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Die Zukunft der Bürgergesellschaft - Herausforderungen und Perspektiven für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Festschrift für Warnfried Dettling

Die Zukunft der Bürgergesellschaft - Herausforderungen und Perspektiven für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Festschrift für Warnfried Dettling

von: Daniel Dettling (Hrsg.)

VS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV), 2008

ISBN: 9783531911519, 231 Seiten

Format: PDF, OL

Mac OSX,Windows PC Apple iPad, Android Tablet PC's Online-Lesen für: Linux,Mac OSX,Windows PC

Preis: 44,99 EUR

Ersparnis: 4,96 EUR

  • Wasser für die Elefanten
    Erschieß die Apfelsine - Roman
    Marketing - ´´Junge, was machst du eigentlich genau?´´
    Champagner und Stilettos - Roman
    Supply Chain Risiken - Identifikation, Bewertung und Steuerung
    Schweine züchten in Nazareth - Roman
    Biomedizinische Ontologie
    Zärtlicher Nachtwind - Roman
  • SCOOTER & Sport - Die besten Editorials 1996-2011
    Geliebte des Blitzes - Roman
    Geben und Nehmen
    Der geheime Brief - Roman
    Tief
    SexLust - Erotischer Roman - Band 1
    Hardball - Ein neuer Fall für Vic Warshawski
    Entschuldigen Sie meine Störung - Ein Wahnsinnsroman
 

Mehr zum Inhalt

Die Zukunft der Bürgergesellschaft - Herausforderungen und Perspektiven für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Festschrift für Warnfried Dettling


 

Norbert Walter (S. 98-99)

Die Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik

Die Wirtschaftsverfassung auf dem Prüfstand heterogener Einflüsse

Die Vielfalt von Institutionen und Denkrichtungen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die die Gebilde Wirtschaft und Wirtschaftspolitik ausmachen, hat in Deutschland zum Teil alte und tiefe Wurzeln. Vieles davon ist nicht typisch deutsch, manches abendländisch, manches kontinentaleuropäisch. Zu den prägenden Elementen zählt der Einfluss religiöser Bewegungen. Nicht nur die Verbindung von Staat und Kirche über viele Jahrhunderte bestimmte diesen Einfluss, er wirkte tief und unmittelbar über einzelne gesellschaftliche Gruppen.

Die Einstellung zum Zweck und Ziel des Lebens, die Beurteilung von Leistung und Eigentum sind zwar weithin christlich orientiert, innerhalb dieser Grundorientierung haben sich aber deutliche Differenzierungen entwickelt: von der katholischen Soziallehre, dominiert von der Hintanstellung individueller, irdischer Wünsche, über protestantische Ethik mit der Betonung individueller Verantwortung bis hin zu diesseits gemessener Erfolgsorientierung im Calvinismus. Wie außerordentlich bedeutend solche Einflüsse sind, zeigt sich im Grundgesetz, wenn etwa von der Sozialbindung des Eigentums die Rede ist.

Das Attribut sozial für die deutsche Form der Marktwirtschaft reflektiert den ausgeprägt christlich bestimmten Gestaltungswillen. Dass der Wirtschaftsstil über die rein wirtschaftlichen, rein funktionalen Zwecke hinausreichen sollte, war ausdrückliche Absicht jener Männer, die als Väter der Sozialen Marktwirtschaft zu betrachten sind. Einige von ihnen, so Alfred Müller-Armack, rieten eindeutig von einer offenen Austragung sachlich unvermeidbarer Konflikte ab. In idealisierender Weise wird im Konfliktfall das Kollektiv in die Verantwortung gebracht. Dieses Harmoniebedürfnis scheint den Deutschen besonders eigen zu sein.

Die Konsequenz, dass damit Probleme möglicherweise verschleiert oder verschoben werden, ziehen die Deutschen vor zu verdrängen. Wenn die Wirtschaftskultur in Deutschland charakterisiert werden soll, kommt man nicht umhin, sie als außerordentlich heterogen und im historischen Ablauf als außerordentlich anpassungsfähig zu bezeichnen. Es ist freilich leichter zu sagen, was die deutsche Wirtschaftskultur nicht ausmacht, als sie positiv zu beschreiben. Es fehlt ihr die Ausrichtung auf ein politisches, auf ein geistiges Zentrum. Weder ist sie durch einen dominanten Zentralstaat noch durch eine dominante Wirtschaftsphilosophie – Merkantilismus, Freihandel, Zentralverwaltungswirtschaft – bestimmt. Seinen Grund hat dies in der Art der staatlichen (Un-)Ordnung in der deutschen Geschichte.

Die Vielfalt und der ständige Wechsel der Regime, nicht nur nach Zahl, sondern auch nach Bedeutung und Charakter, haben – in historischer Perspektive – prägend gewirkt. Der heutige Föderalismus ist eine konsequente Fortsetzung dieser Tradition. Anders als etwa in Frankreich oder England, wo die staatliche Einheit eine lange und feste Tradition hat, bestand Deutschland (fast) immer aus mehreren, recht unterschiedlichen und meist weitgehend autonomen Einzelteilen. Anhand der Geschichte ist auch zu erklären, warum es keine wirklich vorherrschende Wirtschaftsphilosophie gibt.

Das Fehlen einer dauerhaften politischen Führungsmacht – statt dessen kämpften Fürstenhäuser ständig gegeneinander –, der Mangel an Wirtschaftsdynastien, anders als etwa in England oder Japan – im historischen Kontext blieben die Fugger, Krupps oder Grundigs Episoden – und die Nichtexistenz dominanter wissenschaftlicher Zentren – anders als in Frankreich – gaben der Vielfalt wirtschaftlicher Ideen Raum, zogen ihrer Durchsetzung jedoch immer enge Grenzen. So war Deutschland mehr ein Ort für die Entwicklung von Ideen als ein Ort ihrer konsequenten Verwirklichung. Die Wirtschaftsverfassung der Bundesrepublik Deutschland besitzt unverkennbar Merkmale, die mit den geschichtlichen Erfahrungen der Deutschen in den ersten viereinhalb Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, zu erklären sind. Es sind die deutschen Traumata zweier großer Inflationen.