schlecht angesehen ist, was u. U. zu einer unterschiedlichen Bereitschaft seitens der Schüler/ innen oder ihrer Eltern führen kann, Auskunft über die Inanspruchnahme von Nachhilfeunterricht zu geben (vgl. Bray 2005).