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Teil II Wege zur Förderung berufsbiografischer Gestaltungskompetenz in der Ausbildung (S. 53-54)
7. Die Berufsausbildung als biografisch bedeutsame Entwicklungszeit
Die (üblicherweise) drei Jahre einer Berufsausbildung kann man selbst als eine kleine „Biografiegestalt" sehen, die charakteristische Fragestellungen und Entwicklungen in den einzelnen Ausbildungsjahren mit sich bringt: Vom langsamen Einleben in eine neue Welt über die Auseinandersetzung mit beruflichen Erfahrungen bis zur Entwicklung einer weiterführenden Perspektive für die Zeit nach der Ausbildung. Dies bedeutet, dass die Förderung der vier Komponenten berufsbiografischer Gestaltungsfähigkeit mit den Erfahrungen und Problemstellungen verschränkt ist, mit denen junge Menschen im Verlauf ihrer Ausbildung konfrontiert werden. Eine genaue Betrachtung typischer Ausbildungsverläufe zeigt, dass berufsbiografische Gestaltungskompetenz vom ersten Tag an gebraucht wird. Deren Förderung muss jedoch gemäß den alters- und entwicklungsspezifischen Gegebenheiten gestaltet werden. In diesem Praxisteil stellen wir Vorschläge vor, die sich für alle drei Ausbildungsjahre eignen und zugleich die Möglichkeit bieten, gezielt an lehrjahrstypische Fragestellungen anzuknüpfen.
Man muss sich klar machen, dass für die Jugendlichen im ersten Ausbildungsjahr so gut wie „alles neu" ist – sie müssen nicht nur Fachliches und Methodisches für ihren künftigen Beruf erwerben. Vielmehr müssen sie ganz allgemein „Arbeiten lernen", mit allem, was dazugehört und was gerade in dieser Altersstufe schwer fällt. Das beginnt mit so scheinbar einfachen Dingen wie dem pünktlichen morgendlichen Aufstehen und setzt sich damit fort, dass gelernt werden muss, den ganzen Arbeitstag lang körperlich (viele Jugendliche in gewerblich-technischen Berufen klagen anfangs darüber, dass ihnen z.B. das lange Stehen schwer fällt) und mental durchzuhalten, sich dauerhaft zu konzentrieren, Anweisungen aufzunehmen und auch zu befolgen usw. Daneben lernen sie eine ganz neue Welt – den Betrieb –, kennen, mit allen Anforderungen, die damit verbunden sind: Arbeiten in einem sozialen Umfeld mit je eigenen Regeln und Erwartungen (die z.T. nicht immer klar sind), Umgang mit Hierarchie, Konflikten am Arbeitsplatz und so fort.
Für die meisten Auszubildenden ist ferner ein höheres Maß an Eigenverantwortung zu lernen, die sich nicht nur auf die Ausbildungs-/Arbeitsaufgaben bezieht, sondern darüber hinaus auch auf den Umgang mit dem selbst verdienten Geld, das möglicherweise für eine eigene Wohnung reichen muss. In diesem Fall muss auch noch die eigene Lebensführung selbst organisiert werden.
Und schließlich lernen die Auszubildenden nun die Realität ihres gewählten Berufs kennen. Erst in der Begegnung mit der Realität zeigt sich allmählich, ob die Entscheidung tragfähig ist. Innerlich müssen Vorstellungen und Wirklichkeit abgeglichen werden. Man arrangiert sich mit der vorgefundenen Situation. Oder man stellt fest, dass Beruf bzw. Stelle gar nicht zu dem passen, was man sich vorgestellt hat und was man sich für den eigenen Beruf wünscht. Es tauchen Fragen auf, ob man den Anforderungen gewachsen ist, mit dem Umfeld zurechtkommt usw. Nicht ohne Grund ist die Zahl der Ausbildungsabbrüche im ersten Ausbildungsjahr aus Gründen wie „Kam mit dem Chef/den Kollegen nicht zurecht" hoch! Hier brauchen also Auszubildende bereits Möglichkeiten, sich mit ihrem Beruf zu verbinden oder auch eventuell die Entscheidung für einen Wechsel zu treffen.
Weder den Jugendlichen noch dem Betrieb ist damit gedient, dass sie ohne Interesse und Motivation an einem Ausbildungsplatz bleiben, der ihnen nicht zusagt. Dass eine solche Entscheidung gut abgewogen werden muss und keine Kurzschlussreaktion auf eine momentane Befindlichkeit oder kurzzeitige Frustration sein sollte, kann als Erkenntnis auch eine gute Voraussetzung für ein bewusst gestaltetes Berufsleben sein.
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