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Learning Communities als Infrastruktur Lebenslangen Lernens - Vergleichende Fallstudien europäischer Praxis

von: Silke Schreiber-Barsch

Bertelsmann, W. Verlag, 2007

ISBN: 9783763945320, 360 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC,Mac OSX,Windows PC Bookeen Cybook Orizon,Ectaco Lite,Aluratek Libre,eLyricon EBX-500.TFT,PocketBook 302,FlatReader,BeBook 'One',iRiver Story,Sony Reader PRS-3xx,Bookeen CyBook Opus,Hanvon/Hexaglot N518,PocketBook 301+,COOL-ER eReader,Inves-Book 600,eLyricon EBX-600.E-Ink, Bookeen CyBook Gen3 ab Rev: 1.9,Italica Reader,Sony Reader PRS-505, -6xx, -7xx,Pocketbook 360,Hanvon N516 Weltbild Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 34,90 EUR

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Learning Communities als Infrastruktur Lebenslangen Lernens - Vergleichende Fallstudien europäischer Praxis


 

3 Von Programmatik zu Support neuer Praxisstrukturen – der Status quo der europäischen Debatte um Lebenslanges Lernen (S. 77-78)

Im Anschluss an die historischen Ursprünge und die erste Generation der Konzepte Lebenslangen Lernens ist nunmehr die konzeptionelle Weiterentwicklung in der zweiten bzw. dritten Generation und folglich der aktuelle europäische Diskurs um Lebenslanges Lernen zu fokussieren. In den Vordergrund rückt die Verschiebung von primär bildungsprogrammatischen Äußerungen hin zu einer fortschreitenden Promotion der Implementierung von Praxisstrukturen Lebenslangen Lernens. Hierzu sind zunächst die gesamtgesellschaftlichen Rahmenfaktoren der zweiten bzw. dritten Generation der Konzepte zu skizzieren.

3.1 Gesellschaftliche Transformationsprozesse in der Moderne

Die gegenwärtige gesellschaftliche Lage aus sozialwissenschaftlicher Sicht hinreichend zu erfassen, erscheint angesichts der empirischen Vielschichtigkeit des sozio-strukturellen Gefüges wie seiner kontroversen Interpretationskonzepte als eine komplexe Aufgabe. Stetig werden neue "Bindestrich-Gesellschaften" proklamiert:

Die Diagnosen erstrecken sich von der „Risikogesellschaft" (Beck) über die „Bürgergesellschaft" (Dahrendorf) bis zur „Mediengesellschaft" (Postman), im Bildungsdiskurs kommen die "Informations-", "Wissens-" oder auch die "Lerngesellschaft" hinzu. Wirklich durchsetzen als weithin anerkannte Diagnose konnte sich bisher keine, ihre Vielfalt spiegelt hingegen die Multiperspektivität auf soziale Veränderungsprozesse und die Schlüsselstellung einzelner Kategorien wie z.B. die des "Wissens" wider. Gemeinsam ist ihnen allerdings die Intention, angesichts der veränderten Qualität der gesamtgesellschaftlichen Brüche und Wandlungsprozesse in den letzten Jahrzehnten eine Restrukturierung der theoretischen Entwürfe voranzutreiben.

Individualisierung und Pluralisierung

Die sog. Moderne ist von einem Ensemble soziostruktureller, kultureller und individuell-kollektiver Veränderungen geprägt, das unter Vorbereitung von Entwicklungslinien aus Mittelalter und Renaissance in der Epoche der Aufklärung diese konstituierte bzw. dort ihren Ausgangspunkt fand und sich seit dem 20. Jahrhundert stetig beschleunigt fortgesetzt hat. So homogen dieser Prozess als Gesamtbild wirkt, so heterogen stellt sich sein Verlauf über die Jahrhunderte hinweg im Detail dar. Nicht Linearität, sondern Ambivalenz, regional divergente Intensität und Geschwindigkeit, Überlagerung einzelner Komponenten und unvollendeter Zustand sowie die Integration von z.T. nur spezifischen Bevölkerungsgruppen in die Dynamik charakterisieren ihn. Somit ist "Modernisierung" kein präzise abgrenzbares Phänomen, wenngleich ihm seine Verortung als Kategorie westlicher Industriegesellschaften immanent ist. Hier interessieren zwei Merkmale des Prozesses: Individualisierung und Pluralisierung.

Empirisch-historisch und ideengeschichtlich wird mit Individualisierung die Abkehr von der überkommenen Wahrnehmung des Einzelnen als v.a. Mitglied gesellschaftlich definierter Gruppen- bzw. Funktionszusammenhänge hin zu einer mehr individualisierten Betrachtung bzw. Behandlung beschrieben. Erste Anfänge finden sich in Mittelalter und Renaissance, die sich mit der Aufklärung weiter ausformten. Der Bruch zu früheren Gesellschaftsordnungen besteht aus der Herauslösung des Einzelnen aus traditionellen Formen sozialer Einbindung, im Rahmen dessen z.B. Aspekte von Identität durch die soziale Position qua Geburt, durch Vorgaben der Religionen oder auch der Herrschenden bestimmt worden waren. Zugleich impliziert die Herauslösung das Angebot neuer Formen sozialer Einbindung wie z.B. anhand der Nation, einer „imagined political community" (Anderson 1991). Diese soziale Wieder-/ Einbindung erfolgt nahezu eigenständig und in zeitlicher Begrenzung durch das Individuum selbst.

In enger Wechselwirkung steht die Pluralisierung der Lebenswelten. Mit der Auflösung der Ständeordnung und fortschreitender Industrialisierung fand eine funktionale Differenzierung der Gesellschaft in einzelne Teilbereiche wie Wirtschaft, Politik usw. statt, die sich dem Einzelnen ohne ständische Regulierung öffneten.