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Gender und Naturwissenschaften – Geschlechtergerechter naturwissenschaftlicher (S. 41-42)
Unterricht in der Schule Hannelore Faulstich-Wieland Im Beitrag soll zunächst kurz die Ausgangslage in den naturwissenschaftlichen Fächern skizziert werden, die durch ungleiche Leistungen der beiden Geschlechter charakterisierbar ist, die allerdings keineswegs so gravierend unterschiedlich sind, wie im Allgemeinen unterstellt wird. In einem zweiten Schritt geht es darum, welche Erklärungsansätze für den Genderbias vorliegen und wie tragfähig sie jeweils sind.
Die diskutierten Maßnahmen konzentrieren sich weitgehend auf eine Separierung der Geschlechter. Nutzen und Akzeptanz dieser Lösung sind jedoch umstritten. Folglich gilt es, nach anderen Formen der Veränderung zu fragen. Den Lehrkräften kommt im Unterricht eine zentrale Rolle zu. So dass im Hauptteil genauer beleuchtet werden soll, welchen Anteil am Genderbias sie haben und welche Perspektiven es gibt. Dabei geht es um die Frage, was „Geschlechtergerechtigkeit" im schulischen Unterricht meinen kann?
1 Ausgangslage: Leistungsdifferenzen
Die internationalen Leistungsstudien liefern auch Ergebnisse zur Frage nach Differenzen zwischen den Geschlechtern. So finden sich in den Ergebnissen von IGLU, in der Viertklässler getestet wurden, bei den deutschen Kindern deutliche Geschlechterdifferenzen in den naturwissenschaftlichen Kompetenzen. Der Mittelwert der Jungen liegt bei 567, der für die Mädchen bei 552 Punkten. Der Vorsprung der Jungen zeigt sich auch bei der Verteilung auf den Kompetenzstufen: Mädchen sind auf den unteren, Jungen auf den oberen Stufen überrepräsentiert. (Bos/Lankes/Prenzel/Schwippert/Walther/Valtin 2003: 174- 175) Gleiches gilt für die Erhebung zur mathematischen Kompetenz (ebd.: 218- 219).
Die AutorInnen sprechen denn auch davon, dass die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bemerkenswert und „keineswegs im Sinne des Grundschulunterrichts" seien (ebd.: 182). Österreich hat sich an dieser Leistungsstudie nicht beteiligt. In der Sekundarstufe I, nämlich bei den 15jährigen gab es in der PISAStudie 2000 (Stanat/Kunter 2001: 2002) in Österreich signifikante Differenzen in allen drei Leistungsbereichen zwischen Mädchen und Jungen – Mädchen waren wesentlich besser in der Lesekompetenz, Jungen waren wesentlich besser in Mathematik und immer noch deutlich besser in Naturwissenschaften. In der PISA-Studie 2003 blieb allerdings nur der signifikante Vorsprung der Mädchen im Lesen bestehen, weder in Mathematik noch in den Naturwissenschaften unterschieden sich die Leistungen von Mädchen und Jungen (Zimmer/Burba/Rost 2004).
In Deutschland – für Österreich habe ich keine entsprechenden Daten – wird Physik von Mädchen wie Jungen in der gymnasialen Oberstufe nur zu geringen Teilen gewählt, allerdings im Vergleich von deutlich mehr Jungen als Mädchen. Die Leistungsdifferenzen finden sich sowohl in Grund- wie in Leistungskursen zugunsten der Männer, obwohl – so die Autoren Olaf Köller und Eckhard Klieme – sich vermuten lässt, dass beide Gruppen mit einem vergleichbaren Leistungsniveau in der Oberstufe starten (Köller/Klieme 2000: 395).
Die Leistungsdifferenzen finden sich in allen Gebieten der Physik, am größten sind sie bei „Wellen und Schwingungen", am geringsten bei „Elektrizität und Magnetismus." (ebd.: 396) Es gelingt offenbar nicht, im Physikunterricht der gymnasialen Oberstufe Voraussetzungen zu schaffen, die zu gleichen Lernerfolgen führen. Eine Mediatoranalyse verweist auf die besondere Relevanz des Interesses dabei: Bei gleichem Interesse lassen sich keine Leistungsvorteile der Männer mehr nachweisen.
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